EU beschlieĂt neue Russland-Sanktionen - Kredit fĂŒr Ukraine
23.04.2026 - 14:41:38 | dpa.deDie EU hat neue Russland-Sanktionen beschlossen und den Weg fĂŒr ein 90 Milliarden Euro schweres UnterstĂŒtzungsdarlehen fĂŒr die Ukraine freigemacht. Einen Tag nach Ende der Blockade des ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban gab die zyprische EU-RatsprĂ€sidentschaft den erfolgreichen Abschluss der formellen Entscheidungsverfahren fĂŒr die beiden Projekte bekannt. Damit können die neuen Sanktionen in Kraft gesetzt und die Auszahlung der ersten DarlehensbetrĂ€ge an die Ukraine geplant werden.
Die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas sagte nach dem Abschluss der Entscheidungsverfahren, man werde der Ukraine alles geben, was sie brauche, um standzuhalten - bis Kremlchef Wladimir Putin begreife, dass sein Krieg ins Leere laufe. Russlands Kriegswirtschaft gerate zunehmend unter Druck, wĂ€hrend die Ukraine deutliche UnterstĂŒtzung erhalte.Â
EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen begrĂŒĂten die Entscheidung ebenfalls. «WĂ€hrend Russland seine Aggression weiter verstĂ€rkt, verstĂ€rken wir unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die tapfere ukrainische Nation», schrieb von der Leyen in den sozialen Medien.Â
Ungarn und die Slowakei blockierten Sanktionen langeÂ
FĂŒr die Ukraine ist vor allem das Geld wichtig. Es soll dem Land die Fortsetzung seines Abwehrkampfes gegen die russischen Invasionstruppen ermöglichen und es vor einer Staatspleite bewahren. Das neue Sanktionspaket zielt unterdessen besonders darauf ab, Russlands Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Ăl weiter zu reduzieren. Zudem sollen weitere Finanzinstitute vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und zusĂ€tzliche HandelsbeschrĂ€nkungen erlassen werden. Das Paket war von Ungarn sowie der Slowakei blockiert worden.
Um Orban und den slowakischen Regierungschef Robert Fico zur Aufgabe ihrer Vetos zu bewegen, hatte die Ukraine am Dienstag die Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Pipeline ermöglicht. Ăber diese wird russisches Ăl ĂŒber das ukrainische Staatsgebiet nach Ungarn und in die Slowakei geliefert.Â
Orban hatte der Ukraine vorgeworfen, russische Ăllieferungen durch die Pipeline aus politischen GrĂŒnden zu verhindern und seine Zustimmung zu neuen EU-Hilfen fĂŒr das Land an die Wiederinbetriebnahme der Leitung geknĂŒpft. Die Regierung in Kiew wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck und betonte, die Pipeline mĂŒsse nach russischen Luftangriffen im Januar repariert werden.
Sanktionen sollen Russlands Einnahmen verringern
Das jetzt auf den Weg gebrachte Sanktionspaket hĂ€tte eigentlich bereits im Februar zum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine in Kraft treten sollen. Es sieht im Energiebereich vor, EU-Unternehmen die Beteiligung an der Reparatur von russischen Raffinerien zu verbieten, die durch ukrainische Angriffe beschĂ€digt wurden.Â
AuĂerdem werden Transaktionen mit Hafenterminals in Russland und Drittstaaten sowie LNG-Terminaldienste und Wartungsleistungen fĂŒr russische LNG-Tanker und Eisbrecher untersagt. Zugleich fĂ€llt eine bisherige Ausnahme fĂŒr Erdgaskondensate beim Importverbot fĂŒr russisches Rohöl weg.
Im Finanzbereich sollen weitere Banken vom Finanzkommunikationssystem Swift abgekoppelt werden. Zudem sollen Banken aus Drittstaaten ins Visier genommen werden, die Russlands Kriegswirtschaft unterstĂŒtzen. Geplant sind auĂerdem Verbote fĂŒr GeschĂ€fte mit KryptowĂ€hrungen sowie mit dezentralen Krypto-Plattformen. Die Ukraine soll im Gegenzug fĂŒr den Erhalt der EU-Mittel die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit garantieren und Fortschritte bei der KorruptionsbekĂ€mpfung erzielen.
DarĂŒber hinaus sollen russische und auslĂ€ndische Unternehmen sanktioniert werden, die den russischen militĂ€risch-industriellen Komplex unterstĂŒtzen. Um Russlands Einnahmen zu verringern, sind zudem Importverbote fĂŒr weitere Metalle, Chemikalien und kritische Rohstoffe vorgesehen. Nach EU-Angaben könnten die Einnahmen des Landes dadurch um 570 Millionen Euro pro Jahr sinken.
Diskussion um maritime Dienstleistungen geht weiter
Keine endgĂŒltige Einigung gab es darauf, ein umfassendes Verbot aller maritimen Dienstleistungen zu erlassen, die mit dem Transport von russischem Rohöl zusammenhĂ€ngen. Grund waren vor allem Bedenken von LĂ€ndern wie Griechenland, die um die WettbewerbsfĂ€higkeit ihrer Reedereien fĂŒrchten, da diese solche Dienstleistungen anbieten. Sie wollten das Verbot laut EU-Diplomaten daher nur mittragen, wenn auch die G7-LĂ€nder es gemeinsam umsetzen. Hier kĂ€me es also auf die Mitwirkung von Kanada, GroĂbritannien, Japan, insbesondere aber auch den Vereinigten Staaten an.Â
Bislang ist die Erbringung maritimer Dienstleistungen nur fĂŒr Schiffe und Unternehmen untersagt, die sich nicht an einen westlichen Preisdeckel fĂŒr Ăl halten. Zu Dienstleistungen gehören etwa Versicherungen, Charterschiffe und technische Dienste wie Wartung und Reparatur.
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