Haley und DeSantis stÀrken Trump - Botschaft der Einheit
17.07.2024 - 05:06:25Nikki Haley und Ron DeSantis, einst erbitterte politische Gegner Donald Trumps, stellen sich auf dem Parteitag der Republikaner demonstrativ hinter den PrĂ€sidentschaftskandidaten und rufen zur Geschlossenheit auf. «ZunĂ€chst möchte ich eines ganz klarstellen: Donald Trump hat meine volle UnterstĂŒtzung. Punkt», sagte Haley. Sie wurde mit einer Mischung aus Jubel und Buhrufen empfangen - das Publikum applaudierte allerdings euphorisch, als Haley gleich zu Beginn Trump den RĂŒcken stĂ€rkte.Â
Der 78-JĂ€hrige erschien frĂŒher als zunĂ€chst von der Partei angekĂŒndigt und hörte den Reden seiner einstigen Konkurrenz somit persönlich zu. An seinem rechten Ohr trug er nach dem Attentat vom Wochenende erneut einen weiĂen Verband. Er wirkte am zweiten Tag des Parteispektakels deutlich fitter als am ersten, reckte mehrmals seine Faust in die Höhe und zeigte mit dem Finger in die jubelnde Menge. Die drĂ€ngelte sich vor der TribĂŒne, um einen Blick aus nĂ€chster NĂ€he zu erhaschen.
FĂŒr Trump ist der demonstrative öffentliche Beistand seiner einstigen Konkurrenten beim Parteitag ein groĂer Erfolg. Sowohl DeSantis als auch Haley hatten zwar bereits vorher ihre UnterstĂŒtzung kundgetan. Von ihrem Auftritt beim Parteitag in Milwaukee dĂŒrfte aber eine Signalwirkung ausgehen - die Reihen dĂŒrften sich noch weiter hinter dem Ex-PrĂ€sidenten schlieĂen.Â
«Wir haben ein Land zu retten»
Haley richtete sich in ihrer Rede an Trump-Skeptiker. «Wir sollten anerkennen, dass es einige Amerikaner gibt, die nicht zu hundert Prozent mit Donald Trump ĂŒbereinstimmen. Ich kenne zufĂ€llig einige von ihnen, und ich möchte heute Abend zu ihnen sprechen», sagte sie. Auch sie sei eine von ihnen, sagte die einstige Gouverneurin des US-Bundesstaats South Carolina. «Ich bin heute Abend hier, weil wir ein Land zu retten haben, und eine geeinte Republikanische Partei ist unerlĂ€sslich, um es zu retten.»
Trumps frĂŒhere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen hatte sich bei den internen Vorwahlen der Republikaner um die PrĂ€sidentschaftskandidatur ein wochenlanges Duell mit Trump geliefert, war jedoch chancenlos und gab sich schlieĂlich geschlagen. Unmittelbar nach ihrem Ausstieg hatte Haley demonstrativ darauf verzichtet, Trump ihre UnterstĂŒtzung auszusprechen.Â
Haley stellte im Vorwahlkampf Trumps geistige Eignung fĂŒr das PrĂ€sidentenamt infrage. Trump ĂŒberzog die Tochter indischer Einwanderer mit rassistischen Kommentaren. Die Beziehung zwischen Trump und Haley galt als so schlecht, dass US-PrĂ€sident Joe Biden nach Haleys RĂŒckzug sogar um ihre UnterstĂŒtzung warb und ihren Mut lobte, gegen Trump aufzustehen.
Nun lobte Haley Trump sogar fĂŒr dessen AuĂenpolitik. Kremlchef Wladimir Putin habe die Ukraine wĂ€hrend Trumps PrĂ€sidentschaft nicht angegriffen, weil er gewusst habe, dass der Republikaner stark sei, rief sie in die Menge. Zuvor hatte sie Trump eine besondere NĂ€he zu Putin oder Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un vorgeworfen.Â
«Schicken wir Joe Biden zurĂŒck in seinen Keller»
Auch DeSantis hatte es auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur seiner Partei abgesehen, stieg aber schon nach der Vorwahl in Iowa im Januar aus dem Rennen aus. Anders als Haley sprach er Trump sofort seine UnterstĂŒtzung aus. Aber das VerhĂ€ltnis zwischen Trump und dem Gouverneur aus Florida galt auch weiterhin als gestört - sie waren sich im Vorwahlkampf ebenfalls heftig angegangen. «Schicken wir Joe Biden zurĂŒck in seinen Keller und Donald Trump zurĂŒck ins WeiĂe Haus», sagte DeSantis unter groĂem Jubel in Milwaukee.Â
Auf dem Parteitag wurde noch einmal besonders deutlich, wie sehr Trump die gesamte Partei im Griff hat. Die Auftritte von Haley und DeSantis verstĂ€rkten dies. «Alle scharen sich um dieselbe Person. Es ist sehr beruhigend, diese Einigkeit zu sehen», sagte der Delegierte Bill Swenson aus dem Bundesstaat Nebraska.Â
Trump war am Montag zu Beginn des Parteitags offiziell zum PrĂ€sidentschaftskandidaten seiner Partei ernannt worden und wird nach jetzigem Stand bei der PrĂ€sidentenwahl im November gegen den demokratischen Amtsinhaber Biden antreten. Trumps Nominierung war eine Formalie, Trump hatte bereits bei den Vorwahlen die nötigen Delegiertenstimmen gewonnen. Seine groĂe Rede wird er in der deutschen Nacht zu Freitag halten.
«Trump Vance»-Schilder schon im Einsatz
Trump hatte kurz nach Beginn des Parteitags auch bekannt, dass er den Senator und Bestseller-Autor J.D. Vance zum Kandidaten fĂŒr das Amt des VizeprĂ€sidenten ausgewĂ€hlt habe. Der 39-JĂ€hrige nahm im Anschluss ein Bad in der Menge, auch am Dienstagabend (Ortszeit) wurde er wieder bejubelt. Als er in die Halle kam, lief der Countrysong «America First». Die Menschen hielten Schilder mit der Aufschrift «Trump Vance» in die Höhe, in den Fluren wurden T-Shirts mit den Namen des Duos verkauft.Â
Dem Trump-Getreuen und Scharfmacher Vance wird nachgesagt, sich besonders gut mit Trumps Sohn Don Jr. zu verstehen. Bei einer BĂŒhnenprobe scherzten Vance und der Trump-Sohn vertraut miteinander. Trumps Ehefrau Melania und Tochter Ivanka traten hingegen nicht öffentlich auf.Â
«Nicht einmal die Kugel eines AttentÀters könnte dich aufhalten»
Der Republikaner wurde bei einem Attentat am Wochenende wĂ€hrend einer Wahlkampfveranstaltung am Ohr verletzt. Ein AnhĂ€nger kam ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Der SchĂŒtze wurde erschossen. Der Vorfall war eine Eskalation im ohnehin schon aufgeheizten US-Wahlkampf. «Nicht einmal die Kugel eines AttentĂ€ters könnte dich aufhalten», sagte Trumps einstige Sprecherin im WeiĂen Haus, Sarah Huckabee Sanders.
Inmitten der extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen beim Parteitag ereignete sich unterdessen in einem Wohngebiet nahe dem VeranstaltungsgelĂ€nde ein tödlicher Vorfall. Wie US-Medien berichteten, erschossen Polizisten dort am Nachmittag (Ortszeit) einen mit Messern bewaffneten Mann. Polizeiangaben zufolge hatte der Vorfall aber nichts mit dem Parteitag zu tun, es war offenbar ein Streit mit einer anderen Person vorausgegangen.Â
Chaos bei den Demokraten
WĂ€hrend die Republikaner in Milwaukee Geschlossenheit demonstrieren, bahnte sich vor dem Parteitag der Demokraten im August Ărger an. Denn mitten in der Diskussion ĂŒber das Alter und die Fitness Bidens treibt die Spitze seiner Partei PlĂ€ne voran, um den 81-JĂ€hrigen noch vor dem Parteitag in wenigen Wochen in Chicago auf virtuellem Weg als PrĂ€sidentschaftskandidat zu nominieren. Die ParteifĂŒhrung erklĂ€rte zur BegrĂŒndung, man wolle absolut sichergehen, dass Biden bei der PrĂ€sidentenwahl im November in allen Bundesstaaten auf den Wahlzetteln stehe. Unter Demokraten im Kongress gibt es Kritik an diesem Vorgehen.Â
Biden steht derzeit massiv unter Druck aus den eigenen Reihen. Diverse demokratische Abgeordnete hatten ihn in den vergangenen Wochen aufgefordert, sich aus dem PrĂ€sidentschaftsrennen zurĂŒckzuziehen. Viele weitere Ă€uĂerten sich öffentlich sehr besorgt ĂŒber seine Wiederwahl-Chancen. Biden hatte die PrĂ€sidentschaftsvorwahlen seiner Partei in den Bundesstaaten - ohne echte Konkurrenz - bereits vor Monaten gewonnen. Er muss aber, wie Trump formell von Delegierten aus allen Bundesstaaten offiziell als Kandidat fĂŒr die eigentliche PrĂ€sidentenwahl Anfang November nominiert werden. Das ist in Chicago geplant.Â





