Donald Trump, Anklage

Trump bekennt sich «nicht schuldig» in Dokumenten-AffÀre

13.06.2023 - 21:16:20 | dpa.de

Donald Trump schreibt Geschichte auf seine Art: Nach einer beispiellosen Anklageverlesung in New York muss der Ex-PrÀsident nun wieder vor Gericht erscheinen. Diesmal spielt das Spektakel in Miami.

  • Donald Trump verlĂ€sst am Miami International Airport sein Flugzeug. Nach der Anklage in der AffĂ€re um geheime Regierungsdokumente gibt er sich kĂ€mpferisch. - Foto: Rebecca Blackwell/AP
  • Zwei Trump-AnhĂ€ngerinnen empfangen den Ex-PrĂ€sidenten vor seinem Hotel in Miami mit Schildern, auf denen «Ich stehe hinter Trump» geschrieben steht. - Foto: Magdalena Tröndle/dpa
  • Donald Trump winkt auf dem Weg zum Gericht aus dem Fenster seiner Limousine. - Foto: Jim Rassol/AP/dpa
Donald Trump verlÀsst am Miami International Airport sein Flugzeug. Nach der Anklage in der AffÀre um geheime Regierungsdokumente gibt er sich kÀmpferisch. - Foto: Rebecca Blackwell/AP Zwei Trump-AnhÀngerinnen empfangen den Ex-PrÀsidenten vor seinem Hotel in Miami mit Schildern, auf denen «Ich stehe hinter Trump» geschrieben steht. - Foto: Magdalena Tröndle/dpa Donald Trump winkt auf dem Weg zum Gericht aus dem Fenster seiner Limousine. - Foto: Jim Rassol/AP/dpa

Nach der historischen Anklage gegen Donald Trump in der AffĂ€re um den Umgang mit geheimen Regierungsdokumenten hat sich der frĂŒhere US-PrĂ€sident Medienberichten zufolge «nicht schuldig» bekannt. Das berichteten der Sender CNN und die «Washington Post» ĂŒbereinstimmend aus der Sitzung des zustĂ€ndigen Gerichts in Miami. Die Sitzung fand hinter verschlossenen TĂŒren statt.

Der aktuelle republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber musste sich fĂŒr die Vorstellung der VorwĂŒrfe gegen ihn persönlich im Bundesstaat Florida einfinden. Es ist das erste Mal, dass gegen einen Ex-PrĂ€sidenten auf Bundesebene Anklage erhoben wurde.

Mehrere Hundert UnterstĂŒtzer des Republikaners versammelten sich vor dem GerichtsgebĂ€ude, um gegen die Anklage zu protestieren. Sie bejubelten Trump bei seiner Ankunft. Auch einige Kritiker des Ex-PrĂ€sidenten kamen.

Radikale UnterstĂŒtzer Trumps hatten zuvor martialische Töne angeschlagen, was Ängste vor möglicher Gewalt rund um das Erscheinen Trumps vor Gericht auslöste. ZunĂ€chst kam es jedoch nicht zu ZwischenfĂ€llen. Miamis Polizeichef Manny Morales hatte vorab versichert, die SicherheitskrĂ€fte seien gut aufgestellt und könnten gewĂ€hrleisten, dass die Lage nicht eskaliere.

Trump war im April bereits im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar auf bundesstaatlicher Ebene in New York angeklagt worden - dies war die erste Anklage gegen einen Ex-PrĂ€sidenten ĂŒberhaupt. Mit der Dokumenten-AffĂ€re folgte innerhalb weniger Wochen die erste Anklage gegen einen ehemaligen PrĂ€sidenten vor einem Bundesgericht. Es wird auch noch in anderen FĂ€llen gegen Trump ermittelt. Bislang wiegen die VorwĂŒrfe im Zusammenhang mit den geheimen Regierungsunterlagen juristisch am schwersten.

Die VorwĂŒrfe gegen Trump

Die Bundespolizei FBI hatte im August Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida durchsucht und dort zahlreiche Verschlusssachen aus seiner Amtszeit beschlagnahmt, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe. Mar-a-Lago ist ein Club mit Zimmern fĂŒr zahlende GĂ€ste und öffentlichen Veranstaltungen. Dadurch, dass Trump vertrauliche Regierungsdokumente nach seiner Amtszeit in privaten RĂ€umen aufbewahrte, könnte er sich strafbar gemacht haben.

Vorgeworfen wird ihm eine Verschwörung zur Behinderung der Ermittlungen und die gesetzeswidrige Aufbewahrung höchstsensibler Informationen. Darunter waren laut Anklage Details zu nuklearen FĂ€higkeiten der USA und anderer Staaten, zu militĂ€rischen Schwachstellen in der Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Partner sowie Informationen ĂŒber potenzielle MilitĂ€raktionen.

Die brisante Anklageschrift

In der Anklageschrift werden Trump sieben Kategorien von Vergehen und mehr als 35 Straftaten zur Last gelegt. Die Details in dem 49-seitigen Papier sind brisant. So heißt es darin etwa, Trump habe Kisten mit Verschlusssachen in seinem Schlafzimmer, einem Badezimmer, einer Dusche, einem Ballsaal und einem Lagerraum aufbewahrt. Einige Kisten hĂ€tten zeitweise in einem Raum gestanden, in dem öffentliche Veranstaltungen stattfanden. Ein Lagerraum sei ĂŒber einen öffentlichen Pool-Bereich einfach zu erreichen gewesen.

Die Ermittler fĂŒhren in der Anklageschrift - unter anderem auf Basis von Tonaufnahmen - detailliert auf, wie Trump mit anderen Personen ĂŒber Verschlusssachen sprach oder diese unbefugten Dritten zeigte.

Der Gerichtstermin

Trump war bereits am Montag in Miami eingetroffen und hatte die Nacht in seinem luxuriösen Resort Doral verbracht. Am Dienstag wurde er dann mit großem Sicherheitsaufgebot in einer Kolonne zum GerichtsgebĂ€ude gebracht. Das eigentliche Prozedere vor Gericht spielte sich hinter verschlossenen TĂŒren ab. Im GebĂ€ude waren zwar einige Journalisten und BĂŒrger zugelassen, allerdings galt dort ein strenges Verbot elektronischer GerĂ€te. Eine Übertragung der Sitzung gab es nicht, selbst Fotos waren im Gerichtssaal verboten.

Üblicherweise werden Beschuldigten bei diesen Terminen FingerabdrĂŒcke abgenommen, es werden klassische Polizeifotos gemacht, oft auch Handschellen angelegt. In New York hatten die Behörden bei Trump auf Handschellen und ein Foto verzichtet. Das wurde auch in Miami erwartet. Trump sollte das Gericht und auch Miami nach dem Termin direkt wieder verlassen, um von Florida aus nach New Jersey zu fliegen. In seinem Golfclub in Bedminster will er dort in der deutschen Nacht zu Mittwoch vor AnhĂ€ngern auftreten.

Die Sicherheitsvorkehrungen

Mehrere Trump-UnterstĂŒtzer vom rechten Rand der Republikanischen Partei hatten sich nach der Veröffentlichung der Anklage martialisch geĂ€ußert und damit BefĂŒrchtungen ausgelöst, dass es zu Gewalt kommen könnte. Der Abgeordnete Andy Biggs schrieb auf Twitter: «Wir haben jetzt eine Kriegsphase erreicht. Auge um Auge.» Die Republikanerin Kari Lake aus Arizona sagte, wer an Trump rankommen wolle, mĂŒsse erst an ihr und an Millionen von bewaffneten Amerikanern vorbei. Die Stadt Miami stellte daher ein großes Sicherheitsaufgebot ab. Polizeichef Morales sagte, es gebe genug Ressourcen fĂŒr eine Menschenmenge von bis zu 50.000 Demonstranten. «Wir nehmen dieses Ereignis sehr ernst», sagte er am Montag. «Wir wissen, dass sich die Dinge zum Schlimmsten wenden könnten, aber das ist nicht die Art und Weise Miamis.» ZunĂ€chst blieb die Lage rund um das Gericht ruhig.

Die Trump-Fans

Trump-AnhĂ€nger hatten sich bereits am Montag fĂŒr die Ankunft des Republikaners in Miami vor dessen Resort Doral versammelt. Aileen, eine Frau aus Florida in ihren 50ern, bezeichnete die Anklage gegen Trump als politisch motiviert. Die Demokraten seien die Partei der MillionĂ€re, Trump sei der PrĂ€sident der hart arbeitenden, der vergessenen Bevölkerung. Fast ironisch klingt so ein Satz vor den Mauern eines Anwesens mit mehreren GolfplĂ€tzen und Pools, dessen Luxus man an der stickigen Straße kaum erahnen kann.

Pete Crotty, ein Trump-Fan, der vor seinem mit Flaggen geschmĂŒckten roten Pick-up Trump-Fanartikel verkaufte, sagte, Trump sei nur zur Zielscheibe geworden sei, weil er der aussichtsreichste republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber sei.

Dies Narrativ hat Trump vorgegeben. Er weist die VorwĂŒrfe gegen sich zurĂŒck und wertet die Anklage als politisch motivierten Versuch, ihn von einer zweiten Amtszeit abzuhalten. Trump spricht von «politischem Auftragsmord» und «KriegsfĂŒhrung» mit juristischen Mitteln.

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