US-Bomben auf Iran â Sorge vor weiterer Eskalation groĂ
22.06.2025 - 12:44:48Nach den US-Angriffen auf Atomanlagen im Iran wĂ€chst international die Sorge vor einer dramatischen Eskalation des Krieges. Westliche LĂ€nder sowie die UN und die Atomenergiebehörde IAEA forderten zur EntschĂ€rfung der Lage und einer diplomatischen Lösung auf.Â
Arabische LĂ€nder verurteilten den Angriff. Der Libanon Ă€uĂerte die Sorge, in den Krieg hineingezogen zu werden. Unklar ist, wie eine Vergeltung des Irans aussehen könnte â und auch ob die USA weitere Angriffe fliegen werden. Noch nicht klar ist zudem, wie groĂ das AusmaĂ der SchĂ€den an den angegriffenen Anlagen im Iran ist. Strahlung trat laut der IAEA nicht aus.
Irans AuĂenminister: USA verstehen nur Sprache der Gewalt
Der Iran hatte umgehend nach den US-Angriffen mit Konsequenzen gedroht. AuĂenminister Abbas Araghtschi sprach auf X von «dauerhaften Folgen». Raum fĂŒr Diplomatie sieht er kaum noch. Die TĂŒr zur Diplomatie sollte immer offen gehalten werden, «doch das ist derzeit nicht der Fall», sagte Araghtschi in Istanbul vor Journalisten. «Sie verstehen nur die Sprache der Drohung und der Gewalt», sagte er unter Bezug auf die USA. Araghtschi hatte zuletzt noch mit den USA ĂŒber das Atomprogramm verhandelt.Â
Irans mĂ€chtige Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, feuerten erneut Dutzende Raketen auf Israel. Zahlreiche Menschen wurden in der Nacht bei iranischen Angriffen in Israel verletzt. Israel flog unterdessen neue Angriffe auf Ziele im Westen des Irans.Â
Die USA hatten Stunden zuvor an der Seite Israels in den Krieg eingegriffen und laut US-PrÀsident Donald Trump Irans «entscheidende Anlagen zur Uran-Anreicherung» komplett zerstört. Bombardiert wurden drei Anlagen, darunter war auch die gut befestigte unterirdische Uran-Anreicherungslage Fordo. Irans staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete allerdings nur, dass ein Teil des Bereichs um die Uran-Anreicherungsanlage Fordo beschÀdigt worden sei. Laut Araghtschi ist der Iran noch damit beschÀftigt, den genauen Schaden zu untersuchen.
Das US-MilitĂ€r hatte bisher nur Israel bei der Verteidigung unterstĂŒtzt, aber betont, dass man nicht an den Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran beteiligt sei. Das hat sich jetzt geĂ€ndert â mit unvorhersehbaren Folgen.Â
Bundesregierung geht von groĂen SchĂ€den aus
Auch die Bundesregierung geht nach Angaben von Regierungssprecher Stefan Kornelius davon aus, dass durch die Angriffe groĂe Teile des iranischen Nuklearprogramms beeintrĂ€chtigt wurden. Eine «genaue Schadensanalyse» zu den US-Luftangriffen sei aber erst spĂ€ter möglich.Â
Aus Regierungskreisen war zu erfahren, dass Merz am Vormittag mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer in einer Schalte ĂŒber die Eskalation im Krieg zwischen Israel und dem Iran beraten wird. Regierungssprecher Kornelius teilte auĂerdem mit, dass Merz und die Minister des Sicherheitskabinetts sich im Laufe des Tages mit den Partnern in der EU und mit den USAÂ ĂŒber weitere Schritte eng abstimmen wollten.
Experten: Keine Gefahr durch Strahlung
Nach erster EinschĂ€tzung der internationalen Atombehörde IAEA wurde keine Strahlung auĂerhalb der Einrichtungen freigesetzt. Laut des namhaften Nuklearforschers Georg Steinhauser geht von den beschĂ€digten Anlagen keine Gefahr fĂŒr die Welt aus. «Selbst wenn die Zentrifugen zum Zeitpunkt des Angriffs gelaufen sind und mit Uran bestĂŒckt waren: Das wĂ€re eine geringe Menge gewesen, und Uran ist bedingt durch seine lange Halbwertzeit fast nicht radioaktiv», sagte der Professor an der technischen UniversitĂ€t Wien der dpa. Die IAEA berief nach Angaben ihres Chefs eine Dringlichkeitssitzung fĂŒr Montag ein.Â
Trump warnt den Iran
Trump warnte den Iran vor VergeltungsschlĂ€gen gegen US-StĂŒtzpunkte in der Region. «Wenn der Frieden nicht schnell kommt, werden wir die anderen Ziele mit PrĂ€zision, Schnelligkeit und Geschick angreifen, die meisten von ihnen können in wenigen Minuten ausgeschaltet werden», warnte Trump die FĂŒhrung in Teheran. Das Ziel der USA sei die Zerstörung der iranischen KapazitĂ€ten zur Anreicherung gewesen und die Beendigung der nuklearen Bedrohung durch den «weltweit gröĂten staatlichen Sponsor des Terrors», erklĂ€rte Trump.Â
Bombardiert worden seien die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Fordo sowie die Standorte Natans und Isfahan, sagte Trump im WeiĂen Haus. Iran mĂŒsse sich jetzt fĂŒr den Weg des Friedens entscheiden, sonst wĂŒrden kĂŒnftige Attacken viel gröĂer. Ob der Iran Vergeltung ĂŒben wird, bleibt abzuwarten. Auf den StĂŒtzpunkten des US-MilitĂ€rs in der Region â etwa im Irak, in Katar oder in Kuwait â sind US-Medien zufolge insgesamt gut 40.000 Soldaten stationiert.Â
Irans Vertretung bei den Vereinten Nationen forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, wie der staatliche Rundfunk berichtete. Auch die proiranische Huthi-Miliz im Jemen verurteilte die US-Angriffe als «brutale und feige Aggression». Sie seien «eine eklatante Verletzung» der SouverÀnitÀt des Irans sowie «ein klarer Bruch» internationalen Rechts, erklÀrte die Organisation.
UN-Chef warnt vor katastrophalen Folgen fĂŒr die Welt
Die internationale Gemeinschaft rief zu sofortiger Deeskalation auf. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen dringt auf eine diplomatische Lösung. «Jetzt ist der Moment fĂŒr den Iran gekommen, sich auf eine glaubwĂŒrdige diplomatische Lösung einzulassen», schrieb von der Leyen auf der Plattform X. Auch GroĂbritanniens Premier Keir Starmer sieht den Iran in der Pflicht zu einer RĂŒckkehr an den Verhandlungstisch. Dem Iran dĂŒrfe niemals gestattet werden, eine Atomwaffe zu entwickeln, und die USA hĂ€tten MaĂnahmen ergriffen, um diese Bedrohung einzudĂ€mmen. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas warnte vor einer weiteren Eskalation.Â
Der Oman bezeichnete die US-Angriffe als «rechtswidrige Aggression», der Irak nannte sie eine «ernsthafte Bedrohung fĂŒr Frieden und Sicherheit im Nahen Osten». Die Huthi im Jemen sprachen von einem «klaren Bruch» internationalen Rechts. Ein Vertreter der Miliz erklĂ€rte, eine Antwort auf die US-Angriffe sei nur eine Frage der Zeit. Saudi-Arabien zeigte sich tief besorgt. Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse sich bemĂŒhen, um die aktuelle Lage zu entschĂ€rfen, hieĂ es in einer ErklĂ€rung des AuĂenministeriums. Auch die Atommacht Pakistan â die Trump wegen seiner Vermittlung im Konflikt zwischen Indien und Pakistan am Samstag noch fĂŒr den Friedensnobelpreis vorschlagen wollte â verurteilte die US-Angriffe.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich nach den US-Angriffen «zutiefst beunruhigt» und warnte vor katastrophalen Folgen fĂŒr die Welt.Â
Wie sich der Krieg entwickelt hat
Israel greift seit Tagen Ziele im Iran an â darunter Atomanlagen, fĂŒhrende MilitĂ€rs, Atomwissenschaftler, Verteidigungsstellungen, Ziele in StĂ€dten und Ăl- und Erdgasfelder. Das erklĂ€rte Hauptziel ist es, die Islamische Republik an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel.
Trump hatte am Donnerstag erklĂ€ren lassen, innerhalb von zwei Wochen eine Entscheidung ĂŒber eine mögliche Beteiligung der USA an dem Krieg zu treffen. Zuvor hatte er auf dem Verhandlungsweg versucht, den Iran von seinem umstrittenen Atomprogramm abzubringen. Eine weitere Runde der vom Oman vermittelten GesprĂ€che zwischen den USA und dem Iran war ursprĂŒnglich fĂŒr den vergangenen Sonntag geplant gewesen â doch Israels Angriffe machten den Plan zunichte.Â
Der Krieg zwischen den beiden Erzfeinden Israel und Iran ist eine bedeutende Eskalation der ohnehin dramatischen Lage im Nahen Osten. Israel fĂŒhrt seit dem Hamas-Massaker in Israel vom 7. Oktober 2023 Krieg gegen die Islamisten im Gazastreifen. Zwischenzeitlich bombardierte Israel auch die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah-Miliz im Libanon.















