Weltstrafgericht: Ex-PrÀsident Duterte in den Niederlanden
12.03.2025 - 17:48:37  Der festgenommene philippinische Ex-PrÀsident Rodrigo Duterte ist mit einem Flugzeug in den Niederlanden angekommen, wo ihm vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag der Prozess gemacht werden soll. Dem 79-JÀhrigen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt, darunter mindestens 43 Morde in der Zeit zwischen 2011 bis 2019.
Duterte war am Dienstag auf der Grundlage eines Internationalen Haftbefehls des Strafgerichtshofs auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila festgenommen und mit einem Charterflugzeug ausgeflogen worden. Nach einem Zwischenstopp in Dubai kam er am spÀten Nachmittag am Flughafen Den Haag/ Rotterdam an.
Duterte war von 2016 bis 2022 Staatschef und fĂŒhrte einen erbarmungslosen Kampf gegen DrogenkriminalitĂ€t. Nach Polizeiangaben wurden rund 6000 Menschen getötet. Doch Menschenrechtsorganisationen schĂ€tzen, dass es bis zu 30.000 waren. VerdĂ€chtige wurden demnach oft ohne Prozess regelrecht hingerichtet.Â
Es gebe «vertretbare GrĂŒnde» anzunehmen, dass er individuell verantwortlich ist fĂŒr Morde, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten können, heiĂt es im Haftbefehl. Er soll zunĂ€chst als BĂŒrgermeister von Davao und spĂ€ter als PrĂ€sident die mutmaĂlichen Tötungen verantwortet haben.Â
ZunÀchst ins GefÀngnis
Erwartet wird, dass der Ex-PrĂ€sident dem Gericht offiziell ĂŒbergeben wird. Am Flughafen stand ein Bus bereit, um ihn in das GefĂ€ngnis im Nordseebad Scheveningen zu bringen, wo das Gericht ĂŒber einen eigenen Zellenkomplex verfĂŒgt. Dort soll er medizinisch untersucht werden.Â
In den nĂ€chsten Tagen soll Duterte dem Richter vorgefĂŒhrt werden. In wenigen Monaten wird dann zunĂ€chst in einem Vorverfahren die Anklage geprĂŒft.Â
Ermittlungen seit 2018Â
Die Anklage ermittelt bereits seit 2018 zu den mutmaĂlichen Verbrechen auf den Philippinen. Der Inselstaat hatte daraufhin den Austritt aus dem Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofes verkĂŒndet. Doch es bleibt zustĂ€ndig fĂŒr die Verfolgung von Straftaten bis 2019, als der Austritt rechtskrĂ€ftig wurde.Â
Duterte ist der zweite frĂŒhere Staatschef, den der Gerichtshof anklagt. Der Erste war der EX-PrĂ€sident der ElfenbeinkĂŒste, Laurent Gbagbo. Er war 2019 freigesprochen worden.Â
Möglicher Hintergrund fĂŒr die schnelle Auslieferung könnte die aktuelle politische Lage in dem Inselstaat sein. Denn es gab einen Bruch zwischen dem heutigen PrĂ€sidenten Ferdinand Marcos Jr. und der Familie von Duterte. Dessen Tochter Sara ist VizeprĂ€sidentin, und gegen sie lĂ€uft ein Amtsenthebungsverfahren.


