Netanjahu: Iran wird bezahlen - Angriffe auf Beirut
02.10.2024 - 12:18:41Erstmals seit Beginn der israelischen Bodenoffensive im Libanon berichtet die Schiitenmiliz Hisbollah ĂŒber KĂ€mpfe im Grenzgebiet. Israelische Bodentruppen hĂ€tten versucht, in den libanesischen Ort Udaissa einzudringen, teilte die Hisbollah mit. Sie seien zum RĂŒckzug gezwungen worden. Auf israelischer Seite habe es Opfer gegeben.
Israel griff erneut die libanesische Hauptstadt an und attackierte nach eigenen Angaben «terroristische Ziele in Beirut», teilte die Armee mit, ohne Details zu nennen.Â
Nach dem zweiten iranischen Raketenangriff binnen fĂŒnf Monaten auf Israel soll der UN-Sicherheitsrat um 16.00 Uhr (deutscher Zeit) zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.Â
Warum eskaliert die Lage immer weiter?
Am Dienstag waren erstmals seit fast zwei Jahrzehnten israelische Bodentruppen wieder in den Libanon eingerĂŒckt. Bald ein Jahr nach Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober verlagert sich der Schwerpunkt der KĂ€mpfe in Richtung des nördlichen Nachbarlandes.
Auf diesen VorstoĂ Israels reagierte der Iran und feuerte am Abend nach eigenen Angaben rund 200 Raketen in Richtung des Erzfeindes.Â
Die meisten wurden laut israelischem MilitĂ€r, das von 180 Raketen sprach, - auch mit Hilfe einer von den USA gefĂŒhrten Verteidigungskoalition - abgefangen. Ein Todesopfer gab es im Westjordanland, zwei Verletzte in Tel Aviv. Im Zentrum und im SĂŒden Israels wurden EinschlĂ€ge registriert. Millionen Israelis suchten Zuflucht in SchutzrĂ€umen.Â
Medienberichten zufolge nahm der Iran zwei israelische LuftwaffenstĂŒtzpunkte und das Hauptquartier des Geheimdienstes Mossad ins Visier.Â
Irans AuĂenminister: Wollen keine Eskalation, fĂŒrchten aber keinen Krieg
Irans AuĂenminister Abbas Araghchi sprach nach dem Angriff mit BundesauĂenministerin Annalena Baerbock sowie deren Kollegen in GroĂbritannien und Frankreich, wie die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete.Â
Die Operation sei abgeschlossen, sagte Araghchi. «Aber sollte das zionistische Regime (Israel) VergeltungsmaĂnahmen ergreifen, wird unsere Antwort noch hĂ€rter ausfallen.» Die Islamische Republik Iran strebe keine Eskalation an, fĂŒrchte aber keinen Krieg.
Der Angriff sei Vergeltung fĂŒr die Tötung von Hamas-Auslandschef Ismail Hanija, Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah sowie eines iranischen Generals, hieĂ es. In Erwartung eines israelischen Gegenangriffs verlĂ€ngerte der Iran die Sperrung seines Luftraums bis DonnerstagfrĂŒh um 5.00 Uhr (Ortszeit).
Greift Israel die iranischen Atomanlagen an?
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kĂŒndigte Vergeltung an. «Der Iran hat heute Abend einen groĂen Fehler gemacht â und er wird dafĂŒr bezahlen», sagte er nach Angaben seines BĂŒros.Â
Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari sagte: «Wir werden zu dem Zeitpunkt und an dem Ort handeln, den wir bestimmen, und zwar in Ăbereinstimmung mit den Anweisungen der politischen Ebene.»Â
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf US-Beamte, in einem möglichen Szenario könnte Israel die iranischen Nuklearanlagen angreifen. Insbesondere die Anreicherungsanlagen in Natanz, dem HerzstĂŒck des iranischen Programms, könnten im Visier stehen.Â
Hagari sagte, die iranischen Raketenangriffe hĂ€tten keine Auswirkungen auf die EinsatzfĂ€higkeit der Luftwaffe. Netanjahu bezeichnete Irans Angriff als gescheitert.Â
Scholz: Iran riskiert FlĂ€chenbrand in der RegionÂ
Bundeskanzler Olaf Scholz warnte vor einer weiteren Eskalation. «Iran riskiert damit, die ganze Region in Brand zu setzen - das gilt es unter allen UmstĂ€nden zu verhindern», erklĂ€rte der SPD-Politiker in Berlin. Nur dank der israelischen Luftverteidigung und den VerbĂŒndeten sei es am Abend gelungen, den iranischen Angriff weitgehend abzuwehren.Â
US-PrĂ€sident Joe Biden rief Israel auf, seine Reaktion gut abzuwĂ€gen. US-AuĂenminister Antony Blinken nannte den iranischen Raketenangriff «völlig inakzeptabel». Zum zweiten Mal innerhalb von fĂŒnf Monaten habe der Iran einen direkten Angriff unternommen. Israel habe den Angriff mit aktiver UnterstĂŒtzung der USA und anderer VerbĂŒndeter erfolgreich abgewehrt. «Wir haben einmal mehr unseren Einsatz fĂŒr die Verteidigung Israels unter Beweis gestellt», sagte Blinken in Washington.













