TerroranschlĂ€ge in BrĂŒssel: Urteile im Mammutprozess
25.07.2023 - 20:06:05Im Prozess um die islamistischen AnschlĂ€ge 2016 in BrĂŒssel haben die Geschworenen mehrere der zehn Angeklagten des terroristischen Mordes schuldig gesprochen. Das verkĂŒndete GerichtsprĂ€sidentin Laurence Massart in der belgischen Hauptstadt.
Laut der belgischen Nachrichtenagentur Belga sind sechs Angeklagte fĂŒr terroristischen Mord verurteilt worden. Drei wurden demnach von diesem Vorwurf freigesprochen. Ăber die Strafen soll ab September entschieden werden.
32 Menschen starben, 340 wurden verletzt
Bei den TerroranschlĂ€gen vom 22. MĂ€rz 2016 am Flughafen Zaventem und in einer Metrostation in der belgischen Hauptstadt starben 32 Menschen, 340 wurden verletzt. Das Urteil wurde von einer zwölfköpfigen Jury nach 18-tĂ€gigen Beratungen gefĂ€llt. Die Jury war wĂ€hrenddessen an einem unbekannten Ort untergebracht und von der AuĂenwelt völlig abgeschottet.
Ihrem Urteil nach sind die gleichen sechs Angeklagten auch des versuchten terroristischen Mordes schuldig, wie Belga berichtete. Acht der zehn Angeklagten wurden demnach der Beteiligung an AktivitÀten einer terroristischen Vereinigung schuldig gesprochen.
Die Geschworenen entschieden Belga zufolge auch, die Angeklagten fĂŒr drei weitere Todesopfer zur Rechenschaft zu ziehen, die nach den AnschlĂ€gen gestorben waren - etwa nach langer Krankheit oder durch Suizid. Die offizielle Zahl der Todesopfer erhöht sich damit von 32 auf 35.
Zusammenhang zu den AnschlÀgen in Paris
Insgesamt waren wegen der AnschlĂ€ge in BrĂŒssel zehn MĂ€nner angeklagt. Einer fehlte jedoch vor Gericht: Es wird davon ausgegangen, dass er mittlerweile wohl in Syrien gestorben ist. Acht Angeklagten wurde 32-facher terroristischer Mord, versuchter terroristischer Mord an fast 700 Menschen sowie die Beteiligung an AktivitĂ€ten einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Dem neunten hatte die Staatsanwaltschaft lediglich den dritten Punkt zur Last gelegt.
Vor den AnschlĂ€gen in BrĂŒssel hatten Extremisten bei einer Anschlagsserie am 13. November 2015 in Paris 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Die AnschlĂ€ge in Paris und BrĂŒssel wurden wohl von derselben Terrorzelle eingefĂ€delt; daher standen von den in Paris Verurteilten auch sechs in BrĂŒssel vor Gericht - unter anderem der Hauptangeklagte im Pariser Prozess, Salah Abdeslam.
Abdeslam wurde nach Belga-Angaben in BrĂŒssel wegen Beteiligung an AktivitĂ€ten einer terroristischen Vereinigung, terroristischen Mordes und versuchten terroristischen Mordes schuldig gesprochen - und das, obwohl er sich am Tag des Anschlags im GefĂ€ngnis befand. Er wurde bereits im Prozess um die AnschlĂ€ge in der französischen Hauptstadt zu lebenslanger Haft verurteilt und in einem separaten Verfahren zu 20 Jahren GefĂ€ngnis, weil er kurz vor seiner Festnahme in BrĂŒssel 2016 auf Polizisten geschossen hatte.
Der Angeklagte Mohamed Abrini wurde Belga zufolge ebenfalls wegen aller drei VorwĂŒrfe schuldig gesprochen. Er sollte am Flughafen Zaventem eigentlich eine weitere Bombe zĂŒnden, flĂŒchtete aber und wurde durch Ăberwachungsbilder als «Mann mit Hut» bekannt. Auch er wurde bereits in Paris zu lebenslanger Haft verurteilt.
Ăber das StrafmaĂ wird im September entschieden
Das öffentliche Interesse an dem Prozess mit mehr als 900 NebenklĂ€gerinnen und -klĂ€gern war riesig - deshalb wurde der Prozess in umgebauten RĂ€umlichkeiten des frĂŒheren Nato-Hauptquartiers im Nordosten der Stadt gefĂŒhrt.
Um das StrafmaĂ fĂŒr die Verurteilten wird es ab September gehen: Dann werden die Geschworenen sich erneut beraten, wie Belga berichtete.





