USA, UnfÀlle

US-Kampfjets fangen Kleinflugzeug nahe Washington ab

05.06.2023 - 07:27:34

Ein Kleinflugzeug nĂ€hert sich der US-Hauptstadt. Der Pilot reagiert nicht auf Ansprachen. Kampfjets des US-MilitĂ€rs fangen die Maschine schließlich ab. Kurze Zeit spĂ€ter kommt es zum Absturz.

Das auffĂ€llige Verhalten eines Kleinflugzeugs in der NĂ€he der Hauptstadt Washington hat die US-Luftwaffe auf den Plan gerufen und viele Menschen in der Region in Schrecken versetzt. Am Sonntag stiegen F-16-Kampfjets des US-MilitĂ€rs auf, um ein Kleinflugzeug vom Typ Cessna Citation abzufangen. Weil die Jets Überschallgeschwindigkeit erreichten, kam es zu einem lauten Knall, der in Washington und den angrenzenden Bundesstaaten Virginia und Maryland zu hören war. Das Kleinflugzeug stĂŒrzte kurze Zeit spĂ€ter in einer dĂŒnn besiedelten Gegend bei Montebello im Bundesstaat Virginia ab, sĂŒdlich von Washington. Nach dem Vorfall waren noch viele Fragen offen.

Nach Angaben des nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos Norad hatte das US-MilitĂ€r versucht, mit dem Piloten der Cessna Kontakt aufzunehmen. Dieser sei aber nicht ansprechbar gewesen. Schließlich sei es zum Absturz der Maschine gekommen. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle, dass das Kleinflugzeug nicht vom MilitĂ€r abgeschossen worden sei. Es sei ĂŒblich, dass die US-Luftfahrtaufsicht FAA die UnterstĂŒtzung des MilitĂ€rs anfordere, wenn bei einem Flugzeug gefĂ€hrliches oder unsicheres Flugverhalten festgestellt werde. Der Luftraum ĂŒber Washington und Umgebung unterliegt diversen BeschrĂ€nkungen.

Die Luftfahrtaufsicht teilte mit, das Kleinflugzeug sei in Elizabethton im sĂŒdlichen Bundesstaat Tennessee gestartet und hĂ€tte in Long Island in New York landen sollen. Der eigentliche Ankunftsort ist rund 500 Kilometer Luftlinie von der Absturzstelle entfernt. Nach CNN-Informationen befanden sich vier Menschen an Bord der Maschine. Warum der Pilot nicht ansprechbar war - womöglich wegen eines medizinischen Notfalls - ist Gegenstand der Ermittlungen. Mehrere US-Medien berichtete am spĂ€ten Sonntagabend (Ortszeit), dass an der Absturzstelle keine Überlebenden gefunden worden seien. Offizielle Angaben dazu gab es zunĂ€chst nicht.

CNN: Kleinflugzeug war in Florida registriert

Ein lauter Knall hatte am Sonntagnachmittag viele Menschen in der Region aufgeschreckt. Es war ein explosionsartiges GerĂ€usch zu hören. Die Behörde, die in der Stadt Annapolis unweit von Washington NotfĂ€lle koordiniert, informierte auf Twitter, dass es sich dabei um einen Überschallknall gehandelt habe. Ein solcher ist zu hören, wenn ein Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit fliegt. Nach Angaben des Luftverteidigungskommandos Norad war den Kampfjets offiziell die Erlaubnis erteilt worden, mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen. Auch seien Leuchtraketen zum Einsatz gekommen, «um die Aufmerksamkeit des Piloten abzulenken».

Das abgestĂŒrzte Kleinflugzeug sei bei einer Firma im Bundesstaat Florida registriert gewesen, berichtete CNN unter Berufung auf die Flugaufsicht. Die «Washington Post» zitierte aus einem GesprĂ€ch mit einem Mann, der sich auf Nachfrage am Telefon als Inhaber der Firma zu erkennen gegeben habe: Er machte der Zeitung zufolge deutlich, dass seine Familie mit dem Flugzeug unterwegs gewesen sein könnte - unter anderem seine Tochter und ein Enkelkind im Alter von zwei Jahren. Über den Absturz aber wisse er noch nichts.

Unter Berufung auf Flugdaten des Anbieters Flightradar 24 meldete die «Washington Post» auch, dass ein Flugzeug, bei dem es sich um die Absturzmaschine handeln könnte, den Zielort Long Island zwar erst ĂŒberflog, dann aber umkehrte. Ohne den Kurs zu Ă€ndern soll es in die entegegengesetzte Richtung geflogen sein, bis die Daten an der Absturzstelle enden.

@ dpa.de