Bericht: USA liefern Israel Tausende Bomben
30.03.2024 - 04:59:51Trotz der Bedenken der USA wegen Israels geplanter Bodenoffensive gegen die mit GeflĂŒchteten ĂŒberfĂŒllte Stadt Rafah im Gazastreifen liefert Washington einem Zeitungsbericht zufolge Israel weitere Tausende schwerer Bomben und Kampfflugzeuge. US-PrĂ€sident Joe Biden habe ungeachtet der angespannten Beziehungen der beiden LĂ€nder in den vergangenen Tagen «in aller Stille» die Lieferung unter anderem von mehr als 1800 der 2000-Pfund-Bomben (etwa 907 kg) vom Typ MK84 sowie 500 MK82-Bomben genehmigt, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf US-Beamte.
Laut dem US-Fernsehsender CNN werden ranghohe Vertreter beider VerbĂŒndeter möglicherweise schon am kommenden Montag in Washington GesprĂ€che ĂŒber Israels geplantes Vorgehen gegen Rafah nachholen. Washington hĂ€lt eine groĂangelegte Bodenoffensive in Rafah wegen der Hunderttausenden Zivilisten dort fĂŒr falsch und möchte Israel Alternativen aufzeigen.
Werden Israels Ultraorthodoxe bald in die Armee eingezogen?
Die Terminplanung werde allerdings dadurch erschwert, dass Israels Regierung bis zum Sonntag ein neues Gesetz zur Frage der Wehrpflicht fĂŒr ultraorthodoxe jĂŒdische MĂ€nner ausarbeiten muss, hieĂ es. Wegen des Kriegs im Gazastreifen steht Israels Regierung unter Druck, die Befreiung der ultraorthodoxen Gemeinschaft vom Wehrdienst zu beenden.
Ein Gesetz, das ihre Befreiung erlaubt, lief im vergangenen Jahr aus. Seitdem gilt eine vorĂŒbergehende Regelung - allerdings nur noch bis Ende dieses Monats. Israels Regierung, zu der auch streng religiöse Parteien gehören, arbeitet an einem neuen Gesetz fĂŒr eine Ausnahmeregelung fĂŒr die ultraorthodoxen GlĂ€ubigen. Netanjahu hatte beim Obersten Gerichtshof beantragt, die Frist fĂŒr die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zu verlĂ€ngern.
Nach einer in dieser Woche erfolgten einstweiligen Anordnung des Gerichts, die staatlichen Subventionen fĂŒr ultraorthodoxe MĂ€nner im wehrpflichtigen Alter ab dem 1. April zu streichen, könnte am Sonntag das Urteil darĂŒber folgen, ob diese MĂ€nner kĂŒnftig ebenfalls der Wehrpflicht unterliegen. Es sei denn, das Gericht entspricht der Bitte Netanjahus um einen weiteren Zeitaufschub von 30 Tagen. Deswegen sei noch unklar, ob die israelische Delegation in die USA reisen darf, solange diese innenpolitische Angelegenheit noch im Fluss ist, berichtete CNN. Laut US-Beamten stehe ein genaues Datum fĂŒr den Besuch nicht fest.
Bericht: Israel bat USA um Verschiebung eines Treffens
Eigentlich sollte eine israelische Delegation schon in dieser Woche anreisen. Doch Israels Regierungschef Netanjahu sagte die Reise kurzerhand ab, nachdem der UN-Sicherheitsrat ohne Widerstand der USA eine Resolution mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe verabschiedet hatte. Die Israelis hÀtten vorgeschlagen, die GesprÀche auf Montag zu verschieben, zitierte CNN demnach US-Beamte.
Um die Beziehungen zwischen Israel und seinem wichtigsten VerbĂŒndeten ist es derzeit schlecht bestellt. Neben Bedenken der USA gegen eine Offensive in Rafah sieht sich Netanjahu durch stĂ€ndige Forderungen nach mehr humanitĂ€rer Hilfe fĂŒr den Gazastreifen bedrĂ€ngt. Hinzu kommen Ermahnungen, endlich eine Strategie fĂŒr die Verwaltung des eroberten Gebiets vorzulegen.
USA bekrĂ€ftigen UnterstĂŒtzung Israels im Kampf gegen die Hamas
Die belasteten Beziehungen hĂ€tten US-PrĂ€sident Joe Biden jedoch nicht davon abgehalten, weiter MilitĂ€rhilfe in Milliardenhöhe an Israel zu schicken, schrieb die «Washington Post». US-Regierungsvertreter wiederholen immer wieder die Zusage Bidens an Israel, das Land im Krieg gegen die islamistische Hamas bedingungslos zu unterstĂŒtzen.
Die US-Regierung sehe es als tabu an, Waffentransfers als Mittel zu benutzen, um Einfluss auf Netanjahu auszuĂŒben, schrieb die Zeitung. So habe das US-AuĂenministerium vergangene Woche die Lieferung von 25 F-35A Kampfflugzeugen abgesegnet. Dies sei bereits 2008 vom Kongress genehmigt worden, sodass das Ministerium nicht verpflichtet gewesen sei, dem Gesetzgeber eine neue Mitteilung zu machen. Auch die in dieser Woche genehmigten MK84- und MK82-Bomben seien ebenfalls vor Jahren vom Kongress genehmigt, aber bisher nicht geliefert worden.
Israel schickt erneut Delegation zu Verhandlungen
Unterdessen sollen die jĂŒngst in die Krise geratenen indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Feuerpause und Geiselfreilassung weitergehen. Israel werde in den kommenden Tagen eine ranghohe Delegation nach Katar und Ăgypten schicken, teilte das BĂŒro von MinisterprĂ€sident Netanjahu mit.
Der Regierungschef sicherte dem Verhandlungsteam unter Leitung des Chefs des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad sowie des Chefs des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet Spielraum bei den Verhandlungen zu. Weitere Details wurden nicht genannt. Seit Wochen vermitteln die USA, Katar und Ăgypten zwischen Israel und der islamistischen Hamas, um eine Feuerpause und einen Austausch aus Israel verschleppter Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge zu erreichen. Direkt verhandeln Israel und die Hamas nicht.
Die israelische Verhandlungsdelegation war vor wenigen Tagen laut Medienberichten bis auf ein kleines Team aus Katar zurĂŒckbeordert worden. Grund war demnach, dass die Hamas einen Kompromissvorschlag der USA zurĂŒckgewiesen hatte. Die Terrororganisation besteht auf einen umfassenden Waffenstillstand, einschlieĂlich eines vollstĂ€ndigen israelischen Abzugs aus Gaza. Israel lehnt das ab. Israels Ziel ist es, die Hamas zu zerschlagen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war ein Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel begangen hatten. Dabei brachten sie rund 1200 Menschen brutal um und verschleppten mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen. Etwas mehr als 100 der Verschleppten waren im Rahmen eines Abkommens im November freigekommen. Knapp 100 Geiseln in der Gewalt der Hamas dĂŒrften nach israelischen SchĂ€tzungen noch leben.


