PropalÀstinensisches, Uni-Protestcamp

PropalÀstinensisches Uni-Protestcamp in Los Angeles gerÀumt

02.05.2024 - 16:13:32

Die US-Unis sind Epizentren der erbitterten amerikanischen Debatte ĂŒber den Gaza-Krieg. Auf die RĂ€umung eines Camps in New York folgt ein Polizeieinsatz in Los Angeles. Auch der PrĂ€sident meldet sich.

US-PrĂ€sident Joe Biden hat nach der RĂ€umung eines weiteren propalĂ€stinensischen Zeltlagers auf dem Campus einer Elite-UniversitĂ€t Gewalt bei den Protesten aufs SchĂ€rfste verurteilt. «Es gibt das Recht zu protestieren, aber nicht das Recht, Chaos zu verursachen», sagte Biden in einer kurzfristig anberaumten Rede im Weißen Haus. Es mĂŒsse Ordnung herrschen, die USA seien kein gesetzloses Land. Der Demokrat machte gleichzeitig deutlich, dass ihn die Proteste nicht dazu veranlassen, seine Nahost-Politik zu ĂŒberdenken. Wenige Stunden vor Bidens Rede hatte die Polizei in Los Angeles ein Protestlager auf dem Campus der renommierten University of California in Los Angeles (UCLA) gerĂ€umt.

Polizei nimmt Demonstranten fest

Proteste gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg und fĂŒr eine SolidaritĂ€t mit den PalĂ€stinensern sind in den vergangenen Wochen an diversen US-Hochschulstandorten hochgekocht. Meist geht es dabei um die Forderung an Hochschulen und Unternehmen, finanzielle Beziehungen zu Israel zu kappen. WĂ€hrend einige jĂŒdische Studierende an diesen Protesten teilnehmen, fĂŒhlen sich andere bedroht und bleiben den Unis fern. Weit ĂŒber 1000 Demonstranten waren landesweit festgenommen worden. Vor wenigen Tagen hatte die Polizei an der Elite-UniversitĂ€t Columbia in New York ein von Studierenden besetztes HochschulgebĂ€ude gerĂ€umt

In der Nacht ging die Polizei auch gegen ein Zeltlager auf dem Campus der UCLA in Los Angeles vor. Über Stunden standen sich Demonstrierende und Polizei gegenĂŒber. Schließlich rĂ€umte die Polizei das Lager in den frĂŒhen Morgenstunden. Die Beamten rissen aufgestellte Barrikaden nieder. US-Medien berichteten von mehr als 100 Festnahmen. Videos zeigten Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten.

Die Behörden hatten das Camp auf dem UCLA-GelĂ€nde als «rechtswidrige Versammlung» eingestuft. Um das verbarrikadierte Zeltlager hatten sich nach Angaben der «Los Angeles Times» in der Folge mehrere Tausend Protestierende eingefunden, die sich den EinsatzkrĂ€ften entgegenstellten und sie zunĂ€chst von dem Camp zurĂŒckgedrĂ€ngt hatten. Schon in der vorangegangenen Nacht war es zu Gewalt gekommen, als AnhĂ€nger der Gegenseite versucht hatten, das Protestcamp einzureißen.

Biden: Gewalt ist kein friedlicher Protest

Biden fand kurz nach der RĂ€umung deutliche Worte. Der 81-JĂ€hrige steht wegen seiner UnterstĂŒtzung fĂŒr Israels MilitĂ€reinsatz gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen in den USA unter Druck. Er machte deutlich, dass es fĂŒr Antisemitismus oder Gewaltandrohungen gegen jĂŒdische Studenten keinen Raum geben dĂŒrfe. Das gelte auch fĂŒr Islamophobie.

Er betonte zudem, dass Gewalt, Vandalismus oder Hausfriedensbruch kein friedlicher Protest seien. «Menschen zu bedrohen, einzuschĂŒchtern, Menschen Angst einzujagen ist kein friedlicher Protest. Es ist gegen das Gesetz.» Auf die Frage der Presse, ob sich die Nationalgarde einschalten sollte, sagte Biden: «Nein.» Dieselbe Antwort gab der Demokrat auf die Frage, ob ihn die Proteste dazu veranlassten, seine Nahost-Politik zu ĂŒberdenken.

Kritiker werfen insbesondere dem radikalen Teil der Protestbewegung Antisemitismus und die Verharmlosung der Hamas vor - die Islamistenorganisation spricht Israel das Existenzrecht ab und hat den Gaza-Krieg mit einem beispiellosen Massaker am 7. Oktober ausgelöst. Ihnen gegenĂŒber stehen vielerorts Proteste, die sich mit der israelischen Seite solidarisieren und eine Freilassung der von der Hamas noch immer gefangen gehaltenen Geiseln fordern. Antisemitische Taten waren seit dem 7. Oktober an den UniversitĂ€ten angestiegen. Islamophobe Übergriffe ebenfalls.

Ausnahmezustand auch an anderen UniversitÀten

Auch an anderen US-Hochschulen kam es erneut zu PolizeieinsÀtzen. Am Dartmouth College im Bundesstaat New Hampshire wurden nach Angaben der Polizei der Stadt Hanover 90 Personen festgenommen. Ihnen wurde Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, nachdem unerlaubterweise Zelte auf dem GelÀnde errichtet worden waren. Bei den Festgenommenen handelte es sich laut Polizei nur zum Teil um Dartmouth-Studierende oder Lehrende.

In Dallas nahm die Polizei bei der RĂ€umung eines Protestcamps auf dem GelĂ€nde der UniversitĂ€t von Texas mindestens 20 Menschen in Gewahrsam, die die Nacht im GefĂ€ngnis verbringen sollten, wie der Sender Fox4 berichtete. Eine zunĂ€chst friedlich begonnene Demonstration auf ihrem GelĂ€nde sei ausgeartet, teilte auch die Stony Brook UniversitĂ€t in New York mit. Zelte seien errichtet, andere Studierende eingeschĂŒchtert und belĂ€stigt worden. 29 Protestler seien daraufhin festgenommen worden, darunter neben Studierenden und Mitarbeitern demnach auch Nicht-Angehörige der Hochschule.

Vor mehr als zwei Wochen begann die Welle an Campus-Protesten auf der New Yorker Elite-Uni Columbia mit einem Zeltlager, das schnell von der Polizei aufgelöst wurde. Das als besonders hart wahrgenommene Vorgehen stachelte die Studierenden an, sodass ein grĂ¶ĂŸeres Camp entstand. Die Spannungen fĂŒhrten die weitgehend friedlichen Proteste schließlich zur gewaltsamen Besetzung der Hamilton Hall auf dem Columbia-GelĂ€nde. Ein Großaufgebot des NYPD hatte den Campus daraufhin gerĂ€umt und mehr als 200 Studierende vorlĂ€ufig festgenommen.

Neue Protest-Camps in Großbritannien

An einigen UniversitĂ€ten in Großbritannien finden ebenfalls propalĂ€stinensische Protestaktionen statt. Studenten in den StĂ€dten Leeds, Newcastle und Bristol hĂ€tten aus Protest gegen den Krieg im Gazastreifen Zelte vor UniversitĂ€tsgebĂ€uden aufgebaut, meldete die britische Nachrichtenagentur PA.Fotos aus Manchester zeigen ebenfalls einige Zelte mit palĂ€stinensischen Flaggen.

Die fĂŒr Parlamentsfragen zustĂ€ndige Ministerin Penny Mordaunt forderte die Polizei zu «Àußerst strengen Maßnahmen» auf, falls Studierende in Großbritannien zu Gewalt griffen. Der Sprecher von Premierminister Rishi Sunak betonte das Recht auf friedlichen Protest. Dies dĂŒrfe aber nicht missbraucht werden, um andere einzuschĂŒchtern oder Unruhen zu verursachen. «NatĂŒrlich verfĂŒgt die Polizei bereits ĂŒber weitreichende Befugnisse zur Wahrung der öffentlichen Ordnung, um Unruhen bei Protesten vorzubeugen, und wird dabei, falls nötig, auch weiterhin unsere volle UnterstĂŒtzung haben», sagte er.

Die Zeitung «Times» berichtete, die Camps in Großbritannien hĂ€tten nur einen Bruchteil des Umfangs wie die an den US-UniversitĂ€ten Yale und Columbia. In Großbritannien kommt es immer wieder zu Protesten, seit der Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober den MilitĂ€reinsatz Israels im Gazastreifen ausgelöst hatte.

Der «Times» zufolge sollen die Protestaktionen schon vor der Demonstrationswelle in den USA geplant gewesen sein, nun aber neuen Schwung bekommen haben. Eine jĂŒdische Studierendenvereinigung in Großbritannien forderte UniversitĂ€ten auf, jĂŒdische Studierende zu schĂŒtzen. «Studenten haben das Recht zu protestieren, aber diese Lager fĂŒhren zu einer feindseligen und toxischen AtmosphĂ€re auf dem Campus fĂŒr jĂŒdische Studenten», teilte die Union of Jewish Students auf der Plattform X (frĂŒher Twitter) mit.

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