Gaza-GesprÀche, Treffen

Gaza-GesprÀche vertagt - weiteres Treffen in Kairo geplant

16.08.2024 - 17:47:17

Ein Durchbruch bleibt aus, doch Ägypten, Katar und die USA berichten von einer positiven AtmosphĂ€re bei den GesprĂ€chen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg. Ein weiteres Spitzentreffen ist geplant.

Es ist weder ein Erfolg, noch ein Scheitern: Die Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg sollen kommende Woche fortgesetzt worden. Einen Durchbruch erzielten die Vermittler Ägypten, Katar und USA mit Israel und der Hamas nicht, laut gemeinsamer Mitteilung waren die zweitĂ€gigen GesprĂ€che in der katarischen Hauptstadt Doha aber ernsthaft und konstruktiv bei «positiver AtmosphĂ€re». Ein weiteres Spitzentreffen soll es vor Ende kommender Woche in Kairo geben. Bis dahin sollen UnterhĂ€ndler weiterverhandeln, um die noch «verbleibenden LĂŒcken» zu schließen. 

An den GesprĂ€chen in Doha waren Spitzenvertreter der USA, Katars und Ägyptens beteiligt sowie der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes, David Barnea. Die Hamas nahm nicht teil. Wie in vorigen Runden verhandelte sie nicht direkt mit Israel oder den USA. In Doha befindet sich aber das politische BĂŒro der Hamas und damit deren wichtigste Vertretung im Ausland, wo Ă€gyptische und katarische Vermittler direkten Zugang haben. Die Verhandlungen kommen seit Monaten nicht voran.

Gemischte Reaktionen

US-PrĂ€sident Joe Biden gab sich nun aber optimistisch. «Wir sind nĂ€her dran als je zuvor», sagte er am Rande einer Veranstaltung im Weißen Haus gegenĂŒber Journalisten. «Wir sind viel, viel nĂ€her dran als noch vor drei Tagen.» Er wolle das GlĂŒck nicht herausfordern, erlĂ€uterte Biden einschrĂ€nkend. «Wir haben vielleicht etwas, aber wir sind noch nicht am Ziel.» US-Außenminister Antony Blinken reist am Wochenende nach Israel, um «die intensiven diplomatischen BemĂŒhungen» vor Ort weiterzufĂŒhren, teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. Ziel sei, das Abkommen zu einem Abschluss zu bringen.

Israelischen Berichten zufolge wird Blinken dort MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu treffen. Dieser dankte unterdessen den VermittlerlĂ€ndern Ägypten, Katar und USA. Israel hoffe, dass ihr Druck die Hamas dazu bewegen werde, die VorschlĂ€ge von Ende Mai anzunehmen, sodass die Details der Vereinbarung umgesetzt werden könnten.

Ein Vertreter der Hamas zeigte sich zurĂŒckhaltend. Die FĂŒhrung der Hamas habe die Ergebnisse der Verhandlungen erhalten, und sie basierten nicht auf allen VorschlĂ€gen von US-PrĂ€sident Joe Biden, die der Gruppe am 2. Juli ĂŒbermittelt worden seien, sagte der ranghohe Hamas-FunktionĂ€r Mahmud Mardaui der Deutschen Presse-Agentur. 

Bericht: Iran sieht vorerst von Vergeltung ab

Nach Auffassung von Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty könnte eine Waffenruhe eine weitere Eskalation in der Region verhindern. Der Iran und die Hisbollah-Miliz im Libanon hatten nach der Tötung des Hamas-Auslandschefs Ismail Hanija in der iranischen Hauptstadt Teheran sowie eines Hisbollah-MilitĂ€rkommandeurs vor gut zwei Wochen Rache geschworen. Seither wurde mit einem Angriff gerechnet. Beide sind mit der Hamas verbĂŒndet und könnten im Fall einer Waffenruhe in Gaza von einer grĂ¶ĂŸeren, womöglich koordinierten Attacke gegen Israel absehen.

Wie die «New York Times» berichtete, wird erwartet, dass der Iran vorerst von einem Vergeltungsschlag absieht. Dies solle den Verhandlern Raum geben, um eine Gaza-Waffenruhe auszuloten. Die «New York Times» berief sich dabei auf Vertreter aus den USA, Iran und Israel. Unter Berufung auf fĂŒnf Vertreter Israels hieß es weiter, der israelische Geheimdienst sei zu der Beurteilung gekommen, dass die Hisbollah und der Iran die Bereitschaft ihrer Raketeneinheiten heruntergefahren hĂ€tten. Diese EinschĂ€tzung könne sich aber schnell wieder Ă€ndern.

Neuer Vorschlag soll «LĂŒcken verringern»

Die Erwartungen auf einen Durchbruch waren vor Beginn des Treffens in Doha gering, weil die Positionen Israels und der islamistischen Hamas weit auseinander liegen. Jetzt gebe es einen Vorschlag, der die noch bestehende «LĂŒcke verringern» soll, hieß es in der Vermittler-Mitteilung. Er entspreche auch den GrundsĂ€tzen des Friedensplans, den Biden vorgestellt hatte und dessen Details die Hamas nicht neu verhandeln will. «Technische Teams» sollen in den nĂ€chsten Tagen daran arbeiten, wie die aktuellen VorschlĂ€ge umgesetzt werden können.

Biden hatte im Mai einen Vorschlag zur Beendigung des Gaza-Kriegs in drei Phasen vorgestellt. In einer ersten Phase wĂŒrde demnach wĂ€hrend einer Waffenruhe von sechs Wochen eine bestimmte Gruppe von Geiseln freigelassen. Im Gegenzug wĂŒrden PalĂ€stinenser freikommen, die in Israel inhaftiert sind. In zwei weiteren Phasen sollen die KĂ€mpfe dauerhaft eingestellt und die verbliebenen Geiseln freigelassen werden sowie der Wiederaufbau des in weiten Teilen zerstörten Gazastreifens beginnen.

Die islamistische Hamas und andere Gruppen aus dem Gazastreifen hatten am 7. Oktober vergangenen Jahres den SĂŒden Israels ĂŒberfallen, mehr als 1.200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln verschleppt. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive in Gaza. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden dabei fast 40.000 Menschen getötet. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern und lĂ€sst sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Die Zahl der Toten entspricht knapp zwei Prozent der 2,2 Millionen Menschen, die vor Kriegsbeginn in Gaza lebten.

Es werden noch 115 Menschen in der Gewalt der Hamas vermutet. Viele davon dĂŒrften bereits tot sein. In Israel protestieren immer wieder Tausende fĂŒr ein Abkommen, um die Freilassung der Geiseln zu erreichen. Viele Demonstranten werfen Netanjahu vor, einen Deal zu sabotieren und sich den Forderungen seiner ultrareligiösen und rechtsextremen Koalitionspartner, auf die Netanjahu fĂŒr sein politisches Überleben angewiesen ist, zu beugen. Diese sind gegen ZugestĂ€ndnisse an die Hamas.

 

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