Le Pen kÀmpft vor Gericht um Chance auf PrÀsidentschaft
13.01.2026 - 15:05:16Frankreichs fĂŒhrende Rechtsnationale Marine Le Pen kĂ€mpft in einem neuen Gerichtsverfahren um ihre politische Zukunft. Ein Berufungsgericht rollt das Verfahren um mutmaĂlich veruntreute EU-Gelder durch Le Pen und andere Mitglieder ihrer Partei neu auf. In erster Instanz hatte ein Gericht der Rechtsnationalen das passive Wahlrecht mit sofortiger Wirkung auf fĂŒnf Jahre entzogen. Sollte diese Strafe bestĂ€tigt werden, wĂ€re dies das Aus fĂŒr Le Pens anvisierte vierte PrĂ€sidentschaftskandidatur im kommenden Jahr. Seit Langem werden den Rechtsnationalen bei der Wahl 2027 gute Chancen zugerechnet.
Unter groĂem Medienrummel wurde das neue Verfahren im Pariser Justizpalast eröffnet. Die 57-jĂ€hrige Le Pen hielt sich vor dem Prozessauftakt öffentlich auffallend zurĂŒck. Zur Frage, mit welcher Strategie sie in den fĂŒr sie so folgenschweren Kampf mit der Justiz gehen wolle, sagte sie am Vortag lediglich, ihre Verteidigungsstrategie, wenn man dies so nennen wolle, bestĂŒnde schlicht daraus, die Wahrheit zu sagen. «Ich werde versuchen, die Richter von meiner Unschuld zu ĂŒberzeugen.» Eine erste Anhörung der Rechtspopulistin ist fĂŒr den 20. Januar geplant.
«Das Opfer ist das EuropÀische Parlament»
Das Verfahren dreht sich um die mögliche ScheinbeschĂ€ftigung von Assistenten mehrerer französischer Europaabgeordneter zwischen den Jahren 2004 und 2016. Zentraler Vorwurf ist, dass Le Pens Partei Front National, mittlerweile umbenannt in Rassemblement National, Gelder fĂŒr parlamentarische Assistenten bekam, die aber zumindest in Teilen fĂŒr die Partei gearbeitet hĂ€tten. «TĂ€uschen wir uns nicht. Das Opfer ist das EuropĂ€ische Parlament», mahnte Patrick Maisonneuve, der das Parlament vor Gericht vertritt.
Le Pen wies die VorwĂŒrfe stets zurĂŒck. Dennoch wurde sie in erster Instanz schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft mit elektronischer FuĂfessel und zwei weiteren Jahren auf BewĂ€hrung verurteilt. Neben Le Pen gingen elf Angeklagte in Berufung. Auch die Partei, die zu einer Strafzahlung von mindestens einer Million Euro verurteilt worden war, ficht die Gerichtsentscheidung an.
Kritisiertes Urteil und enger Zeitplan
Das Urteil war in Frankreich wie ein Blitz eingeschlagen. FĂŒr Aufsehen sorgte vor allem, dass Le Pen verboten wurde, bei Wahlen anzutreten, und dies mit sofortiger Wirkung, also bereits nach dem Urteilsspruch Ende MĂ€rz 2025 und nicht erst nach einem möglicherweise langjĂ€hrigen Lauf durch die gerichtlichen Instanzen.
Le Pen, die aus ihren Ambitionen, sich auch 2027 wieder um das PrĂ€sidentenamt zu bewerben, schon seit Langem keinen Hehl gemacht hatte, griff im Gegenzug die Justiz an, sprach von einem politischen Urteil, von einem unheilvollen Tag fĂŒr Frankreich und die Demokratie und verglich ihre Verurteilung gar mit einer Atombombe.
Schon kurz nach der Entscheidung stellte das Berufungsgericht klar: Bis zum Sommer wird es sein Urteil in der AffĂ€re fĂ€llen. SpĂ€testens dann lĂ€uft der Wahlkampf fĂŒr die im FrĂŒhjahr 2027 geplante PrĂ€sidentschaftswahl an. Ein Verfahren, in dem es auch um Le Pens Kandidatur geht, wĂ€re zu dieser Zeit fĂŒr das Gericht wohl undenkbar.
Bardella steht als Ersatz schon in den Startlöchern
FĂŒr Le Pen und ihre Rechtsnationalen bedeutet das ebenso, dass mit dem Urteil in zweiter Instanz alles steht oder fĂ€llt. Eine Revision ist zwar auch danach noch möglich, doch eine Entscheidung dĂŒrfte nicht mehr rechtzeitig kommen, um in den Wahlkampf einzusteigen. Wird Le Pen also auch im Berufungsverfahren das passive Wahlrecht fĂŒr lĂ€ngere Zeit entzogen, geht das Rassemblement National mit ihrem politischen SchĂŒtzling und Parteichef Jordan Bardella ins Rennen.
WĂ€hrend Le Pen ĂŒber Jahre das markante Gesicht der Rechtsnationalen war, es zweimal in die Stichwahl der PrĂ€sidentschaftswahl schaffte, und ihre Partei mit ihrem Kurs bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein wĂ€hlbar machte, könnte ihre politische Karriere nun bald vor einem vorlĂ€ufigen Ende stehen. Der gerade einmal 30 Jahre alte Bardella hat Le Pen in den Umfragen mittlerweile sogar ĂŒberholt - selbst unter den eigenen AnhĂ€ngern. Le Pens Versuch, aus ihrer Verurteilung Profit zu schlagen, scheiterte. Dennoch wĂŒnschen sich mehr Franzosen eine Kandidatur Le Pens oder Bardellas als von irgendeinem potenziellen Kandidaten der anderen politischen Lager.
Wann genau das Urteil in dem bis zum 12. Februar angesetzten Prozess fallen wird, ist noch unklar. Fest steht aber schon jetzt: Von ihm hĂ€ngt es ab, ob Marine Le Pen bald zum vierten Mal Anlauf auf den ĂlysĂ©e-Palast nehmen wird.
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