KardinÀle suchen weiter nach neuem Papst
08.05.2025 - 05:00:42Nach einem erfolglosen Wahlgang und einer ersten Nacht in Abschottung vom Rest der Welt suchen rund 130 KardinĂ€le im Konklave heute weiter nach einem neuen Papst. Seit dem frĂŒhen Mittwochabend sind die KardinĂ€le unter 80 Jahren, die mitwĂ€hlen dĂŒrfen, im Konklave. Damit sind sie unter sich - bis zur Wahl eines neuen Oberhaupts von 1,4 Milliarden Katholiken und Katholikinnen.Â
FĂŒr heute sind bis zu vier WahlgĂ€nge vorgesehen. Rauchsignale soll es am Vormittag oder gegen Mittag und gegen Abend geben - falls es so lange dauert.Â
Warten auf ein Rauchsignal
Was bei den WahlgĂ€ngen in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans passiert, erfĂ€hrt die Ăffentlichkeit nur durch Rauchsignale. Am Abend stieg erstmals schwarzer Rauch aus einem eigens installierten Schornstein auf dem Dach - das Signal fĂŒr einen Wahlgang ohne die erforderliche Mehrheit.Â
Nach Angaben des Vatikans verfolgten am Mittwochabend 45.000 Menschen auf dem Petersplatz - mit Blick auf das Dach der Sixtinischen Kapelle - gebannt, welche Farbe das erste Rauchzeichen aus dem Konklave haben wĂŒrde.Â
Erst gut drei Stunden nach SchlieĂung der TĂŒren der Kapelle kam das Signal. Bis dahin machten Wartende ihrer Ungeduld mit Klatschchören Luft. GelĂ€chter kam auf, als ein Flugzeug hinter dem Schornstein weiĂe Kondensstreifen in den Himmel zog.
Konklaven dauerten zuletzt zwei bis drei Tage
Viele rechnen damit, dass es noch diese Woche einen neuen Papst geben wird: Seit den 1960er Jahren waren alle Konklaven nach zwei oder drei Tagen vorbei. Allerdings hat der verstorbene Papst Franziskus so viele neue KardinÀle ernannt, auch aus entfernten LÀndern, dass sich viele WahlmÀnner noch nicht richtig kennen. Das Konklave ist so groà und so international besetzt wie noch nie.
Die wahlberechtigten KardinĂ€le aus aller Welt mĂŒssen jĂŒnger als 80 Jahre alt sein. FĂŒr die Wahl zum 267. Pontifex in zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich - also 89 Stimmen.Â
«Jeder hofft natĂŒrlich, dass es nicht so lange dauert»
Auch drei deutsche KardinĂ€le wĂ€hlen mit. Der ehemalige PrĂ€fekt der Vatikan-Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig MĂŒller, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe sich seinen Koffer fĂŒr «fĂŒnf, sechs Tage» packen lassen. «Man muss schon vorbereitet sein», so der 77-JĂ€hrige. «Aber jeder hofft natĂŒrlich, dass es nicht so lange dauert. Jeder will nach Hause.» Wahlberechtigt aus Deutschland sind auch die KardinĂ€le Reinhard Marx (71) aus MĂŒnchen und Rainer Maria Woelki (68) aus Köln.
Untergebracht sind die Kirchenoberen im GĂ€stehaus-Komplex des Vatikans, der Casa Santa Marta - auch dort abgeschottet von der AuĂenwelt. Handys, Smartphones und alle sonstigen digitalen GerĂ€te mĂŒssen sie abgeben. Im GĂ€stehaus verbringen sie auch die letzten Stunden bis zum feierlichen Einzug in die Sixtinische Kapelle - eines der schönsten Wahllokale der Welt. Unter den DeckengemĂ€lden von Michelangelo mussten sie zu Gott einen Eid schwören, dass sie Kontaktverbot und Geheimhaltung beachten.Â
Erster Auftritt auf einem Balkon
Wenn ein neuer Papst gewĂ€hlt ist, steigt der sprichwörtliche weiĂe Rauch ĂŒber der Sixtinischen Kapelle auf. Etwas spĂ€ter wird vom Balkon des Petersdoms verkĂŒndet: Habemus Papam (Wir haben einen Papst). Dann zeigt sich das neue Kirchenoberhaupt der Ăffentlichkeit, die auch seinen selbst gewĂ€hlten Papstnamen erfĂ€hrt.
Vor dem Konklave wurden die Listen mit möglichen Nachfolgern fĂŒr Franziskus zuletzt von Tag zu Tag lĂ€nger. Als AnwĂ€rter gelten neben Pietro Parolin zwei weitere Italiener: der Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi (69), sowie der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa (60). Im Kandidaten-Karussell sind auch der Philippiner Luis Antonio Tagle (67), der Franzose Jean-Marc-Aveline (66), der Portugiese JosĂ© Tolentino de Mendonça (59), der Ungar Peter Erdö (72), der Luxemburger Jean-Claude Hollerich (66) - und noch einige mehr.
Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist der Papst Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. GroĂe weltliche Macht hat er nicht.





