UN: Staaten beim Klimaschutz weit vom 1,5-Grad-Pfad entfernt
14.11.2023 - 14:29:01 | dpa.deMit den aktuell von Staaten vorgelegten KlimaschutzplĂ€nen ist die Welt einer Analyse der Vereinten Nationen zufolge weit davon entfernt, die ErderwĂ€rmung bei 1,5 Grad zu stoppen. «Der Bericht zeigt, dass die Regierungen zusammengenommen Babyschritte gehen, um die Klimakrise abzuwenden», erklĂ€rte UN-Klima-Chef Simon Stiell am Dienstag. Die Weltklimakonferenz im Dezember in Dubai mĂŒsse ein «Wendepunkt» sein. «Die Regierungen mĂŒssen sich nicht nur auf stĂ€rkere KlimaschutzmaĂnahmen einigen, sondern auch genau zeigen, wie sie diese umsetzen wollen.»
Die internationale Staatengemeinschaft hat das Ziel vereinbart, die ErderwĂ€rmung bei 1,5 Grad gegenĂŒber der vorindustriellen Zeit zu stoppen, um die katastrophalsten Folgen wie etwa mehr DĂŒrren, Unwetter, Ăberschwemmungen und Hitzewellen abzuwenden.
Meilenweit vom Ziel entfernt
Um darzulegen, wie weit die Welt vom Pfad zu diesem Ziel entfernt ist, hat das Klimasekretariat der Vereinten Nationen alle KlimaschutzplĂ€ne ausgewertet, die von den Staaten bis zum 25. September eingereicht wurden - und kommt zu folgenden SchlĂŒssen:
- Selbst wenn alle ihre PlĂ€ne umsetzen, lĂ€gen die im Jahr 2030 noch ausgestoĂenen weltweiten Treibhausgas-Emissionen nur zwei Prozent unter dem Niveau von 2019. Dies bedeutet zwar, dass der Höchstwert des AusstoĂes noch in diesem Jahrzehnt gemessen wĂŒrde - allerdings fĂŒr die in Paris beschlossenen Klimaziele viel zu spĂ€t. Um die ErderwĂ€rmung wie angestrebt bei 1,5 Grad zu stoppen, mĂŒssten die Emissionen dem Weltklimarat zufolge im Jahr 2030 bereits 43 Prozent niedriger sein als 2019.
- Verglichen mit dem Jahr 2010 lĂ€gen die klimaschĂ€dlichen Emissionen im Jahr 2030 der Berechnung zufolge sogar immer noch 8,8 Prozent höher. Diese Prognose hat sich seit dem Stand im vorigen Jahr auch nur geringfĂŒgig verbessert.
Dass Staaten oft ihre eigenen PlĂ€ne zum Klimaschutz gar nicht oder nur schleppend umsetzen, ist in dieser Analyse noch gar nicht berĂŒcksichtigt.
«Jedes Zehntelgrad zÀhlt»
«Jedes Zehntelgrad zÀhlt, aber wir sind ernsthaft ab vom Pfad. Die COP28 ist die Zeit, das zu Àndern», sagte Stiell. Der UN-Klimagipfel COP28 mit Vertretern von rund 200 Staaten findet ab dem 30. November in Dubai statt. «Es ist an der Zeit, die enormen Vorteile eines entschlosseneren Vorgehens gegen den Klimawandel aufzuzeigen: mehr ArbeitsplÀtze, höhere Löhne, Wirtschaftswachstum, Chancen und StabilitÀt, weniger Umweltverschmutzung und bessere Gesundheit.»
WWF-Klimachefin Vivane Raddatz ruft die EU auf, einen ambitionierteren Beitrag zu leisten. «Und Deutschland? Nimmt die Beine nicht in die Hand: Statt das Klimaschutzgesetz zu stÀrken, will die Regierung es verwÀssern. GebÀude- und Verkehrswende stagnieren», sagte Raddatz.
Woran es hapert
Woran es bei der bisher konkret hapert, hĂ€lt der ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Bericht «State of Climate Action» des World Resources Institute (WRI), des NewClimate Institute sowie Climate Analytics und des Bezos Earth Fund fest. An Tempo fehlt es demnach etwa in den Sektoren Energie, Industrie, Transport sowie dem Umbau der Land- und Forstwirtschaft. Von 42 untersuchten Indikatoren sei nur der Verkauf von Elektroautos auf dem richtigen Weg, um die errechneten Etappenziele fĂŒr 2030 zu erreichen. Hier einige Beispiele:
- Der Anteil von Solar- und Windenergie ist in den vergangenen Jahren jÀhrlich im Schnitt um 14 Prozent gestiegen. Nötig wÀren aber 24 Prozent, um bis 2030 auf 1,5-Grad-Kurs zu kommen.
- Beim Kohleausstieg mĂŒsste sich das Tempo der Studie zufolge versiebenfachen. Umgerechnet bedeutet das, dass jĂ€hrlich bis 2030 etwa 240 Kohlekraftwerke stillgelegt werden mĂŒssten.
- Waldzerstörung: Von 2021 bis 2022 habe sich die entwaldete FlĂ€che von 5,4 auf 5,8 Millionen Hektar vergröĂert, was in etwa der FlĂ€che Kroatiens entspreche.
- KlimaschĂ€dliche Subventionen: Trotz gegenteiliger Versprechen schossen die staatlichen Subventionen fĂŒr Ăl, Gas und Kohle von 2020 auf 2021 um nahezu das Doppelte nach oben - auch wegen der Energiekrise im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.
Claire Fyson von Climate Analytics sagte, es sei absurd, angesichts der eskalierenden Klimakrise weiter in groĂem Stil in Gas- und Kohlekraft zu investieren. Auf der UN-Klimakonferenz in Dubai im Dezember mĂŒssten alle Regierungen weltweit einen fairen und schnellen Ausstieg aus Ăl, Gas und Kohle vereinbaren.
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