Friedensnobelpreis für Navi Pillay: UN sehen starkes Signal für Menschenrechte
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay ist nach Ansicht der Vereinten Nationen ein starkes Signal im Kampf für Menschenrechte.
UN würdigen Pillays Lebenswerk
UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk sagte in Genf, die Auszeichnung sei besonders bedeutend in einer Zeit, in der Menschenrechte an vielen Fronten unter Druck stünden – auch durch Menschen mit großer Macht. Er dankte seiner früheren Amtsvorgängerin im Namen des UN-Menschenrechtsbüros und bezeichnete sie als Inspiration für Millionen Menschen.
Die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Tomoko Akane, nannte den Preis eine wichtige Würdigung der internationalen Justiz als Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens. Institutionen des internationalen Rechts stünden derzeit stark unter Druck.
Erfahrung an internationalen Gerichten
Pillay war von 2003 bis 2008 Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Besonders die USA hatten das Gericht unter Druck gesetzt und Sanktionen gegen Richter und Ankläger verhängt.
Von 2008 bis 2014 war Pillay UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Von 2021 bis 2025 leitete sie die unabhängige internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zu den besetzten palästinensischen Gebieten.
Würdigung aus Südafrika und Deutschland
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa würdigte Pillays Einsatz für Frieden, Menschenwürde und Gerechtigkeit. Ihr Lebenswerk verdiene höchste Anerkennung, erklärte er.
Ramaphosa betonte, die Ehrung erinnere daran, allen Menschen unabhängig von Herkunft und Lebensumständen die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial zu entfalten und zur Gesellschaft beizutragen. Pillay ist nach Albert Luthuli, Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk die fünfte südafrikanische Persönlichkeit mit dem Friedensnobelpreis.
Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte in Berlin, Pillay habe über Jahrzehnte mit großem persönlichem Engagement und Beharrlichkeit für Menschenrechte, Gerechtigkeit und die Durchsetzung des Völkerrechts gekämpft. Deutschland stehe fest zum Völkerrecht und zur internationalen Gerichtsbarkeit.
Auszeichnung für internationale Rechtsstaatlichkeit
Die Ehrung Pillays verbindet mehrere Stationen der internationalen Menschenrechtsarbeit: ihren Einsatz gegen die Apartheid, ihre Tätigkeit an internationalen Strafgerichten und ihre Zeit als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Damit rückt das Nobelkomitee nicht nur eine Person, sondern die Bedeutung rechtlicher Verfahren gegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord in den Mittelpunkt.
Diese Botschaft fällt in eine Phase, in der internationale Gerichte und Menschenrechtsinstitutionen politischem Druck ausgesetzt sind. Pillays beruflicher Weg steht zugleich für die Entwicklung, schwere Menschenrechtsverletzungen nicht ausschließlich politisch zu bewerten, sondern strafrechtlich verfolgen zu lassen. Ihre frühere Arbeit am Internationalen Strafgerichtshof und bei den Vereinten Nationen macht die Auszeichnung für die internationale Justiz besonders relevant.
Bedeutung für Südafrika und Deutschland
Für Südafrika ist der Preis eine weitere Würdigung einer Generation, die gegen die Apartheid kämpfte und den Übergang zu einer rechtsstaatlichen Ordnung mitprägte. International dürfte die Auszeichnung die Aufmerksamkeit auf die Frage lenken, wie Menschenrechte auch dann geschützt werden können, wenn mächtige Staaten Entscheidungen internationaler Institutionen zurückweisen.
Für Leser in Deutschland betrifft das Thema vor allem die Verbindlichkeit des Völkerrechts. Die Würdigung kann Debatten über den Schutz von Zivilisten, die Ahndung von Kriegsverbrechen und die politische Unterstützung internationaler Gerichte verstärken. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember in Oslo statt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Kämpferin gegen Apartheid: Friedensnobelpreis geht an südafrikanische Juristin Navanethem "Navi" Pillay (09.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, Pillay werde für die Förderung von Frieden und Völkerrecht ausgezeichnet. Einen eigenen Schwerpunkt setze er auf ihre Rolle bei der strafrechtlichen Verfolgung schwerster internationaler Verbrechen und darauf, dass das Nobelkomitee sie zunächst nicht erreicht habe.
Berliner Zeitung: „Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay“ (09.10.2026)
Der Artikel stelle Pillays Lebensweg unter dem Apartheidregime und ihre juristischen Erfolge in den Vordergrund. Zusätzlich ordne er die Auszeichnung in die Geschichte des Preises, die Zahl der Nominierten und die Debatte über politische Erwartungen an das Nobelkomitee ein.
Beide Berichte bestätigten die Auszeichnung und Pillays zentrale Stationen. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während n-tv die internationale Strafjustiz und die aktuelle Kontaktaufnahme betone, rücke die Berliner Zeitung die südafrikanische Biografie und die politische Kontroverse um den Preis stärker in den Mittelpunkt.

