Mehr Politik als Wirtschaft: US-Rohstoffdeal mit der Ukraine
01.05.2025 - 12:24:03 | dpa.deDie Ukraine rĂ€umt den USA Zugang zu wertvollen BodenschĂ€tzen ein, um die Supermacht als VerbĂŒndeten gegen die russische Aggression zu halten. Wochenlang wurde ĂŒber die Vereinbarung verhandelt und ĂŒber den möglichen Ausverkauf der kriegsgeplagten Ukraine gestritten - nun ist ein Abkommen unterzeichnet. Der Weg zu einer tatsĂ€chlichen Nutzung der Rohstoffe ist jedoch noch weit.Â
Was erhofft sich Kiew von dem Abkommen?
Die Ukraine will die USA trotz der WiederannĂ€herung zwischen Trump und Kremlchef Wladimir Putin als VerbĂŒndeten halten, auch wenn Trump eine Aufnahme der Ukraine in die Nato ausschlieĂt. Ăber das Abkommen erhofft sich Kiew eine Fortsetzung US-amerikanischer Waffenlieferungen.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat die angeblich wertvollen Rohstoffe seines Landes gegenĂŒber den USA schon im Herbst 2024 ins Spiel gebracht. Er appellierte an Trumps SelbstverstĂ€ndnis als GeschĂ€ftemacher.
TatsĂ€chlich biss Trump an, doch zu untragbaren Konditionen. Kolportiert wurde etwa, dass die USA zwischenzeitlich forderten, dass die Ukraine milliardenschwere US-MilitĂ€rhilfen seit 2022 zurĂŒckzahle.
Solche Zumutungen konnte die ukrainische UnterhĂ€ndlerin Julia Swyrydenko aus dem Abkommen heraushalten. Allerdings erfĂŒllt sich Selenskyjs Hoffnung auf Sicherheitsgarantien nicht. Doch US-Finanzminister Scott Bessent nannte das Abkommen ein klares Signal an die russische FĂŒhrung, dass sich die Trump-Regierung langfristig fĂŒr einen Friedensprozess einsetze. Eine «freie, souverĂ€ne und prosperierende Ukraine» liege im Interesse der USA.Â
Was will Washington mit dem Vertrag erreichen?
Der US-PrĂ€sident brauchte einen Erfolg. Er ist mit seiner AnkĂŒndigung gescheitert, den seit 2022 andauernden russisch-ukrainischen Krieg binnen kurzer Zeit zu beenden. Das Abkommen bietet ihm die Gelegenheit, einen Deal zu prĂ€sentieren. Wann wirklich Investitionen getĂ€tigt werden und eventuell Dividenden aus dem noch zu schaffenden Fonds in die USA zurĂŒckflieĂen, scheint dabei zweitrangig.
Unbeantwortet ist bisher, woher das Geld fĂŒr Investitionen stammen soll, wenn es nicht aus Steuermitteln kommt. Trump mĂŒsste Investoren attraktive Bedingungen bieten. Dazu gehört vor allem dauerhafter Frieden in der Ukraine.
Was ist ĂŒber den Inhalt bekannt?
Vereinbart wurde, dass Washington und Kiew zu gleichen Teilen einen gemeinsamen Fonds schaffen, in den die Gewinne aus zukĂŒnftigen Rohstoffprojekten flieĂen sollen. Dabei erhalten die USA einen privilegierten Zugang zu ukrainischen Rohstoffen. Die Einlagen sollen in Geldform erfolgen, wobei auch US-amerikanische MilitĂ€rhilfen verrechnet werden können.Â
«Die Ukraine behĂ€lt die Kontrolle ĂŒber alle Ressourcen», versicherte Regierungschef Denys Schmyhal im ukrainischen Nachrichtenfernsehen. LagerstĂ€tten oder auch Infrastrukturobjekte seien kein Gegenstand des Vertrages. Kiew werde BeitrĂ€ge aus neuen Lizenzen und Einnahmen aus Förderrechten leisten. Der Fonds soll im Laufe von zehn Jahren in Projekte zum Wiederaufbau der Ukraine investieren. Die ukrainischen und die US-amerikanischen Partner werden dabei auch von Steuern und Zöllen befreit.
Vor dem Inkrafttreten ist noch die Ratifizierung des Abkommens durch das ukrainische Parlament notwendig. Dies könnte zu einem Stimmungstest unter den Abgeordneten werden.
Sind die ukrainischen BodenschÀtze tatsÀchlich so wertvoll?
Von Aluminium bis Zink listet das Abkommen 57 BodenschĂ€tze auf, die gemeinsam genutzt werden sollen. Dazu zĂ€hlen auch Metalle der seltenen Erden, die fĂŒr viele Hochtechnologieprodukte wichtig sind. Das Problem: Niemand kennt die genaue GröĂe der ukrainischen Vorkommen. Die Erkundungsdaten stammen oft noch aus sowjetischen Zeiten. Ein Teil der BodenschĂ€tze liegt auĂerdem in russisch besetztem Gebiet.
Einige Rohstoffvorkommen in der Ukraine seien zurzeit schwer einzuschĂ€tzen, sagte der wissenschaftliche Direktor des Helmholtz-Instituts Freiberg fĂŒr Ressourcentechnologie (HIF), Jens Gutzmer, dem Schweizer Sender SRF. In Bezug auf seltene Erden oder Lithium wisse man zwar, dass es dort Gesteine gebe, die anomal zusammengesetzt sind. «Man mĂŒsste (...) zunĂ€chst fĂŒr fĂŒnf bis zehn Jahre erkunden - das ist meine persönliche EinschĂ€tzung - bevor man weiĂ, ob man eine abbauwĂŒrdige LagerstĂ€tte hat oder nur ein Vorkommen mit ungewöhnlichen Konzentrationen», sagte er.
Zu Trumps Behauptung, dass den USA mit dem Deal womöglich Werte im Umfang von mehr als 350 Milliarden Dollar zuflieĂen, sagt Gutzmer: «Das ist reine Spekulation aus meiner Sicht als Geowissenschaftler und steht auf keinem soliden Fundament.»
VergröĂert das Abkommen die Chance auf ein Kriegsende?Â
Die politische Bedeutung der Vereinbarung dĂŒrfte gröĂer sein als die wirtschaftliche. Mit der laufenden Diskussion ĂŒber verschiedene Modelle einer Waffenruhe - 3 Tage, 30 Tage oder 3 Monate - haben die Rohstoffe nur am Rande zu tun. Doch das Abkommen zeigt, dass die USA und die Ukraine sich in einem Punkt einigen konnten - auch nach dem Eklat zwischen Trump und Selenskyj Ende Februar im WeiĂen Haus.
Mit Russland und Putin stehen Ă€hnliche belastbare Verabredungen noch aus. Trump und seine Mannschaft zeigten sich zuletzt irritiert ĂŒber die Moskauer Hinhaltetaktik. Der erklĂ€rte Putin-Bewunderer Trump sagte sogar, er fĂŒhle sich an der Nase herumgefĂŒhrt.
Zugleich scheint in der Trump-Regierung das VerstĂ€ndnis fĂŒr die Lage der Ukraine zu wachsen. Dazu dĂŒrfte das kurze GesprĂ€ch zwischen Trump und Selenskyj bei der Beisetzung von Papst Franziskus in Rom beigetragen haben.Â
Hatte Trump anfangs Selenskyj noch vorgeworfen, einen nicht gewinnbaren Krieg zu fĂŒhren, so sah sein Ukraine-Beauftragter Keith Kellogg das Land nun militĂ€risch in einer «komfortablen Position». «Russland siegt nicht in diesem Krieg», sagte der Ex-General dem Sender Fox News. «Wenn sie siegen wĂŒrden, hĂ€tten sie das in drei Jahren geschafft. Nun lĂ€uft das vierte Jahr.»
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