Netanjahu, USA-Besuch

Netanjahu beginnt USA-Besuch im Wirbel um Biden-RĂŒckzug

22.07.2024 - 05:07:27

Die USA sind Israels wichtigster VerbĂŒndeter. Doch die Beziehungen zwischen Biden und Netanjahu sind belastet. Nun kommt Israels Regierungschef. Welche Folgen hat Bidens RĂŒckzug fĂŒr ihn - und Gaza?

  • Es besteht Sorge, dass sich der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zu einem Krieg ausweiten könnte. (Archivbild) - Foto: Leo Correa/AP/dpa

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  • Das VerhĂ€ltnis zwischen Joe Biden und Benjamin Netanjahu war schon vor dem Gaza-Krieg kein einfaches. (Archivbild) - Foto: Avi Ohayon/GPO/dpa

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Es besteht Sorge, dass sich der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zu einem Krieg ausweiten könnte. (Archivbild) - Foto: Leo Correa/AP/dpaDas VerhÀltnis zwischen Joe Biden und Benjamin Netanjahu war schon vor dem Gaza-Krieg kein einfaches. (Archivbild) - Foto: Avi Ohayon/GPO/dpa

Mitten im Wirbel um den RĂŒckzug von US-PrĂ€sident Joe Biden aus dem Rennen um eine weitere Amtszeit reist Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu heute zu einem offiziellen Besuch in die Vereinigten Staaten. Es sei noch «zu frĂŒh», um sagen zu können, welche Folgen Bidens Entscheidung fĂŒr Israels KriegsfĂŒhrung im Gazastreifen haben könnte, zitierte die «Washington Post» eine Quelle in Netanjahus BĂŒro. Laut israelischen Medienberichten soll ein fĂŒr Dienstag angesetztes Treffen mit Biden wie geplant stattfinden.

Biden und Netanjahu waren zuletzt im vergangenen Herbst in Tel Aviv persönlich zusammengekommen, kurz nach dem Massaker der islamistischen Hamas am 7. Oktober in Israel, das den Gaza-Krieg ausgelöst hatte. Bei dem nun geplanten GesprĂ€ch mit Biden soll es nach Medienberichten vor allem um die BemĂŒhungen um eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln im Gegenzug fĂŒr die Freilassung palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge gehen. Kurz vor seiner Abreise entschied Netanjahu, am Donnerstag eine Delegation nach Katar zu schicken.

Geisel-Verhandlungen sollen weitergehen

Dort sollen die schleppend verlaufenden indirekten Verhandlungen mit der Hamas, bei denen Katar, die USA und Ägypten vermitteln, fortgesetzt werden. Nach Ansicht von Analysten könnte der sich Ă€ndernde politische Wind in Washington Netanjahu zu einem entscheidenden Zeitpunkt bei den Verhandlungen stĂ€rken, schrieb die «Washington Post». US-Beamte hĂ€tten eingerĂ€umt, dass die zuletzt zunehmenden innenpolitischen Probleme von US-PrĂ€sident Biden mit einer VerhĂ€rtung der Position von Netanjahu zusammenfielen. 

So hatte Netanjahu kĂŒrzlich, nachdem die Hamas gerade mehr FlexibilitĂ€t gezeigt hatte, neue Forderungen erhoben - etwa die nach einem lĂ€ngeren Verbleib israelischer Truppen an strategischen Stellen des Gazastreifens. Deswegen kamen die GesprĂ€che in letzter Zeit nicht vom Fleck. Die US-UnterhĂ€ndler hĂ€tten befĂŒrchtet, dass Netanjahus neue Forderungen die GesprĂ€che zum Scheitern bringen, so die US-Zeitung. ZunĂ€chst blieb unklar, ob Netanjahu seine neue Delegation nun mit einem großzĂŒgigeren Verhandlungsmandat ausgestattet hat.

Proteste vor Netanjahus Abreise

Am Vorabend seiner Abreise in die USA demonstrierten Hunderte Israelis vor dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten Netanjahu auf, die Reise nicht anzutreten, bevor er ein Abkommen zur Freilassung der 120 Geiseln unterschrieben hat, meldete das Nachrichtenportal «haaretz.com». Der Neffe einer Geisel sagte: «Die meisten BĂŒrger wissen, dass Netanjahu nur auf der Grundlage seiner persönlichen Interessen entscheidet.» Sie wĂŒrden erkennen, dass er die indirekten Geisel-GesprĂ€che sabotiere. 

Netanjahu regiert in einer Koalition mit ultra-religiösen und rechtsextremen Parteien, die ZugestĂ€ndnisse an die Hamas ablehnen und mit der Sprengung des RegierungsbĂŒndnisses drohen. Bei vorgezogenen Neuwahlen hĂ€tte Netanjahu laut Umfragen keine guten Karten. Sein angespanntes VerhĂ€ltnis zu Biden hatte sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert, da Israel sich mit zahlreichen Bitten des Weißen Hauses konfrontiert sah, die humanitĂ€re Hilfe in Gaza zu verstĂ€rken und mehr fĂŒr den Schutz der Zivilbevölkerung zu tun.

Im Mai stoppte die US-Regierung eine Lieferung schwerer Bomben aus Sorge, sie könnten in bewohnten Gebieten eingesetzt werden. Kritiker werfen Netanjahu vor, den Krieg zu seinem eigenen politischen Vorteil in die LĂ€nge zu ziehen - ein Vorwurf, den er zurĂŒckweist. Netanjahu beharrt darauf, Israel mĂŒsse so lange kĂ€mpfen, bis die Hamas vollstĂ€ndig zerstört sei. Ein Ziel, das selbst im eigenen MilitĂ€r angezweifelt wird. «Wer glaubt, wir könnten die Hamas ausschalten, irrt sich», sagte Armeesprecher Daniel Hagari im vergangenen Monat. 

Netanjahu will Rede vor US-Kongress halten 

WĂ€hrend fĂŒhrende Köpfe in Israel, darunter PrĂ€sident Izchak Herzog und Verteidigungsminister Joav Galant, Biden fĂŒr seine UnterstĂŒtzung Israels öffentlich dankten, gab es von Netanjahu zunĂ€chst keine Reaktion zu Bidens RĂŒckzug, wie die «Times of Israel» festhielt. Am Mittwoch will er vor beiden Kammern des US-Kongresses eine Rede zu Israels militĂ€rischem Vorgehen im Gazastreifen halten. Netanjahu werde seit langem dafĂŒr kritisiert, sich mit Republikanern unter Donald Trump zu verbĂŒnden, schrieb die «Washington Post».

Die israelische Luftwaffe hat unterdessen nach Beschuss durch die proiranische Hisbollah erneut Stellungen der Miliz im SĂŒdlibanon attackiert. Wie die israelische Armee am Abend mitteilte, sei eine Raketenabschussanlage bombardiert worden. Zudem seien ein Beobachtungsposten und «Terror-Infrastruktur» der Hisbollah angegriffen worden. NĂ€here Details wurden nicht genannt. Die Angaben konnten unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒft werden. Zuvor soll die Hisbollah den Norden Israels mit Raketen und Drohnen angegriffen haben.

Israel und die libanesische Schiitenmiliz liefern sich seit dem Beginn des Gaza-Kriegs nahezu tĂ€glich Gefechte. Zuletzt nahm deren IntensitĂ€t deutlich zu. Auf beiden Seiten gab es Tote. Die Hisbollah handelt nach eigenen Aussagen aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas im Gazastreifen. Seit langem wird befĂŒrchtet, dass sich der Konflikt ausweiten könnte. 

 

@ dpa.de