USA reduzieren FlugzeugtrÀger-PrÀsenz in Nahost-Region
13.09.2024 - 04:28:33Nach einem mehrwöchigen Einsatz als Reaktion auf die Krise im Nahen Osten haben die USA ihren FlugzeugtrĂ€ger «USS Theodore Roosevelt» aus dem Roten Meer abgezogen. Das Schiff und der dazugehörige Verband befĂ€nden sich auf dem Weg durch den Indopazifik, teilte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, mit. In Nahost verbleiben noch der FlugzeugtrĂ€ger «USS Abraham Lincoln» und dessen Begleitschiffe, die derzeit im Golf von Oman kreuzen.Â
Ryder nannte keine Details zu dem Abzug, sondern sprach im Allgemeinen von «Flottenmanagement». Bei Bedarf seien die USA in der Lage, mit zwei FlugzeugtrĂ€gern vor Ort zu sein, betonte er. Die «Lincoln» und ihre Begleitschiffe waren als zweiter Flottenverband Anfang August zur «Roosevelt» gestoĂen, nachdem sich die Lage in der Region verschĂ€rft hatte.Â
Der Iran hatte damals seinem Erzfeind Israel mit massiver Vergeltung gedroht, nachdem der AnfĂŒhrer der mit dem Iran verbĂŒndeten palĂ€stinensischen radikalislamischen Hamas, Ismail Hanija, in Teheran ermordet worden war. Der Iran hatte Israel fĂŒr den Anschlag verantwortlich gemacht. Zu dem angekĂŒndigten Vergeltungsschlag kam es bislang nicht.Â
Die USA sind Israels wichtigster VerbĂŒndeter. Sie hatten zuletzt zusĂ€tzliche Kriegsschiffe, Flugzeuge und auch ein mit Raketen bestĂŒcktes Atom-U-Boot in die Region verlegt.Â
Tote bei israelischen Angriffen im Libanon und in Syrien
Bei einem israelischen Angriff im Libanon wurden unterdessen nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet. Darunter sei auch ein Kind gewesen, teilte das Gesundheitsministerium in Beirut mit. Bei dem Angriff nahe Nabatieh im SĂŒden des Landes habe es auĂerdem drei Verletzte gegeben. Ob unter den Opfern Mitglieder der Hisbollah waren, war zunĂ€chst nicht klar. Das israelische MilitĂ€r Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht.
Israels Armee tötete indes nach eigenen Angaben im SĂŒden Syriens bei Luftangriffen zwei Militante. Bei einem habe es sich um einen in Syrien tĂ€tigen Kader der libanesischen Hisbollah gehandelt. Nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in London sollen sich die Angegriffenen als Rekrutierer und Waffentransporteure fĂŒr die Hisbollah betĂ€tigt haben.Â
Zuvor hatte es gegenseitigen Beschuss zwischen der proiranischen Hisbollah und dem israelischen MilitĂ€r gegeben. Die Hisbollah reklamierte mehrere Angriffe auf Ziele im Norden Israels fĂŒr sich. Auch die israelische Armee griff nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA mehrere Ziele im SĂŒdlibanon an.
Seit Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der mit der Hisbollah verbĂŒndeten Hamas vor elf Monaten kommt es im Grenzgebiet der beiden LĂ€nder nahezu tĂ€glich zu militĂ€rischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah. Auf beiden Seiten gab es Tote - die meisten von ihnen Mitglieder der Hisbollah. Die Hisbollah handelt nach eigenen Angaben aus SolidaritĂ€t mit der Hamas.
War Israel mit Bodentruppen auf syrischem Terrain?
Mit einem waghalsigen Luftlandemanöver soll Israel Medienberichten zufolge am vergangenen Wochenende in Syrien eine Fabrik fĂŒr PrĂ€zisionsraketen angegriffen und zerstört haben. Entsprechende Berichte der «New York Times» und des Nachrichtenportals «axios.com» stĂŒtzen sich auf die Aussagen namentlich nicht genannter Personen, die in die Aktion involviert gewesen sein sollen oder aus erster Hand Kenntnis davon erlangt hĂ€tten.
Auch die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in GroĂbritannien bestĂ€tigte den Einsatz. Demnach seien fĂŒnf Helikopter vom israelischen MilitĂ€r eingesetzt worden.
Die Waffenfabrik soll vom Iran, Syriens wichtigstem VerbĂŒndeten, errichtet worden sein - in erster Linie, um die Hisbollah-Miliz im Libanon mit Raketen zu versorgen. Irans Botschaft in Syrien wies Berichte zurĂŒck, dass bei der Operation iranische StaatsbĂŒrger festgenommen worden seien. Offiziell dementiert Irans eine Regierung eine MilitĂ€rprĂ€senz in Syrien und ist nach eigener Darstellung nur beratend in dem BĂŒrgerkriegsland tĂ€tig. Neben Moskau zĂ€hlt Teheran zu den wichtigsten UnterstĂŒtzern von Machthaber Baschar al-Assad.
Syriens staatliche Nachrichtenagentur Sana hatte bereits am Montag berichtet, dass bei einem mutmaĂlich von Israel ausgefĂŒhrten Luftangriff in der Region Masjaf im Westen des Landes 18 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Von Bodentruppen war in den damaligen Berichten nicht die Rede. Israel kommentiert solche Angriffe in der Regel nicht. Die israelische Armee greift in Syrien aber immer wieder Stellungen von Milizen an, die vom Iran unterstĂŒtzt werden, oder auch Waffentransporte, die fĂŒr die Hisbollah vorgesehen sind.Â
Der Einsatz von Soldaten der Luftwaffen-Eliteeinheit Schaldag auf syrischem Boden wĂ€re - so sich die Berichte bewahrheiten - ein Novum fĂŒr Israel. Israels MilitĂ€r habe Bau und Funktion der unterirdischen Waffenschmiede in Masjaf jahrelang beobachtet, hieĂ es auf «axios.com». Da sich die Anlage unter der Erde befand, hĂ€tte sie allein mit Luftangriffen nicht zerstört werden können. In den vergangenen Jahren sei die geplante Mission zweimal abgeblasen worden, weil sie als zu riskant galt, hieĂ es weiter.Â
Den Berichten zufolge seilten sich die Schaldag-Soldaten von Helikoptern ab, töteten die Wachsoldaten der Anlage, stellten Dokumente sicher und sprengten die Fabrik in die Luft. Die Luftangriffe sollen dazu gedient haben, das syrische MilitÀr vom Schauplatz abzuhalten.
Keine aktiven Tunnel unter Gaza-Grenze zu Ăgypten
Nach mehrmonatigem Einsatz in der sĂŒdlichen Gaza-Stadt Rafah hat Israels MilitĂ€r eigenen Angaben zufolge neun Tunnel gefunden, die unter der Grenze hindurch in Richtung Ăgypten fĂŒhrten. Alle waren jedoch bereits zuvor verschlossen worden, entweder vom Nachbarland Ăgypten oder von der frĂŒher im Gazastreifen herrschenden Hamas, berichtet die «Times of Israel» unter Berufung auf den Kommandeur der fĂŒr Rafah zustĂ€ndigen 162. Division, Brigadier Itzik Cohen.Â
Soldaten der Division fanden in der Stadt an der Grenze zu Ăgypten 203 Tunnel mit einer GesamtlĂ€nge von 13 Kilometern, die sie weitgehend zerstörten. Neun hĂ€tten ins Nachbarland gefĂŒhrt. «Sie sind eingestĂŒrzt, unbrauchbar und nicht aktiv», wird Cohen zitiert.Â
Die angeblichen Schmuggel-Tunnel, ĂŒber die sich die Hamas ĂŒber Ăgypten mit Waffen und AusrĂŒstungen versorgt haben soll, spielen eine zentrale Rolle in der Argumentation des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu bei dessen Beharren auf einer dauerhaften militĂ€rischen PrĂ€senz in Rafah. Diese Forderungen Netanjahus sind derzeit eines der Haupthindernisse bei den diplomatischen BemĂŒhungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Freilassung der Geiseln in der Gewalt der Hamas.Â
Schmuggel wohl eher ĂŒber regulĂ€re GrenzĂŒbergĂ€nge
FĂŒhrende israelische MilitĂ€rs glauben aber, dass die Hamas den GroĂteil der Waffen selbst im Gazastreifen hergestellt hat, schreibt die Tageszeitung «Haaretz». Das dafĂŒr nötige Material schmuggelten die Islamisten vor dem Krieg ĂŒber die regulĂ€ren GrenzĂŒbergĂ€nge bei Rafah (Ăgypten) und Kerem Schalom (Israel) in das an sich abgeriegelte KĂŒstengebiet.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten. Auf israelischer Seite wurden dabei mehr als 1.200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.Â
Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seit Kriegsbeginn mindestens 41.118 PalÀstinenser im Gazastreifen getötet. Die Angaben unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten und lassen sich nicht unabhÀngig verifizieren.









