Donald Trump, Anklage

AbgeklÀrt oder Àngstlich? Donald Trump auf der Anklagebank

14.06.2023 - 17:55:54

Die VorwĂŒrfe gegen Donald Trump sind heikler denn je, die Liste möglicher Vergehen ist lang. Doch der Ex-PrĂ€sident ist sich keiner Schuld bewusst, wie er vor Gericht deutlich macht. DafĂŒr feiert er mit AnhĂ€ngern.

Betont gelangweilt, mitunter genervt wirkt Donald Trump, als er am Dienstag in Miami auf der Anklagebank sitzt. Seine Arme hat der frĂŒhere US-PrĂ€sident trotzig vor der roten Krawatte verschrĂ€nkt. ZurĂŒckgelehnt, mit hĂ€ngenden Schultern und gespitzten Lippen, sonst kaum einer Regung im Gesicht, lĂ€sst er bei dem knapp 50-minĂŒtigen Gerichtstermin seinen Anwalt Todd Blanche fĂŒr sich sprechen. Er selbst meldet sich kein einziges Mal zu Wort. Trump tut so, als gehe ihn das alles nichts an. Als sei diese beispiellose Anklage gegen ihn zum Umgang mit geheimen Regierungsdokumenten ein lĂ€stiges Ärgernis, das es möglichst schnell abzuschĂŒtteln gilt, ein rein politisches Manöver ohne Aussicht auf Erfolg.

«Wir werden ganz sicher auf nicht schuldig plĂ€dieren», sagt Trumps Anwalt Blanche im holzvertĂ€felten Gerichtssaal des Bundesgerichts im Bundesstaat Florida. Nicht einmal zu dieser entscheidenden Frage macht Trump sich die MĂŒhe, selbst zu antworten.

Trumps Botschaft bei seinem ersten Auftritt vor Gericht in diesem Fall ist klar: Keiner kann den einst mÀchtigsten Mann der Welt an seinem politischen Comeback bei der PrÀsidentenwahl im kommenden Jahr hindern - auch nicht die Staatsanwaltschaft, die ihm unter anderem vorwirft, höchstsensible Informationen gesetzeswidrig aufbewahrt und Ermittlungen dazu behindert zu haben. In Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago, etwas mehr als eine Autostunde vom Gericht entfernt, beschlagnahmten Ermittler des FBI bei einer Durchsuchung im vergangenen August zahlreiche Verschlusssachen aus seiner Amtszeit, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe.

Großer Medien-Rummel, Trump-Fans vorm Gericht

Nach Bekanntwerden der umfangreichen und brisanten Anklageschrift erscheint Trump am Dienstag erstmals vor Gericht, wo er offiziell mit den VorwĂŒrfen konfrontiert wird. Vier gepanzerte, schwarze SUV mit verdunkelten Scheiben donnern am frĂŒhen Nachmittag direkt in die Tiefgarage des gigantischen GebĂ€udekomplexes im Stadtzentrum Miamis, der hauptsĂ€chlich aus Glas und Beton besteht. In einem der Wagen sitzt der republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber, der die Nacht in seinem Luxusressort Doral in der NĂ€he des Flughafens verbracht hat.

Anders als drinnen im Gerichtssaal ist rund um das GebĂ€ude die Aufregung groß: Seit Tagen halten Fernsehteams vor dem Gericht unter weißen Plastik-Pavillons die Stellung. Reporter stehen ĂŒber Nacht Schlange, um bei dem historischen Termin einen der wenigen begehrten PlĂ€tze im Gerichtssaal zu ergattern. Der Medienrummel ist enorm. Je nĂ€her Trumps Termin rĂŒckt, desto mehr seiner AnhĂ€nger versammeln sich vor dem Gericht. «Ich stehe hinter Trump» steht auf ihren Schildern - und «Trump, rette Amerika!». Doch es tauchen deutlich weniger auf als erwartet, zu den zuvor befĂŒrchteten Ausschreitungen kommt es nicht.

Trumps Assistent ebenfalls angeklagt

Im Gerichtssaal im 13. Stock nimmt Richter Jonathan Goodman Trump in die Mangel: Er weist die Staatsanwaltschaft an, eine Liste potenzieller Zeugen zu erstellen, mit denen Trump kĂŒnftig nicht mehr direkt ĂŒber seinen Fall sprechen darf. Auf dieser Liste mĂŒsse auch Trumps Assistent Walt Nauta stehen. Der ist in dem Fall ebenfalls angeklagt und im Gerichtssaal anwesend, auf der Anklagebank sitzt Nauta zwei PlĂ€tze neben Trump. Der Ex-PrĂ€sident soll ihn angesichts der Ermittlungen angewiesen haben, Kisten mit Dokumenten wegzuschaffen - darin sieht die Anklage ein Komplott zur Behinderung der Justiz. Anders als Trump, der sich gelangweilt gibt, wirkt Nauta angespannt und scheint sich des Ernstes der Lage durchaus bewusst. Am 27. Juni muss er sich vor Gericht zu den VorwĂŒrfen gegen ihn Ă€ußern.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde im Gerichtssaal wird Trump offenkundig ungeduldig. Er reibt die Außenseite seiner einen Hand an der Innenseite der anderen, faltet dann die HĂ€nde wieder. Reporter, die die Szene beobachten, scherzen, Trump habe vielleicht Hunger und wolle in Ruhe in seinen 77. Geburtstag am Mittwoch hineinfeiern. Und tatsĂ€chlich: Kurz nach dem Gerichtstermin rauscht Trump mit seiner schwarzen Autokolonne wieder raus aus der Tiefgarage und legt wenig spĂ€ter mitsamt Entourage einen Stopp in einem kubanischen Restaurant ein.

Trump-Show im Restaurant

In dem Lokal im Stadtteil Little Havanna in Miami lĂ€sst er sich von AnhĂ€ngern feiern, macht Fotos mit Fans, schĂŒttelt HĂ€nde, reckt den Daumen in die Höhe und lĂ€chelt in Kameras. Jemand spricht ein Gebet fĂŒr ihn. «Essen fĂŒr alle», ruft Trump in den Raum. Die GĂ€ste im Restaurant jubeln. Dann stimmen sie ein GeburtstagsstĂ€ndchen fĂŒr Trump an. An seiner Seite auch hier: Walt Nauta. «KĂ€mpfen Sie weiter, Sir», brĂŒllt ein Mann mit Baseball-Kappe - und bekommt dafĂŒr ein Extra-Foto mit Trump. Die Botschaft des bildreichen Zwischenstopps: Seht her, mir geht es bestens, ich bin nicht unterzukriegen. «Ich finde, es lĂ€uft großartig», sagt Trump dort vor Reportern.

Was wirklich in ihm vorgeht, weiß niemand. Soll seine Demonstration von Leichtigkeit nur verdecken, dass Trump womöglich doch zum ersten Mal Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen seines Handelns hat? Oder fĂŒhlt er sich tatsĂ€chlich weiter unantastbar? Selbstzweifel gehören jedenfalls nicht zu den Emotionen, die Trump gerne zeigt.

Danach fliegt Trump von Florida aus nach New Jersey und umgibt sich einmal mehr mit Fans. In seinem Golfclub in Bedminster hat er Getreue versammelt. Vor ihnen prĂ€sentiert er sich wie gewohnt angriffslustig und aggressiv - und stilisiert sich einmal mehr zum Retter seiner AnhĂ€ngerschaft. «Ihr wisst, dass sie nicht hinter mir her sind. Sie sind hinter euch her und ich stehe ihnen nur zufĂ€llig im Weg», sagt Trump mit Blick auf seine AnklĂ€ger. Er werde aber nie weichen. Und er sei der einzige, der diese Nation retten könne. Bei der Wahl 2024, so sein Versprechen, werde der Gerechtigkeit GenĂŒge getan.

Auch in Bedminster setzt das ihm treu ergebene Publikum irgendwann zum GeburtstagsstĂ€ndchen an. Trump spottet kurz: «Oh, toll», ihm drohten 400 Jahre Haft, wenn es nach den AnklĂ€gern ginge. «Das ist so schön. Es ist ein wunderbarer Geburtstag», sagt er. Doch, ganz Trump, schiebt der Mann der Superlative hinterher: «Wir werden ihn zum grĂ¶ĂŸten Geburtstag aller Zeiten machen.»

@ dpa.de