Javier Milei: Justiz stellt Verfahren um $LIBRA ein
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSErmittlungen gegen PrÀsidenten und Schwester beendet
- Bundesrichter Marcelo MartĂnez de Giorgi stellte das Verfahren gegen Javier Milei wegen des $LIBRA-Vorwurfs ein.
- Die beanstandeten VorgÀnge ordnete der Richter keinem Straftatbestand zu.
- Auch gegen Karina Milei und weitere Personen wurden die Ermittlungen eingestellt.
Argentinische Justiz beendet Verfahren gegen Milei
Die argentinische Justiz hat das Verfahren gegen PrĂ€sident Javier Milei wegen seiner mutmaĂlichen Verwicklung in den KryptowĂ€hrungsskandal um $LIBRA eingestellt. Bundesrichter Marcelo MartĂnez de Giorgi begrĂŒndete die Entscheidung damit, dass die angezeigten VorfĂ€lle unter keinen Straftatbestand fielen.
Token verlor binnen Stunden stark an Wert
Milei hatte im Vorjahr auf der Plattform X fĂŒr die KryptowĂ€hrung $LIBRA geworben und geschrieben: «Die Welt will in Argentinien investieren. $LIBRA». Wenige Stunden spĂ€ter löschte er den Beitrag; der Wert des Tokens brach ein, Anleger verloren SchĂ€tzungen zufolge mehr als 200 Millionen US-Dollar.
SpĂ€ter erklĂ€rte der PrĂ€sident: «Ich kannte die Details des Projekts nicht, und nachdem ich davon erfahren hatte, habe ich beschlossen, es nicht weiter zu bewerben.» Kritiker warfen ihm vor, mit seinem Beitrag einen als âRug Pullâ bekannten Kryptobetrug begĂŒnstigt zu haben.
Keine Grundlage fĂŒr Anklage gesehen
Der Richter sah keine ausreichenden Anhaltspunkte fĂŒr eine strafrechtliche Anklage wegen Betrugs, Amtsmissbrauchs oder anderer Handlungen, die mit dem öffentlichen Amt unvereinbar seien. Diese EinschĂ€tzung hatte zuvor bereits die Staatsanwaltschaft vertreten.
Ermittelt wurde auch gegen Karina Milei, die Schwester des PrÀsidenten und GeneralsekretÀrin des PrÀsidialamtes, sowie gegen weitere Personen. Teile der Opposition hatten wegen des Falls ein Amtsenthebungsverfahren gefordert.
Milei und Opposition reagieren gegensÀtzlich
Milei bezeichnete die Entscheidung als Beleg fĂŒr eine «enorme politische und mediale Operation», die sein Amt aus politischen und «putschistischen GrĂŒnden» habe beschĂ€digen sollen. Auf X fragte er, wer ihn fĂŒr «ein Jahr, acht Monate und neun Tage voller LĂŒgen, Verleumdungen und Beleidigungen» entschĂ€dige.
Die linksperonistische Nachwuchsorganisation La CĂĄmpora kritisierte dagegen, in Argentinien gebe es keine Gerechtigkeit. Die Justiz werde von einer Mafia beherrscht, die im Dienst der Macht stehe. Die Organisation steht der frĂŒheren Staatschefin Cristina FernĂĄndez de Kirchner nahe, die sich wegen einer Korruptionsverurteilung im Hausarrest befindet.
Die Einstellung beendet den strafrechtlichen Vorwurf gegen Javier Milei in diesem Verfahren, nimmt dem Vorgang aber nicht seine politische Bedeutung. Im Zentrum steht der kurze Werbeimpuls fĂŒr den Token $LIBRA, dessen Kurs anschlieĂend stark einbrach und der damit verbundene Vorwurf, ein PrĂ€sident habe seine öffentliche Reichweite fĂŒr ein hochriskantes Finanzprodukt eingesetzt.
Der Fall berĂŒhrt zwei Ebenen: die strafrechtliche Bewertung konkreter Handlungen und die politische Verantwortung eines Staatschefs. Dass der zustĂ€ndige Richter keinen Straftatbestand erfĂŒllt sieht und auch die Staatsanwaltschaft zuvor keine ausreichenden Anhaltspunkte fĂŒr eine Anklage erkannt hatte, bedeutet nicht automatisch, dass alle politischen oder ethischen Fragen beantwortet sind. FĂŒr Anleger bleibt entscheidend, dass die Justizeinstellung keinen finanziellen Ausgleich fĂŒr Verluste begrĂŒndet.
Politische Folgen bleiben möglich
Die Auseinandersetzung dĂŒrfte deshalb ĂŒber die Gerichtsentscheidung hinausreichen. Milei kann die Einstellung als Entlastung und BestĂ€tigung seiner Darstellung nutzen; die Opposition wird sie voraussichtlich als Beleg fĂŒr Zweifel an der UnabhĂ€ngigkeit der Justiz kritisieren. Der Konflikt zeigt zudem, wie eng politische Kommunikation, soziale Netzwerke und spekulative KryptomĂ€rkte inzwischen verbunden sind.
FĂŒr die argentinische Politik liegt die konkrete Folge zunĂ€chst in der Entlastung des PrĂ€sidenten von diesem Strafverfahren. Zugleich bleibt der Vorgang ein PrĂŒfstein fĂŒr den Umgang mit Interessenkonflikten, Transparenz und der Verantwortung öffentlicher AmtstrĂ€ger bei persönlichen Empfehlungen im Internet.
