Pakistans, Premier

Pakistans Premier kĂŒndigt Reaktion an – Sorge vor Eskalation

07.05.2025 - 15:34:51

Dutzende Menschen werden nach pakistanischen Angaben bei indischen Angriffen getötet. Von Deeskalation ist in dem gefÀhrlichen Konflikt zweier AtommÀchte derzeit keine Spur.

  • Pakistans Premier Shehbaz Sharif sprach von einem Kriegsakt. - Foto: Anjum Naveed/AP/dpa

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  • Pakistan meldet Dutzende Tote nach indischen Angriffen. - Foto: M.D. Mughal/AP/dpa

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  • UN-GeneralsekretĂ€r Antonio Guterres Ă€ußerte Sorge.  - Foto: Til Buergy/KEYSTONE/dpa

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  • Spannungen zwischen Indien und Pakistan. - Foto: Dar Yasin/AP/dpa

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  • Die malerische Kaschmir-Region ist ein zentrales Streitthema zwischen Indien und Pakistan. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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Pakistans Premier Shehbaz Sharif sprach von einem Kriegsakt. - Foto: Anjum Naveed/AP/dpaPakistan meldet Dutzende Tote nach indischen Angriffen. - Foto: M.D. Mughal/AP/dpaUN-GeneralsekretĂ€r Antonio Guterres Ă€ußerte Sorge.  - Foto: Til Buergy/KEYSTONE/dpaSpannungen zwischen Indien und Pakistan. - Foto: Dar Yasin/AP/dpaDie malerische Kaschmir-Region ist ein zentrales Streitthema zwischen Indien und Pakistan. - Foto: Uncredited/AP/dpa

Nach Angriffen des indischen MilitĂ€rs auf mehrere pakistanische Ziele spitzt sich die Lage auf dem Subkontinent weiter gefĂ€hrlich zu. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklĂ€rte nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in Islamabad erneut, es werde eine Reaktion auf die indische MilitĂ€raktion geben. International wĂ€chst die Sorge vor einer erneuten Eskalation des Konflikts, auch der neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte die Konfliktparteien auf, einen «kĂŒhlen Kopf» zu bewahren.

Nach Angaben des pakistanischen MilitĂ€rs starben seit Raketenangriffen in der vergangenen Nacht 31 Menschen, 57 wurden verletzt. Ursache fĂŒr die steigende Todeszahl seien «VerstĂ¶ĂŸe gegen den Waffenstillstand» der indischen Armee entlang des Grenzverlaufs, hieß es weiter. Durch Artilleriebeschuss der pakistanischen Armee entlang des Grenzverlaufs im indisch kontrollierten Teil der Unruheregion Kaschmir noch in der Nacht kamen auch mehrere Menschen in Indien ums Leben. 

Indien hatte nach eigenen Angaben in der vergangenen Nacht mehrere Ziele in Pakistan und im pakistanisch verwalteten Teil Kaschmirs angegriffen. Die Angriffe seien auf «terroristische Infrastruktur» erfolgt. Eine MilitÀrsprecherin in Neu-Delhi sagte, neun «Terroristencamps» seien zerstört worden. Das wurde von Pakistan nicht bestÀtigt.

Premier: StreitkrĂ€fte sind ermĂ€chtigt, Maßnahmen zu ergreifen

Pakistan behalte sich das Recht vor, in Selbstverteidigung zu einem Zeitpunkt, an einem Ort und auf eine Weise seiner Wahl zu reagieren, sagte Sharif laut einer Mitteilung. «Die pakistanischen StreitkrĂ€fte sind ordnungsgemĂ€ĂŸ ermĂ€chtigt worden, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.» Details nannte er nicht. In der Region wĂ€chst die Sorge vor einem neuen Krieg zwischen den beiden AtommĂ€chten.

Mit den Angriffen reagierte Indien auf einen Terroranschlag am 22. April in dem indischen kontrollierten Teil Kaschmirs mit 26 Toten. Die Regierung in Neu-Delhi wirft Pakistan eine Beteiligung vor, Islamabad weist den Vorwurf zurĂŒck.

Tote bei KĂ€mpfen in der Grenzregion

Nach den Luftangriffen setzten noch in der Nacht laut indischer Armee Feuergefechte in der Grenzregion ein. Die Zeitung «The Indian Express» berichtete unter Berufung auf eigene Informationsquellen, mindestens sieben Zivilisten, darunter zwei Kinder, seien im indischen Unionsterritorium Jammu und Kaschmir durch den Beschuss getötet und 38 weitere verletzt worden. Andere Medien sprachen von mindestens zehn Toten. Die Regierung nannte zunÀchst keine Opferzahlen. Indische Sender zeigten Bilder von zerstörten GebÀuden. 

Die Armee sprach von Artilleriefeuer an der militĂ€rischen Kontrolllinie. Diese etwa 740 Kilometer lange Linie gilt als De-Facto-Grenze und teilt Kaschmir zwischen den beiden AtommĂ€chten auf. Pakistans Premier Sharif meldete außerdem den Abschuss von fĂŒnf indischen Kampfjets. Eine BestĂ€tigung durch Indien gab es dafĂŒr zunĂ€chst nicht. 

Krisenherd Kaschmir 

Nach Darstellung der indischen Regierung dienten die Luftangriffe auf das Nachbarland im Rahmen der «Operation Sindoor» der PrĂ€vention. «Unsere Geheimdienste, die in Pakistan basierende Terroristen-Einheiten beobachten, deuteten darauf hin, dass weitere Attacken gegen Indien drohten», sagte der StaatssekretĂ€r im Außenministerium, Vikram Misri. Es habe die Notwendigkeit gegeben, abzuschrecken und zu verhindern. 

Die Kaschmir-Region im Himalaya ist zwischen Pakistan und Indien geteilt, beide AtommĂ€chte beanspruchen aber das ganze Gebiet fĂŒr sich. Die UrsprĂŒnge des Konflikts reichen bis in die Kolonialzeit zurĂŒck. 1947 entließen die Briten den indischen Subkontinent in die UnabhĂ€ngigkeit und teilten diesen auf. Aus der Teilung entstand neben dem ĂŒberwiegend hinduistischen Indien der neue Staat Pakistan fĂŒr Muslime. Die gewaltvoll verlaufene Teilung nĂ€hrt bis heute eine erbitterte RivalitĂ€t. Seit ihrer UnabhĂ€ngigkeit fĂŒhrten beide LĂ€nder drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir.

Pakistan schließt Luftraum vorĂŒbergehend

Pakistan schloss nach den Angriffen aus Indien bis zum Nachmittag Ortszeit seinen Luftraum. Der Flugbetrieb an den FlughĂ€fen Islamabad und Lahore wurde vorĂŒbergehend eingestellt, wie ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. In mehreren Teilen Indiens und Pakistans blieben die Schulen geschlossen. Die Provinz Sindh im SĂŒdosten Pakistans rief laut dem pakistanischen Nachrichtensender Geonews außerdem den Gesundheitsnotstand aus. 

Laut dem SĂŒdasien-Experten Michael Kugelman ist das Eskalationspotenzial auch im Vergleich zu vorherigen Konflikten gefĂ€hrlich hoch. «Der indische Angriff auf Pakistan hat ein viel grĂ¶ĂŸeres Ausmaß als der Angriff von 2019», schreibt der Experte auf der Online-Plattform X. Das gelte ebenso fĂŒr den von Pakistan gemeldeten Abschuss mehrerer indischer Kampfflugzeuge.

Damals starben bei einem schweren Angriff im indischen Teil Kaschmirs 40 Menschen. Indien entzog dem Gebiet daraufhin die Teilautonomie, es kam vermehrt zu Gefechten. 2021 einigten sich beide LÀnder zunÀchst, die KÀmpfe einzustellen.

Internationale Besorgnis ĂŒber Eskalation

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich nach den Angriffen «sehr besorgt».«Die Welt kann sich eine militĂ€rische Konfrontation zwischen Indien und Pakistan nicht leisten», sagte er laut einer Mitteilung seines BĂŒros. Er rief beide AtommĂ€chte zur militĂ€rischen ZurĂŒckhaltung auf. 

 

US-PrĂ€sident Donald Trump Ă€ußerte seine Hoffnung, dass der Konflikt zwischen den beiden AtommĂ€chten nicht weiter eskaliert. «Ich hoffe nur, dass es sehr schnell endet», sagte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus mit Blick auf den Angriff. Außenminister Marco Rubio schrieb auf der Plattform X, er werde weiter sowohl die indische als auch die pakistanische FĂŒhrung auf eine friedliche Lösung hinweisen. 

Bundeskanzler Merz sagte in Paris: «Besonnenheit und Vernunft ist gefragt. An einer weiteren Eskalation sollte auch in der Region niemand ein Interesse haben.»

China forderte beide Seiten zur ZurĂŒckhaltung auf. Man bedauere die MilitĂ€raktion Indiens und sei ĂŒber die Entwicklung der Lage besorgt, teilte ein Sprecher des Außenamtes in Peking mit. WĂ€hrend das chinesisch-indische VerhĂ€ltnis unter anderem wegen Grenzkonflikten im Himalaya-Gebirge als Ă€ußerst angespannt gilt, unterhĂ€lt Peking enge Wirtschaftsbeziehungen zu Pakistan. Zudem steht ein kleinerer Teil im Osten der Kaschmir-Region unter Chinas Kontrolle.

Auch der Iran zeigte sich besorgt und Ă€ußerte die Hoffnung, dass beide Seiten noch deeskalieren könnten. Am Montag war der iranische Außenminister Abbas Araghtschi in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, um zwischen den sĂŒdasiatischen AtommĂ€chten zu vermitteln. Großbritannien bot ebenfalls an, zwischen den beiden LĂ€ndern, die aus dem britischen Kolonialreich hervorgegangen sind, zu vermitteln.

@ dpa.de