Trump, Prozesse

Wie Trump die Prozesse gegen ihn im Wahljahr sabotiert

01.03.2024 - 06:11:46

Ein Ex-PrÀsident, der in gleich vier Strafverfahren angeklagt ist - das gab es in der US-Geschichte noch nie. Nun könnte ein Trump-Prozess nach dem anderen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Donald Trump mitten im Wahlkampf - und gleichzeitig unentwegt im Gerichtssaal im Verteidigungsmodus. So hatten sich Gegner des Republikaners das Jahr 2024 vorgestellt. Doch der ehemalige US-PrĂ€sident, der mitten im Wahljahr in gleich vier Strafverfahren angeklagt ist, ist ein Meister der Verzögerung und Blockade. Bei mehreren Prozessen gegen ihn steht inzwischen auf der Kippe, wann und ob sie ĂŒberhaupt beginnen können. Mit juristischen WinkelzĂŒgen hat es der 77-JĂ€hrige geschafft, den Terminkalender der Gerichte komplett durcheinanderzuwirbeln. 

Sein grĂ¶ĂŸter Erfolg dĂŒrfte sein, dass der bedeutsame Wahlbetrugs-Prozess gegen ihn in Washington mittlerweile auf der Kippe steht. Denn zunĂ€chst wird nun erst einmal der Supreme Court entscheiden, ob Trump nicht möglicherweise immun gegen Strafverfolgung in dem Fall ist. FĂŒr Trump ein hochwillkommener Aufschub.

Auch im Strafverfahren rund um die Mitnahme geheimer Regierungsdokumente in Florida deutet sich eine Verzögerung des Prozessauftakts um mehrere Monate an. Und das Verfahren wegen versuchten Wahlbetrugs im Bundesstaat Georgia wackelt gleich als Ganzes. Zu beiden Verfahren waren fĂŒr Freitag Anhörungen angesetzt, die fĂŒr den weiteren Fortgang bedeutsam sein könnten. Zu dem Termin hinter verschlossenen TĂŒren in Florida erschien der Republikaner persönlich. 

Bisher haben die juristischen Probleme Trump, der bei der PrĂ€sidentenwahl im November erneut fĂŒr die Republikaner antreten will, nicht geschadet. Umfragen zufolge hat er trotz der Anklagen weiter die UnterstĂŒtzung seiner AnhĂ€nger. Trump beteuert in allen vier Strafverfahren seine Unschuld und stellt die Ermittlungen gegen ihn als politisch motivierte Hexenjagd dar - als Versuch des demokratischen Amtsinhabers Joe Biden, ihn kaltzustellen. Das verfĂ€ngt. Und selbst die Zivilverfahren, bei denen Trump zuletzt zu empfindlichen Schadenersatzzahlungen verurteilt wurde, weiß er fĂŒr sich auszuschlachten und nutzt sie zum Sammeln von Wahlkampfspenden.

Wie steht es um die vier Strafverfahren?

Trump ist in Washington im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug und dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 auf Bundesebene angeklagt. Es handelt sich um die schwerwiegendsten VorwĂŒrfe gegen den 77-JĂ€hrigen. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine jahrzehntelange Haftstrafe. Trump hatte bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen Biden verloren - seine Niederlage gestand er aber nie ein. Er und sein Umfeld versuchten damals auf diversen Wegen, das Wahlergebnis nachtrĂ€glich zu kippen. Der Prozessbeginn in dem Fall war ursprĂŒnglich fĂŒr den kommenden Montag geplant. Doch der Termin ist lĂ€ngst Geschichte - inzwischen ist vielmehr fraglich, ob es ĂŒberhaupt noch vor der PrĂ€sidentenwahl Anfang November losgehen kann. 

Denn Trump und seine AnwĂ€lte berufen sich auf seine ImmunitĂ€t im damaligen Amt als PrĂ€sident. Sie argumentieren, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Sowohl die zustĂ€ndige Richterin als auch ein Berufungsgericht sahen das anders und wiesen Trumps Antrag zurĂŒck. Der wandte sich an das Oberste Gericht der USA - mit einem ersten Erfolg. Der Supreme Court nahm die Berufung an und hat eine Anhörung fĂŒr Ende April angesetzt. Dann dĂŒrfte es mehrere Wochen dauern, bis ein Urteil fĂ€llt. Sollte das Gericht Trump recht geben, dĂŒrfte dies das Aus fĂŒr das Verfahren bedeuten. Und selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheidet, könnten noch mal mehrere Monate bis zum Prozessbeginn vergehen. Fraglich ist dann, ob ein Verfahren derart nah am Wahltermin zugelassen wĂŒrde.

Das Verfahren in Atlanta zu versuchtem Wahlbetrug

Auch im Bundesstaat Georgia muss sich Trump wegen seiner Einflussversuche bei der Wahl 2020 vor Gericht verantworten - gemeinsam mit mehreren Mitangeklagten. Anders als bei den Prozessen auf Bundesebene könnte sich Trump im Fall eines Schuldspruches nicht selbst begnadigen, sollte er noch einmal PrÀsident werden. Ihm droht eine lange Haftstrafe. Die zustÀndige StaatsanwÀltin Fani Willis hat einen Prozessbeginn im August vorgeschlagen, noch ist aber kein Termin festgesetzt. 

Momentan steht bei dem Verfahren nicht mehr Trump im Mittelpunkt, sondern StaatsanwĂ€ltin Willis selbst. Die AnwĂ€lte Trumps und weiterer Beschuldigter werfen ihr vor, von einer romantischen Beziehung zu einem anderen Staatsanwalt in dem Fall unrechtmĂ€ĂŸig finanziell profitiert zu haben. Der Vorwurf lautet unter anderem, der Staatsanwalt sei in seiner Position ĂŒberbezahlt worden und habe Willis zu gemeinsamen Luxusurlauben eingeladen. Bei einer stundenlangen Anhörung im Februar verteidigte sich Willis. Nicht nur fĂŒr sie steht viel auf dem Spiel. Der zustĂ€ndige Richter muss entscheiden, ob er sie von dem Fall abzieht. Damit könnte die ganze Anklage gegen Trump zusammenbrechen. 

Das Verfahren in Miami zur Dokumenten-AffÀre

Trump wird in diesem Verfahren auf Bundesebene beschuldigt, gesetzeswidrig höchst sensible Informationen aus seiner Amtszeit als PrĂ€sident in privaten RĂ€umen aufbewahrt zu haben. Laut Anklageschrift handelt es sich unter anderem um geheime Dokumente mit Informationen zu nuklearen FĂ€higkeiten der USA und militĂ€rischen NotfallplĂ€nen des Landes. Die Bundespolizei FBI hatte im August 2022 sein Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida durchsucht und dort diverse Verschlusssachen beschlagnahmt. Vorgeworfen wird ihm auch eine Verschwörung zur Behinderung der Ermittlungen: Unter anderem soll er versucht haben, mithilfe von Mitarbeitern Material aus Überwachungskameras verschwinden zu lassen.  

Der Prozess sollte eigentlich am 20. Mai starten. Doch die zustĂ€ndige Richterin deutete bereits vor Monaten eine mögliche Änderung des Zeitplans an. Kurz vor einer Anhörung zu genau dieser Frage am Freitag machten beide Seiten neue VorschlĂ€ge: Die Staatsanwaltschaft plĂ€dierte fĂŒr einen Start am 8. Juli, Trumps Verteidiger fĂŒr einen Termin frĂŒhestens am 12. August, möglichst aber erst nach der PrĂ€sidentenwahl. Trumps AnwĂ€lte versuchen auch in diesem Fall, das Verfahren noch abzuwenden. Unter anderem berufen sie sich wie auch im Wahlbetrugsverfahren in Washington auf dessen ImmunitĂ€t als PrĂ€sident. Sie argumentieren, die Aufbewahrung der Dokumente als persönliche Unterlagen sei eine Amtshandlung noch wĂ€hrend seiner PrĂ€sidentschaft gewesen. 

Das Verfahren in New York zum Schweigegeld

Der Fall in New York dreht sich um eine Angelegenheit, die etwas lĂ€nger zurĂŒckliegt: konkret um die Zahlung von Schweigegeld an eine Pornodarstellerin kurz vor Trumps Wahl zum PrĂ€sidenten. Die Staatsanwaltschaft legt Trump FĂ€lschung von GeschĂ€ftsunterlagen zur Last. Er habe damit schĂ€dliche Informationen und rechtswidrige AktivitĂ€ten vor und nach der PrĂ€sidentenwahl 2016 verbergen wollen, um seine Chancen auf einen Wahlsieg zu verbessern. 

Hintergrund ist, dass Trump kurz vor seiner Wahl 130.000 Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels hatte zahlen lassen. Sie hatte behauptet, sie habe Sex mit ihm gehabt. Trump bestreitet eine AffĂ€re, nicht aber, dass Geld geflossen ist. Schweigevereinbarungen zwischen zwei Parteien sind an sich nicht illegal. Trump wird aber vorgeworfen, er habe die Zahlungen unrechtmĂ€ĂŸig verbucht, auf illegale Weise zu verschleiern versucht und damit andere GesetzesverstĂ¶ĂŸe vertuschen wollen. Der Prozessauftakt ist fĂŒr den 25. MĂ€rz angesetzt. Es ist momentan das einzige Gerichtsverfahren gegen Trump, dem nichts im Wege steht - allerdings ist es auch jenes, das Trump politisch am wenigsten gefĂ€hrlich werden dĂŒrfte.

@ dpa.de