Biden, Israel

Biden in Israel - Raketeneinschlag ĂŒberschattet Besuch

18.10.2023 - 17:13:02

Eigentlich wollte Joe Biden im Nahen Osten mit den wichtigsten Akteuren zusammenkommen, um eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern. Ein schwere Explosion in Gaza wirbelt seine PlÀne durcheinander.

  • MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu (l) empfĂ€ngt US-PrĂ€sident Joe Biden auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

    Evan Vucci/AP/dpa

  • MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu (l) empfĂ€ngt US-PrĂ€sident Joe Biden auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

    Evan Vucci/AP/dpa

  • Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu (r) im GesprĂ€ch mit US-PrĂ€sident Joe Biden. - Foto: Evan Vucci/AP

    Evan Vucci/AP

  • US-PrĂ€sident Joe Biden trift den israelischen StaatsprĂ€sidenten Izchak Herzog (r). - Foto: Amos Ben-Gershom/GPO/dpa

    Amos Ben-Gershom/GPO/dpa

MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (l) empfÀngt US-PrÀsident Joe Biden auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion. - Foto: Evan Vucci/AP/dpaMinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (l) empfÀngt US-PrÀsident Joe Biden auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion. - Foto: Evan Vucci/AP/dpaIsraels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu (r) im GesprÀch mit US-PrÀsident Joe Biden. - Foto: Evan Vucci/APUS-PrÀsident Joe Biden trift den israelischen StaatsprÀsidenten Izchak Herzog (r). - Foto: Amos Ben-Gershom/GPO/dpa

Ein verheerender Raketeneinschlag bei einer Klinik im Gazastreifen mit mutmaßlich Hunderten Toten hat den Besuch von US-PrĂ€sident Joe Biden ĂŒberschattet. Nach der Gewalteskalation im Nahen Osten stellte sich dieser demonstrativ hinter Israel.

«Ihr seid nicht allein», sagte Biden zu Beginn einer gemeinsamen Sitzung mit MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu und dem israelischen Kriegskabinett. Zuvor hatte er deutlich gemacht, dass er davon ausgehe, dass die Explosion bei dem Krankenhaus im Gazastreifen offenbar «vom anderen Team» verursacht worden sei.

Treffen mit Abbas abgesagt

Die Gesundheitsbehörde in Gaza weist der israelischen Armee die Schuld fĂŒr das UnglĂŒck vom Dienstagabend zu. Israels Armee sprach hingegen von einer fehlgeleiteten Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad, die auf einem Parkplatz vor dem Krankenhaus explodiert sei. UnabhĂ€ngig waren die Informationen nicht zu ĂŒberprĂŒfen.

Biden sagte, er sei zutiefst empört und traurig ĂŒber den Vorfall. «Nach dem, was ich gesehen habe, sieht es so aus, als ob es vom anderen Team gemacht wurde, nicht von Ihnen.» Aber es gebe «eine Menge Leute da draußen», die sich nicht sicher seien.

Der Vorfall verschĂ€rft die Spannungen in der Region dramatisch, befeuert Sorgen vor einer Eskalation und Ausweitung des Konflikts - und stĂŒrzte auch Bidens ReiseplĂ€ne ins Chaos. UrsprĂŒnglich hatte Biden von Israel nach Jordanien weiterfliegen wollen, um dort den palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und den jordanischen König Abdullah II. zu treffen. Nach dem Raketeneinschlag in dem Krankenhaus in Gaza hatte Jordanien das Treffen jedoch kurzfristig abgesagt.

USA «heute, morgen und immer» an Israels Seite

Biden versicherte Israel fortdauernde UnterstĂŒtzung. Die USA wĂŒrden «Israel weiterhin den RĂŒcken stĂ€rken, wenn es darum geht, sein Volk zu verteidigen», sagte er. «Vor 75 Jahren erklĂ€rten Ihre GrĂŒnder, dass diese Nation ein auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden basierendes Land sein wĂŒrde», so der US-PrĂ€sident. «Die Vereinigten Staaten stehen an Ihrer Seite, wenn es darum geht, diese Freiheit zu verteidigen, fĂŒr Gerechtigkeit zu sorgen und den Frieden zu unterstĂŒtzen. Heute, morgen und immer.»

Die USA verstehen sich als Schutzmacht Israels. Jedes Jahr unterstĂŒtzen sie das Land mit Milliarden, von denen ein beachtlicher Teil in die Abwehr von Raketen und MilitĂ€rtechnik geht. Das Raketenabwehrsystem «Iron Dome», das seit 2011 eingesetzt wird, haben die USA mitentwickelt. Es zerstört unter anderem Kurzstreckenraketen in der Luft. Aus dem Weißen Haus hieß es, Biden wolle bei dem Treffen mit dem israelischen Kriegskabinett auch darĂŒber sprechen, welche weitere UnterstĂŒtzung Israel konkret brauche.

Netanjahu verspricht Schutz von Zivilisten

Die USA wollen eine weitere Eskalation des Konflikts in der Region unbedingt vermeiden. Zur Abschreckung haben sie mehrere Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer verlegt. Auch Luftwaffengeschwader der Air Force mit ihren Kampfjets wurden in die Region geschickt. Das Verteidigungsministerium hat angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten 2000 US-Soldaten in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. Dies ermögliche es, schnell auf das sich verÀndernde Sicherheitsumfeld zu reagieren, teilte das Pentagon mit.

Biden sagte auch, Washington werde mit Israel und den Partnern in der Region zusammenarbeiten, um weitere Tragödien fĂŒr unschuldige Zivilisten zu verhindern. Denn neben einer Botschaft der SolidaritĂ€t ging es dem US-PrĂ€sidenten bei seinem Kurzbesuch auch darum, auf den Schutz der Zivilbevölkerung in Gaza zu drĂ€ngen. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, hatte vor der Reise gesagt, Biden wolle «sehr, sehr deutlich» die Forderung der USA bekrĂ€ftigen, dass humanitĂ€re Hilfe in das Gebiet kommen mĂŒsse, «und zwar nicht nur einmalig, sondern dauerhaft».

Netanjahu sagte bei dem Treffen mit Biden, dass Israel im weiteren Verlauf des Krieges alles tun werde, um Zivilisten aus der Gefahrenzone herauszuhalten. «Wir haben sie gebeten und werden sie auch weiterhin bitten, sich in sicherere Gebiete zu begeben.»

Befreiung von Geiseln fĂŒr Biden auch innenpolitisch wichtig

Zum Abschluss seines Kurzbesuchs kam Biden auch mit israelischen RettungskrĂ€ften und Familien zusammen, die bei dem Großangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober Angehörige verloren haben oder deren Familienmitglieder von der Hamas verschleppt wurden. Unter ihnen sind nach US-Angaben auch Amerikaner.

Ihre Befreiung wird mit jeder Eskalation schwieriger - und hat fĂŒr Biden, der sich als PrĂ€sidentschaftsbewerber auch im Wahlkampf fĂŒr die Wahl 2024 befindet, PrioritĂ€t - von vielen wird er daran gemessen, wie gut er fĂŒr den Schutz seiner Landsleute sorgen kann. In Tel Aviv versprach Biden erneut, alles dafĂŒr zu tun, um sie nach Hause zu bringen.

Biden ist ein Verfechter persönlicher GesprĂ€che anstelle von Telefonaten und Video-Schalten. Umso wichtiger wĂ€ren die GesprĂ€che mit Abbas, al-Sisi und König Abdullah II. in Jordanien gewesen. Auf die Frage, warum Biden angesichts des Vorfalles in dem Krankenhaus nicht den gesamten Trip verschoben habe, sagte ein US-Regierungsvertreter: Auch wenn das Treffen in Jordanien nicht stattfinde, negiere das nicht die BeweggrĂŒnde fĂŒr die Reise nach Israel.

@ dpa.de