USA, Israel

USA warnen Israel mit Nachdruck vor Rafah-Offensive

19.03.2024 - 01:20:27 | dpa.de

Die USA erhöhen den Druck auf Israel, eine Bodenoffensive in Rafah zu unterlassen. Es gebe eine bessere Strategie. Einen Erfolg aber bescheinigen die USA Israel: Die Nummer Drei der Hamas sei tot.

Jake Sullivan, Nationaler Sicherheitsberater der USA, spricht wĂ€hrend einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Die US-Regierung will zeitnah mit Israel ĂŒber Bedenken wegen der geplanten israelischen Bodenoffensive in Rafah sprechen. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Die USA wollen im Gaza-Krieg Israel von der geplanten Bodenoffensive gegen die mit GeflĂŒchteten ĂŒberfĂŒllte Stadt Rafah abbringen. US-PrĂ€sident Joe Biden habe Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu in einem Telefonat aufgefordert, in den nĂ€chsten Tagen ein Team aus Vertretern von MilitĂ€r, Geheimdiensten und Spezialisten fĂŒr humanitĂ€re Hilfe nach Washington zu entsenden, sagte Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan.

Es gebe andere Wege, die islamistische Hamas zu bekÀmpfen als ein Einmarsch in Rafah. Zugleich bescheinigte Sullivan Israel Erfolge. So habe die Armee die Nummer Drei der Hamas in Gaza, Marwan Issa, getötet, sagte Sullivan, nachdem es tagelange Spekulationen dazu gegeben hatte. Israel hatte zwar gesagt, Issa auf die Spur gekommen zu sein, seinen Tod jedoch zunÀchst nicht bestÀtigt.

Neue Verhandlungen ĂŒber Feuerpause und Geiseln

Unterdessen begannen in Katar neue Verhandlungen ĂŒber eine Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung weiterer Geiseln. Das israelische Fernsehen berichtete, der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, sei in dem Emirat mit Vermittlern zusammengetroffen. Man gehe davon aus, dass die GesprĂ€che mindestens zwei Wochen lang dauern könnten.

Die Hamas hatte den Vermittlern Katar, Ägypten und USA kĂŒrzlich einen neuen Vorschlag vorgelegt. Darin verlangt die Hamas nicht mehr, dass Israel den Krieg beendet, bevor die ersten Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen ausgetauscht werden. Dem Vorschlag zufolge wĂŒrden die Islamisten eine nicht nur vorĂŒbergehende Einstellung der Kampfhandlungen durch Israel erst zur Voraussetzung fĂŒr eine zweite Phase der Geiselfreilassungen machen. Israel ist jedoch laut Medien pessimistisch und spricht weiter von unrealistischen Forderungen der Terrororganisation.

USA: Bodenoffensive in Rafah wÀre ein Fehler

Die US-Regierung kritisiert seit lĂ€ngerem die PlĂ€ne der israelischen FĂŒhrung, in Rafah eine Bodenoffensive zu starten. «Wir sind der Meinung, dass die Hamas weder in Rafah noch anderswo einen sicheren Zufluchtsort haben sollte, aber eine grĂ¶ĂŸere Bodenoperation dort wĂ€re ein Fehler», sagte Sullivan. Ein Treffen mit der israelischen Delegation in Washington sei fĂŒr Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche angepeilt.

Mehr als eine Million Menschen hĂ€tten Zuflucht in Rafah gesucht, und Israel habe weder den USA noch der Welt einen Plan prĂ€sentiert, wie diese Schutzsuchenden in Sicherheit gebracht und versorgt werden könnten. «Wir gehen davon aus, dass sie mit der großen MilitĂ€roperation in Rafah nicht vorangehen werden, bis wir dieses GesprĂ€ch gefĂŒhrt haben», sagte Sullivan.

EU will Sanktionen gegen israelische Siedler verhÀngen

Die EU will unterdessen erstmals Sanktionen gegen radikale israelische Siedler im Westjordanland verhĂ€ngen. Außenminister der Mitgliedstaaten verstĂ€ndigten sich bei einem Treffen in BrĂŒssel auf entsprechende PlĂ€ne, wie der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mitteilte. Sie sollen nun in den kommenden Tagen formalisiert werden.

Ungarn kĂŒndigte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an, das Vorgehen nicht weiter blockieren zu wollen. Hintergrund der SanktionsplĂ€ne sind Gewalttaten extremistischer Siedler gegen PalĂ€stinenser - insbesondere auch nach dem Hamas-Massaker in Israel vom 7. Oktober. Die Angriffe werden wie der Siedlungsbau an sich als eines der Hindernisse fĂŒr BemĂŒhungen um eine langfristige Friedenslösung im Nahost-Konflikt gesehen.

Israel: Hamas-KÀmpfer bei Einsatz in Schifa-Klinik getötet

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben bei dem Einsatz im Schifa-Krankenhaus in Gaza mehr als 40 KÀmpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas getötet und mehr als 200 TerrorverdÀchtige festgenommen. Diese aktualisierten Zahlen gab der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, bekannt.

Mehr als 20 Terroristen seien bei dem nĂ€chtlichen Einsatz im Krankenhausbereich getötet worden, darunter Faik al-Mabhuh, Leiter einer Abteilung fĂŒr innere Sicherheit der Hamas. Weitere mehr als 20 Hamas-KĂ€mpfer seien in der Umgebung der Klinik in der Stadt Gaza im Norden des KĂŒstengebiets eliminiert worden, sagte Hagari. Die Angaben des israelischen MilitĂ€rs konnten unabhĂ€ngig zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒft werden.

Von der Hamas gab es zunĂ€chst keine offizielle BestĂ€tigung fĂŒr den Tod von Al-Mabhuh. Die Terrororganisation kĂ€mpfe weiterhin systematisch von KrankenhĂ€usern und zivilen Einrichtungen aus und nutze Zivilisten und Patienten als menschliche Schutzschilde, sagte der israelische Armeesprecher weiter. Sie habe versucht, ihre Basis in dem Schifa-Krankenhaus, dem grĂ¶ĂŸten in Gaza, wieder aufzubauen und es als Zufluchtsort fĂŒr fliehende Terroristen zu nutzen. «Wir werden dies nicht zulassen und werden ĂŒberall dort zuschlagen, wo die Hamas versucht, ihre Kontrolle wiederzuerlangen», sagte der Armeesprecher.

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