Auf nach Afrika: Die bisher lÀngste Reise des Kanzlers
21.11.2025 - 03:00:06Der Rentenstreit ist ungelöst, in Union und Koalition lĂ€uft es alles andere als rund. Aber jetzt geht es fĂŒr Kanzler Friedrich Merz erst einmal fĂŒr ein paar Tage ins Ausland. Er bricht am Abend zu seiner lĂ€ngsten Dienstreise seit seiner Vereidigung vor gut einem halben Jahr auf. Erstmals besucht er als Regierungschef Afrika. Vier NĂ€chte - davon zwei im Regierungsflieger - und drei Tage wird der CDU-Chef unterwegs sein. Zwei Gipfel in SĂŒdafrika und Angola stehen auf dem Programm.Â
Die erste Station ist SĂŒdafrikas Wirtschaftsmetropole Johannesburg, wo am Samstag und Sonntag der G20-Gipfel stattfindet. Es ist schon vorher klar, dass es ein sehr besonderer Gipfel wird - im negativen Sinne. Das Treffen hat bisher vor allem durch eine Serie von Absagen fĂŒr Aufsehen gesorgt.
Gipfel der Absagen: Trump, Xi und Putin nicht dabei
Mit den USA, China und Russland sind die drei mĂ€chtigsten Staaten der G20-Gruppe fĂŒhrender Industrie- und SchwellenlĂ€nder nicht auf Chefebene vertreten. Hinzu kommen Absagen von den Staatschefs Argentiniens, Mexikos und Saudi-Arabiens. Die US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump will die Gipfelberatungen sogar ganz boykottieren, weil sie der sĂŒdafrikanischen Regierung schwere Repressionen gegen weiĂe Farmer vorwirft. SĂŒdafrika weist die VorwĂŒrfe als unbegrĂŒndet zurĂŒck.Â
Drei GrĂŒnde, trotzdem nach Afrika zu reisen
Merz hat sich dadurch aber nicht von seinen ReiseplĂ€nen abbringen lassen. DafĂŒr werden in seinem Umfeld drei GrĂŒnde genannt.Â
- Der Kanzler will die G20-Gipfel als internationales GesprĂ€chsformat erhalten. Die wĂ€hrend der Weltfinanzkrise 2008 entstandenen Treffen, hĂ€tten sich damals bewĂ€hrt und sollten als Reaktionsinstrument fĂŒr Ă€hnliche Krisen erhalten bleiben, heiĂt es.
- Merz will den Besuch in Johannesburg auĂerdem nutzen, um die Partnerschaft zu Afrika gerade im wirtschaftlichen Bereich zu vertiefen. Seine Teilnahme sei ein Zeichen der WertschĂ€tzung fĂŒr den Kontinent, wo erstmals ein solcher Gipfel stattfindet.
- Der Gipfel bietet die Gelegenheit fĂŒr bilaterale GesprĂ€che, die Merz ausgiebig nutzen wird. Einige der Teilnehmer hat er noch nicht nĂ€her kennengelernt, es ist seine G20-Premiere.Â
Wenigstens ist Lula da - wie war das mit Belém?
Ein Treffen hat Merz bereits selbst angekĂŒndigt. Er wolle in Johannesburg «ein weiteres gutes GesprĂ€ch» mit dem brasilianischen PrĂ€sidenten Luiz InĂĄcio Lula da Silva fĂŒhren, mit dem er bereits vor nicht einmal zwei Wochen bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen BelĂ©m zusammengekommen ist. ĂuĂerungen des Kanzlers ĂŒber die Millionenstadt nach seiner RĂŒckkehr waren von vielen Brasilianern als abschĂ€tzig und beleidigend empfundenen worden.
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Auch Lula kommentierte sie unter anderem mit den Worten, Merz hĂ€tte mal in BelĂ©m tanzen gehen sollen. Da gibt es also noch etwas zu klĂ€ren zwischen den beiden. ĂuĂerung ĂŒber das Stadtbild von Johannesburg oder Luanda, der Hauptstadt Angolas, dĂŒrfte sich Merz nach den Erfahrungen mit BelĂ©m bei dieser Reise wohl jedenfalls sparen.Â
40 Chefs bei EU-Afrika-Gipfel erwartet
Weitreichende Ergebnisse sind beim G20-Gipfel vor allem wegen des Fernbleibens der USA nicht zu erwarten. Am Sonntagabend reist Merz weiter zum EU-Afrika-Gipfel nach Luanda, wo 40 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Dort scheint immerhin eine gemeinsame AbschlusserklĂ€rung sicher zu sein, in der es vor allem um die Themen Sicherheit und KrisenbewĂ€ltigung und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen soll.Â
Klingbeil auch dabei - Zeit fĂŒr Innenpolitik?
Vielleicht ist bei der Reise auch noch Zeit, zumindest ein paar Worte ĂŒber die Innenpolitik zu wechseln. Merz wird in Johannesburg nĂ€mlich von Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) begleitet, der direkt von einer Reise nach China und Singapur nach SĂŒdafrika kommt.
Wenn die beiden Anfang nĂ€chster Woche zurĂŒck in Berlin sind, haben sie vier anstrengende Wochen vor sich. Bis Weihnachten mĂŒssen noch eine ganze Reihe strittiger Themen abgerĂ€umt werden - vor allem der Rentenstreit, bei dem noch keine Lösung in Sicht ist. Stichtag ist der 19. Dezember, wenn die letzten Sitzungen von Bundestag und Bundesrat stattfinden.





