Bereits mehr als 500.000 AsylantrÀge in der EU
05.09.2023 - 20:07:34Die Zahl der von der EU erfassten AsylantrĂ€ge ist auf den höchsten Halbjahresstand seit der FlĂŒchtlingskrise 2015/2016 gestiegen. Von Januar bis Ende Juni gingen in den EU-Staaten sowie Norwegen und Schweiz rund 519.000 AntrĂ€ge ein, wie die EU-Asylagentur EUAA im maltesischen Valletta mitteilte. Das ist ein Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 und der höchste Wert seit sieben Jahren.
Die Agentur geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2023 mehr als eine Million AntrÀge aus LÀndern wie etwa Afghanistan und Syrien verzeichnet werden, wenn es bei dem aktuellen Trend bleibt. Ziel der EU war es eigentlich gewesen, das zu vermeiden. Mit fast einem Drittel (30 Prozent) gingen die meisten AntrÀge wieder in Deutschland ein, gefolgt von Spanien und Frankreich.
Asylreform in der Warteschleife
Als ein Grund fĂŒr die Entwicklungen gilt, dass es den EU-Staaten bis heute nicht gelungen ist, eine umfassende Reform des europĂ€ischen Asylsystems zu verabschieden. Zuletzt hatte es im Kreis der Innenminister zwar eine Mehrheit dafĂŒr gegeben, die aktuellen Regeln zu verschĂ€rfen, um illegale Migration zu begrenzen. Ob das wirklich so kommt, ist allerdings unklar, da sie noch mit dem Europaparlament abgestimmt werden mĂŒssen.
Umstritten ist insbesondere, dass AsylantrĂ€ge von Migranten aus HerkunftslĂ€ndern mit einer Anerkennungsquote von weniger als 20 Prozent in Zukunft bereits an den EU-AuĂengrenzen innerhalb von zwölf Wochen geprĂŒft werden sollen. In dieser Zeit will man die Schutzsuchenden verpflichten, in streng kontrollierten Aufnahmeeinrichtungen zu bleiben. Wer keine Chance auf Asyl hat, soll umgehend zurĂŒckgeschickt werden.
Die Verhandlungen gelten als schwierig. Die Bundesregierung befĂŒrchtet, dass die Standards fĂŒr Schutzsuchende zu sehr herabgesetzt werden könnten und setzt sich weiter dafĂŒr ein, dass Kinder nicht unter haftĂ€hnlichen Bedingungen festgehalten werden.
Aufnahme von FlĂŒchtlingen soll verpflichtend werden
Polen und Ungarn wollen hingegen nicht zur SolidaritĂ€t mit LĂ€ndern wie Italien und Griechenland gezwungen werden, in denen viele Migranten ankommen. Die EU-PlĂ€ne sehen vor, dass die Aufnahme von FlĂŒchtlingen kĂŒnftig nicht mehr freiwillig, sondern verpflichtend sein soll. LĂ€nder, die keine FlĂŒchtlinge aufnehmen wollen, mĂŒssten zum Ausgleich Geld zahlen. Das Thema wird voraussichtlich auch eine groĂe Rolle im Wahlkampf fĂŒr die Europawahl im kommenden Juni spielen.
Vergangenes Jahr war die Zahl mit 996.000 AntrÀgen noch knapp unter der Millionenmarke geblieben. 2015 (1,4 Millionen) und 2016 (1,3 Millionen) wurden deutlich mehr registriert. Nicht mit eingerechnet sind die etwa vier Millionen Ukrainer, die infolge des russischen Angriffskriegs mit temporÀrem Schutz in der EU Zuflucht gesucht haben.


