Londoner Polizei fasst ausgebrochenen TerrorverdÀchtigen
09.09.2023 - 13:02:55Nach tagelanger Fahndung hat die britische Polizei einen aus einem Londoner GefÀngnis ausgebrochenen TerrorverdÀchtigen festgenommen. Beamte konnten den 21-JÀhrigen demnach um kurz vor 11 Uhr (Ortszeit) im Londoner Stadtteil Chiswick ergreifen, wie die Metropolitan Police mitteilte. Er war demnach auf einem Fahrrad an einem Kanal unterwegs, als er von Zivilbeamten gefasst wurde.
Mit der Festnahme endet eine mehrtĂ€gige, groĂangelegte Fahndung, an der 150 Beamten beteiligt waren und in deren Verlauf an HĂ€fen und FlughĂ€fen die Sicherheitschecks erheblich verschĂ€rft worden waren. Der Mann war am Mittwochmorgen aus dem GefĂ€ngnis Wandsworth im SĂŒdwesten Londons ausgebrochen, indem er sich an die Unterseite eines Lastwagens klammerte.
«Enorme Zahl an Hinweisen»
Der Fall hatte fĂŒr groĂes Aufsehen gesorgt und ein Schlaglicht auf das marode Justizvollzugssystem in GroĂbritannien gelenkt. Viele GefĂ€ngnisse gelten als ĂŒberfĂŒllt und veraltet. Ein Teil der GebĂ€ude stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Hinzu kommen Personalmangel, ein hoher Krankenstand und eine starke Fluktuation.
Premierminister Rishi Sunak zeigte sich zufrieden mit dem Fahndungserfolg. Er danke der Polizei und der Ăffentlichkeit, die mit einer «enormen Zahl an Hinweisen» geholfen habe, sagte der konservative Politiker am Rande des G20-Gipfels in Indien.
FĂŒr den britischen Premier kommt die Debatte ĂŒber den unterfinanzierten Justizvollzug zu einem ungĂŒnstigen Zeitpunkt. Schon seit Tagen ist die Regierung in London wegen bröckelnden SchulgebĂ€uden in der Kritik. Mehr als 100 Schulen in England mussten zu Beginn des Schuljahres ganz oder teilweise geschlossen werden, weil darin vor Jahrzehnten Porenbeton verbaut wurde, der nun nachgibt. Das konservative Magazin «Spectator» ĂŒberschrieb seine jĂŒngste Ausgabe mit dem Titel «Broken Britain» (etwa: «Kaputtes GroĂbritannien»).
Regierung kĂŒndigt Untersuchungen an
Im Fall des entflohenen HĂ€ftlings hatte die Regierung eingehende Untersuchungen angekĂŒndigt. FĂŒr Verwunderung hatte gesorgt, wie es dem Mann gelungen war, zunĂ€chst unbemerkt zu entkommen und warum er nicht von vorneherein in einem GefĂ€ngnis mit höherer Sicherheitsstufe untergebracht war. Wandsworth, das oft nur als Durchgangsstation dient, hat nur die zweithöchste Stufe.
Ihm wird vorgeworfen, Bombenattrappen auf einer MilitĂ€rbasis platziert zu haben und Informationen gesammelt zu haben, die fĂŒr Terroristen oder feindliche Staaten nĂŒtzlich sein könnten. Er stritt die VorwĂŒrfe ab. Ein Gerichtsverfahren war fĂŒr November angesetzt.
Ăberbelegung in englischen GefĂ€ngnissen
Die ZustÀnde in englischen GefÀngnissen werden seit langem von Menschenrechtsorganisationen und auch der staatlichen Aufsichtsbehörde angeprangert. Laut der Webseite World Prison Brief sind die 118 Haftanstalten in England mit mehr als 87.000 Gefangenen zu 111 Prozent ihrer offiziellen KapazitÀt belegt. Zum Vergleich: In Deutschland betrÀgt die Belegungsrate 77,6 Prozent.
Im 1851 eröffneten GefÀngnis Wandsworth war schon der wegen seiner HomosexualitÀt verfolgte Schriftsteller Oscar Wilde eingesperrt. Zuletzt verbrachte auch der deutsche Ex-Tennis-Star Boris Becker einige Zeit in dem GefÀngnis.
Der GefĂ€ngnisbeauftragte der britischen Regierung, Charlie Taylor, forderte die SchlieĂung der Haftanstalt. Viele der HĂ€ftlinge teilten sich dort ein Zelle, die ursprĂŒnglich nur fĂŒr einen Gefangenen bestimmt gewesen sei. «Wenn man ein GefĂ€ngnis wie Wandsworth findet, muss es wirklich geschlossen werden», sagte der Chief Inspector of Prisons dem britischen Nachrichtensender Sky News. Das sei aber wegen der Ăberlastung der GefĂ€ngnisse derzeit nicht möglich.


