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Supreme Court: Kann Trump noch einmal US-PrÀsident werden?

08.02.2024 - 07:14:31

Die USA sind ein polarisiertes Land. Trump hat mit Normen gebrochen. Trauriger Höhepunkt seiner PrĂ€sidentschaft war der Kapitol-Sturm. Ist Trump deswegen untauglich fĂŒrs PrĂ€sidentenamt?

  • Donald Trump will erneut PrĂ€sident der USA werden. - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

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  • Donald Trump wĂŒrde gerne erneut PrĂ€sident der USA werden. - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

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Donald Trump will erneut PrĂ€sident der USA werden. - Foto: Matt Rourke/AP/dpaDonald Trump wĂŒrde gerne erneut PrĂ€sident der USA werden. - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

In der Verfassung der USA ist geregelt, wer PrĂ€sident werden kann. Die Person muss gebĂŒrtiger StaatsbĂŒrger sein, mindestens 35 Jahre alt und fĂŒr mindestens 14 Jahre in den USA gelebt haben. So weit, so eindeutig. Doch dann gibt es da noch das sogenannte Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz. Es besagt sinngemĂ€ĂŸ, dass niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden darf, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat.

Vorhang auf: Donald Trump. Der 77-JĂ€hrige will nach der PrĂ€sidentenwahl im November wieder ins Weiße Haus. Doch Gegner des Republikaners argumentieren, er habe mit seinem Verhalten rund um den Sturm auf das Kapitol sein Recht verspielt, noch einmal PrĂ€sident zu werden. Mit entsprechenden Anstrengungen hatten sie Erfolg - etwa im Bundesstaat Colorado. Nun ist das Oberste Gericht des Landes am Zug.

EndgĂŒltige Entscheidung erst in einigen Wochen

Die neun Richterinnen und Richter in Washington hörten sich die Argumente beider Seiten an. Bei der Anhörung nahm das Gericht die AnwĂ€lte ins Kreuzverhör - eine Niederlage fĂŒr Trump deutete sich zunĂ€chst nicht an. Die Fragen der Richter geben immer einen Einblick in ihre Gedankenwelt. Doch die endgĂŒltige Entscheidung dĂŒrfte erst in einigen Wochen fallen.

Im Dezember hatte das höchste Gericht in Colorado in einem explosiven Urteil entschieden, dass Ex-PrĂ€sident Trump sich fĂŒr die Vorwahl der Republikaner fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur in dem Bundesstaat disqualifiziert habe. Trump legte Berufung ein. Das Urteil ist so lange ausgesetzt, bis die Frage endgĂŒltig geklĂ€rt ist. Damit liegt es jetzt am Supreme Court ĂŒber den Fortgang der PrĂ€sidentenwahlen in den USA zu entscheiden. Die Frage nach Trumps Ausschluss vom PrĂ€sidentenamt ist nicht nur juristisch knifflig - sie hat politische Sprengkraft, könnte die US-Gesellschaft im Wahljahr weiter spalten und das politische System an seine Grenzen bringen.

Trump hat Mehrheit am Supreme Court nach rechts verschoben

Das Oberste Gericht des Landes gibt sich gern unparteiisch und unbefangen. Vor gut 23 Jahren hat es allerdings schon einmal in einer historischen Entscheidung ĂŒber den Ausgang einer PrĂ€sidentenwahl entschieden. Damals ging es um die Frage, ob die Stimmen im entscheidenden Bundesstaat Florida neu ausgezĂ€hlt werden sollten. Der Supreme Court stoppte die NeuauszĂ€hlung und machte damit den Republikaner George W. Bush zum PrĂ€sidenten, der Demokrat Al Gore verlor. Das Ansehen des Gerichts nahm damals Schaden, es gab viel Kritik. Das Urteil des Supreme Court im Fall Trump dĂŒrfte eine Ă€hnliche - vielleicht sogar noch grĂ¶ĂŸere - Dimension haben.

Trump hatte wĂ€hrend seiner Amtszeit die Möglichkeit, drei Richterposten am Supreme Court neu zu besetzen. Er entschied sich fĂŒr erzkonservative und tief religiöse Kandidaten und verschob die Mehrheiten am Gericht möglicherweise fĂŒr Jahrzehnte weit nach rechts. Nur drei der neun Richterinnen und Richter werden dem liberalen Lager zugeordnet. Das Gericht hat in dieser Besetzungskonstellation hĂ€ufig im Sinne religiöser KlĂ€ger entschieden, den Schutz von Minderheiten aufgeweicht und etwa das rund 50 Jahre lang geltende Recht auf Abtreibung gekippt. In der Folge hat das Gericht Umfragen nach an Zustimmung in der Bevölkerung verloren. Dennoch entschied es nicht immer Sinne Trumps - etwa als es um die Herausgabe seiner Steuerunterlagen ging.

Juristischer Drahtseilakt

Im Fall um Trumps Eignung als PrĂ€sident gibt es grob drei Fragen zu klĂ€ren. Die erste ist, ob die Aufstandsklausel in der Verfassung fĂŒr PrĂ€sidenten gilt. Zwar werden in der Passage einige Beispiele fĂŒr solche höheren Ämter genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt ist aber das Amt des PrĂ€sidenten. Zweitens muss geklĂ€rt werden, ob der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 als Aufstand zu werten ist. Trumps AnhĂ€nger hatten damals den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede aufgewiegelt. Sollte dieses Ereignis als Aufstand gewertet werden, mĂŒsste drittens geklĂ€rt werden, ob Trump sich daran beteiligt hat.

Fachleute gehen allerdings davon aus, dass das Gericht keine dieser Fragen beantworten wird. Denn dafĂŒr ist der Fall zu politisch aufgeladen. «Ich denke, es wird ein technisches Urteil geben», sagt der Juraprofessor Aaron Tang von der Stanford UniversitĂ€t in Kalifornien im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das bedeutet, dass der Supreme Court die zentralen Fragen umschiffen wĂŒrde, um sich nicht politisch angreifbar zu machen. «Man kann sich das wie einen Notausgang vorstellen, als Weg, auf dem der Supreme Court fĂŒr Trump entscheiden kann, der politisch nicht explosiv ist.» Tang geht davon aus, dass das Gericht sich auf Trumps Seite stellen wird.

Supreme Court könnte Kongress Verantwortung zuschieben

Tang und andere Juristinnen und Juristen vermuten, dass der Supreme Court die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Frage nach der Eignung als PrĂ€sident beim Kongress sehen könnte. Ein mögliches Urteil könnte besagen, dass der US-Kongress erst entsprechend handeln mĂŒsste, bevor die Aufstandsklausel auf eine bestimmte Person angewendet werden könne. So argumentierte am Donnerstag auch Trumps Anwalt Jonathan Mitchell. In einem Schlagabtausch mit den Richterinnen und Richtern vertrat er außerdem die Auffassung, dass die Aufstandsklausel nicht auf Trump zutreffe, weil diese sich nur auf ernannte und nicht auf gewĂ€hlte AmtstrĂ€ger wie PrĂ€sidenten beziehe.

Auch zu der Frage, ob es sich bei dem Sturm auf das Kapitol um einen Aufstand handle, Ă€ußerte er sich: «Dies war ein Krawall. Es war kein Aufstand. Die Ereignisse waren beschĂ€mend, kriminell, gewalttĂ€tig, all diese Dinge, aber sie galten nicht als Aufstand.» Der Anwalt der Gegenseite, Jason Murray, betonte hingegen, dass die Ereignisse am 6. Januar 2021 die Kriterien eines Aufstands erfĂŒllten. Einige konservative Richter gingen auf die mögliche Einstufung als Aufstand ein, die Frage war aber nicht zentrales Thema der Verteidigung Trumps. Der Oberste Richter John Roberts gab zudem zu bedenken, dass die Disqualifizierung Trumps vom PrĂ€sidentenamt in einem Bundesstaat zur Folge haben könnte, dass in anderen Bundesstaaten demokratische Kandidaten vom Wahlzettel gestrichen werden könnten.

Trumps Super-GAU

Es besteht natĂŒrlich die Möglichkeit, dass der Supreme Court entscheidet, dass Trump nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt geeignet sei. Er könnte dann zwar weiter kandidieren, sein Name könnte je nach konkreter Entscheidung unter bestimmten juristischen UmstĂ€nden vielleicht auch auf dem Wahlzettel in manchen Bundesstaaten stehen. Aber der Republikaner dĂŒrfte nicht noch einmal PrĂ€sident der USA werden. Expertinnen und Experten gehen aber davon, dass es absolut unwahrscheinlich ist, dass das Oberste Gericht ein solches Urteil fĂ€llen wird. Auch bei der Anhörung am Donnerstag deutete sich nicht an, dass das Gericht diesen Weg einschlagen wird.

Sollte es doch so kommen, befĂŒrchten einige Beobachter auch politische Gewalt - der Sturm auf das Kapitol hat gezeigt, wie weit Trump und seine AnhĂ€nger bereit sind zu gehen. FĂŒr Jurist Tang wĂ€re ein solches Urteil eine «weltverĂ€ndernde Entscheidung».

@ dpa.de