Weiterer US-Staat schlieĂt Trump von Vorwahl aus
29.12.2023 - 07:34:15 | dpa.de
Eine weitere explosive Entscheidung im US-Wahlkampf: Als zweiter Bundesstaat nach Colorado hat nun auch Maine den ehemaligen PrĂ€sidenten Donald Trump von der Vorwahl fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Republikaner ausgeschlossen. Das teilte die oberste Wahlaufseherin von Maine am Donnerstagabend (Ortszeit) auf der Plattform X, vormals Twitter, mit.
Trump habe sich mit seinem Verhalten im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten disqualifiziert, hieĂ es zur BegrĂŒndung. Trumps Team kĂŒndigte umgehend an, dagegen juristisch vorzugehen. Bis dahin ist die Entscheidung vorerst ausgesetzt. Am Ende wird wohl der Oberste Gerichtshof in den USA die heikle Frage zu klĂ€ren haben.
Der Hintergrund
AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede aufgewiegelt. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben. Trump muss sich wegen seiner Handlungen rund um die Abstimmung wegen versuchten Wahlbetrugs vor Gericht verantworten.
Auf Grundlage dieser Ereignisse versuchen diverse KlĂ€ger in verschiedenen US-Bundesstaaten seit geraumer Zeit auch, Trumps Namen von Wahlzetteln fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl 2024 streichen zu lassen. Konkreter Hintergrund ist das sogenannte Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz. Es besagt, dass niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden darf, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage fĂŒr solche höheren Ămter einige Beispiele genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt wird aber das Amt des PrĂ€sidenten.
In Bundesstaaten wie Michigan und Minnesota scheiterten KlĂ€ger mit ihrem Vorgehen gegen Trump bereits. Auch in dem groĂen und wichtigen Bundesstaat Kalifornien veröffentlichte die oberste Wahlaufseherin, Shirley Weber, just am Donnerstagabend (Ortszeit) die Liste der PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rter fĂŒr die Vorwahl - mit Trumps Namen drauf. In diversen anderen Bundesstaaten stehen Entscheidungen zur Teilnahme Trumps an den Vorwahlen noch aus. Colorado und Maine sind bislang die einzigen Staaten, in denen die VorstöĂe gegen ihn Erfolg hatten.
Die Entscheidung in Maine
Die fĂŒr Wahlen zustĂ€ndige Secretary of State, Shenna Bellows, kam zu dem Schluss, dass der Vorwahlantrag des Ex-PrĂ€sidenten «ungĂŒltig» sei. Trump sei laut einem Verfassungszusatz «nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt qualifiziert». Demnach sind Personen von Wahlen ausgeschlossen, die einen «Aufstand» gegen die Verfassung angezettelt haben, wie es in Bellows ErklĂ€rung hieĂ. Sie sei sich bewusst, dass kein Secretary of State jemals einem PrĂ€sidentschaftskandidaten den Wahlzugang auf jener rechtlichen Grundlage verwehrt habe, rĂ€umte die Demokratin ein. «Ich bin mir auch dessen bewusst, dass sich kein PrĂ€sidentschaftskandidat je zuvor an einem Aufstand beteiligt hat.»
Die Folgen
In der Erwartung, dass Trumps Team Berufung einlegen wĂŒrde, setzte Bellows ihre Entscheidung vorerst aus. EndgĂŒltig entschieden ist also noch gar nichts - auch in Colorado nicht. Dort hatte das Oberste Gericht vergangene Woche ebenfalls geurteilt, dass Trump wegen seiner Rolle im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt geeignet sei und daher nicht an der Vorwahl teilnehmen könne. Die Organisation American Center for Law and Justice legte im Namen der republikanischen Partei von Colorado bereits Berufung dagegen ein. Weiterer Einspruch wird von Trump selbst erwartet. Das Oberste Gericht in Colorado setzte seine Entscheidung ebenfalls vorerst aus, bis die Sache final geklĂ€rt ist.
Trump könnte in den noch laufenden FÀllen womöglich noch in anderen Bundesstaaten vom Wahlzettel gestrichen werden. Es ist davon auszugehen, dass am Ende das Oberste Gericht der USA, der Supreme Court, die Frage nach Trumps Teilnahme an den Wahlen entscheiden muss. Trump hatte wÀhrend seiner Amtszeit die Mehrheit an dem Gericht deutlich nach rechts verschoben. Dennoch entschied das Oberste Gericht daraufhin nicht immer in seinem Sinne.
Was nun?
Die MĂŒhlen der Justiz mahlen langsam, insbesondere die des Supreme Courts. Die Vorwahlen der Republikaner in Colorado und Maine stehen am 5. MĂ€rz an, dem sogenannten Super Tuesday, wenn in einer ganzen Reihe von US-Bundesstaaten abgestimmt wird. Die Wahlzettel werden mit einigem Vorlauf gedruckt. Unklar ist, ob rechtzeitig eine finale Entscheidung in der Frage vom Obersten Gericht vorliegen wird - noch dazu, weil bis dahin einige juristische Zwischenschritte nötig sind. Vorerst bleibt sein Name damit auf den Wahlzetteln in beiden Staaten.
Trump schreibt aber bereits einmal mehr Geschichte: Dass einem frĂŒheren US-PrĂ€sidenten und aktuellen PrĂ€sidentschaftsbewerber wegen der Beteiligung an einem Aufstand die Eignung fĂŒr das höchste Amt im Staat abgesprochen wird und er von einem Gericht oder einem Secretary of State vom Wahlzettel genommen wird, das gab es noch nie. Und es beschert dem Republikaner, dem in den kommenden Monaten schon vier groĂe Gerichtsverfahren wegen diverser strafrechtlicher VorwĂŒrfe bevorstehen, weiteren juristischen Ărger, der ihn neben dem intensiven Wahlkampf beschĂ€ftigen wird.
Die Vorwahlen, bei denen die Demokraten und Republikaner ihren jeweiligen PrĂ€sidentschaftskandidaten bestimmen, beginnen Mitte Januar. Die eigentliche PrĂ€sidentschaftswahl steht Anfang November 2024 an. Unter den republikanischen AnwĂ€rtern liegt Trump in Umfragen derzeit weit vorne. Bei den Demokraten geht Amtsinhaber Joe Biden ohne ernstzunehmende Konkurrenz fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Rennen.
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