Biden sagt Israel SolidaritĂ€t und volle UnterstĂŒtzung zu
18.10.2023 - 17:45:56US-PrĂ€sident Joe Biden hat Israel angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten die SolidaritĂ€t und volle UnterstĂŒtzung seines Landes zugesichert. «Israel muss wieder ein sicherer Ort fĂŒr das jĂŒdische Volk sein. Und ich verspreche Ihnen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um dies sicherzustellen», sagte Biden bei einem Besuch in Tel Aviv. Dort kam er mit MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu und dem israelischen Kriegskabinett zusammen.
Seine Reise war von einem verheerenden Raketeneinschlag bei einer Klinik im Gazastreifen am Vorabend ĂŒberschattet worden. Biden sagte in Tel Aviv, dass die ihm vorliegenden Informationen darauf hindeuteten, dass die Explosion Ergebnis «eines irrtĂŒmlichen Raketenbeschusses durch eine Terrorgruppe in Gaza» gewesen sei.
Vom Nationalen Sicherheitsrat der US-Regierung hieĂ es, dass Israel nach derzeitiger EinschĂ€tzung, die auf der Analyse von Luftbildern, abgefangenen und anderen Daten beruhe, fĂŒr die Explosion «nicht verantwortlich» sei.
Weiterreise nach Jordanien abgesagt
Die Gesundheitsbehörde in Gaza weist der israelischen Armee die Schuld fĂŒr das UnglĂŒck vom Dienstagabend zu. Israels Armee sprach hingegen von einer fehlgeleiteten Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad, die auf einem Parkplatz vor dem Krankenhaus explodiert sei. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen lies sich das nicht.
Klar ist: Der Vorfall verschĂ€rft die Spannungen in der Region dramatisch, befeuert Sorgen vor einer Eskalation und Ausweitung des Konflikts - und stĂŒrzte auch Bidens ReiseplĂ€ne ins Chaos. UrsprĂŒnglich hatte Biden von Israel nach Jordanien weiterfliegen wollen, um dort den palĂ€stinensischen PrĂ€sidenten Mahmud Abbas, Ăgyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und den jordanischen König Abdullah II. zu treffen. Nach dem Raketeneinschlag in dem Krankenhaus in Gaza hatte Jordanien das Treffen jedoch kurzfristig abgesagt
USA «heute, morgen und immer» an Israels Seite
Biden versicherte Israel fortdauernde UnterstĂŒtzung. Die USA wĂŒrden Israel weiterhin den RĂŒcken stĂ€rken, wenn es darum gehe, sein Volk zu verteidigen, sagte er. «Vor 75 Jahren erklĂ€rten Ihre GrĂŒnder, dass diese Nation ein auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden basierendes Land sein wĂŒrde», so der US-PrĂ€sident. «Die Vereinigten Staaten stehen an Ihrer Seite, wenn es darum geht, diese Freiheit zu verteidigen, fĂŒr Gerechtigkeit zu sorgen und den Frieden zu unterstĂŒtzen. Heute, morgen und immer.»
Biden kĂŒndigte an, noch im Laufe dieser Woche beim US-Kongress Mittel fĂŒr «ein noch nie da gewesenes UnterstĂŒtzungspaket» zu beantragen.
Die USA verstehen sich als Schutzmacht Israels. Jedes Jahr unterstĂŒtzen sie das Land mit Milliarden, von denen ein beachtlicher Teil in die Abwehr von Raketen und MilitĂ€rtechnik geht. Das Raketenabwehrsystem «Iron Dome», das seit 2011 eingesetzt wird, haben die USA mitentwickelt. Es zerstört unter anderem Kurzstreckenraketen in der Luft. Aus dem WeiĂen Haus hieĂ es, Biden wolle bei dem Treffen mit dem israelischen Kriegskabinett auch darĂŒber sprechen, welche weitere UnterstĂŒtzung Israel konkret brauche.
Netanjahu verspricht Schutz von Zivilisten
Die USA wollen eine weitere Eskalation des Konflikts in der Region unbedingt vermeiden. Zur Abschreckung haben sie mehrere Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer verlegt. Auch Luftwaffengeschwader der Air Force mit ihren Kampfjets wurden in die Region geschickt. Das Verteidigungsministerium hat angesichts der Gewalteskalation im Nahen Osten 2000 US-Soldaten in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. Dies ermögliche es, schnell auf das sich verÀndernde Sicherheitsumfeld zu reagieren, teilte das Pentagon mit.
Biden wiederholte seine dringende Warnung: «Meine Botschaft an jeden Staat oder jeden anderen feindlichen Akteur, der Israel anzugreifen gedenkt, bleibt dieselbe wie vor einer Woche: Tut es nicht.»
Biden sagte auch, Washington werde mit Israel und den Partnern in der Region zusammenarbeiten, um weitere Tragödien fĂŒr unschuldige Zivilisten zu verhindern. Denn neben einer Botschaft der SolidaritĂ€t ging es dem US-PrĂ€sidenten bei seinem Kurzbesuch auch darum, auf den Schutz der Zivilbevölkerung in Gaza zu drĂ€ngen - ein Balanceakt. Er erinnerte daran, dass die «groĂe Mehrheit der PalĂ€stinenser nicht die Hamas» seien - und kĂŒndigte humanitĂ€re Hilfe in Höhe von 100 Millionen US-Dollar fĂŒr den Gazastreifen und das Westjordanland an.
Netanjahu sagte bei dem Treffen mit Biden, dass Israel im weiteren Verlauf des Krieges alles tun werde, um Zivilisten aus der Gefahrenzone herauszuhalten. «Wir haben sie gebeten und werden sie auch weiterhin bitten, sich in sicherere Gebiete zu begeben.»
Befreiung von Geiseln fĂŒr Biden auch innenpolitisch wichtig
In Tel Aviv kam Biden auch mit israelischen RettungskrĂ€ften und Familien zusammen, die bei dem GroĂangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober Angehörige verloren haben oder deren Familienmitglieder von der Hamas verschleppt wurden. Unter ihnen sind nach US-Angaben auch Amerikaner. Ihre Befreiung wird mit jeder Eskalation schwieriger - und hat fĂŒr Biden, der sich als PrĂ€sidentschaftsbewerber auch im Wahlkampf fĂŒr die Wahl 2024 befindet, PrioritĂ€t - von vielen wird er daran gemessen, wie gut er fĂŒr den Schutz seiner Landsleute sorgen kann.
«FĂŒr mich als amerikanischer PrĂ€sident gibt es keine höhere PrioritĂ€t, als die sichere RĂŒckkehr all dieser Geiseln zu ermöglichen», versprach er.
Biden ist ein Verfechter persönlicher GesprĂ€che anstelle von Telefonaten und Video-Schalten. Umso wichtiger wĂ€ren die GesprĂ€che mit Abbas, al-Sisi und König Abdullah II. in Jordanien gewesen. Auf die Frage, warum Biden angesichts des Vorfalles in dem Krankenhaus nicht den gesamten Trip verschoben habe, sagte ein US-Regierungsvertreter: Auch wenn das Treffen in Jordanien nicht stattfinde, negiere das nicht die BeweggrĂŒnde fĂŒr die Reise nach Israel.







