Krankenhaus in Gaza getroffen - Sorge ĂŒber Eskalation
17.10.2023 - 22:57:43Durch einen Raketeneinschlag in einem Krankenhaus im Gazastreifen sollen Hunderte Menschen getötet und verletzt worden sein. Die von der islamistischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde machte die israelische Armee dafĂŒr verantwortlich. Die israelische Armee hingegen gab einer militanten PalĂ€stinenserorganisation im Gazastreifen die Schuld. Die genaue Zahl der Todesopfer war unklar. UnabhĂ€ngig waren diese Informationen nicht zu ĂŒberprĂŒfen.
Das der islamistischen Hamas unterstellte Gesundheitsministerium im Gazastreifen teilte mit, in der Klinik seien Tausende FlĂŒchtlinge aus dem Norden der KĂŒstenenklave untergebracht. Die Ereignisse lösten spontane Proteste in der arabischen Welt aus. Saudi-Arabien verurteilte das «abscheuliche Verbrechen» aufs SchĂ€rfste. Das Land machte Israel fĂŒr den Angriff verantwortlich, wie aus einer ErklĂ€rung des saudischen AuĂenministeriums hervorging. Riad verurteile die «anhaltenden Angriffe der israelischen Besatzung» auf Zivilisten.
Netanjahu: «Barbarische Terroristen» verantwortlich
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu wies die Verantwortung fĂŒr den Einschlag indes strikt zurĂŒck. «Die ganze Welt sollte es wissen: Es waren barbarische Terroristen in Gaza, die das Krankenhaus in Gaza angegriffen haben», so Netanjahu. Es sei nicht das israelische MilitĂ€r gewesen. «Diejenigen, die unsere Kinder brutal ermordet haben, ermorden auch ihre eigenen Kinder», teilte er weiter mit.
«Informationen aus verschiedenen Quellen, die uns vorliegen, deuten darauf hin, dass der Islamische Dschihad fĂŒr den fehlgeschlagenen Raketenabschuss verantwortlich ist, der das Krankenhaus in Gaza traf», teilte ein Sprecher des israelischen MilitĂ€rs in Tel Aviv mit. Eine Analyse habe ergeben, dass «Terroristen in Gaza zuvor eine Ladung Raketen abgefeuert» hĂ€tten, die zum Zeitpunkt des Einschlags in unmittelbarer NĂ€he des betroffenen Krankenhauses vorbeizogen.
Die israelische Armee verfĂŒge nicht ĂŒber alle Informationen zu dem Vorfall. «Es gibt viele Luftangriffe, viele misslungene Raketen und viele gefĂ€lschte Berichte der Hamas», sagte Armeesprecher Daniel Hagari laut israelischen Medien.
LĂ€nder beantragen Sitzung des Weltsicherheitsrats
Der Weltsicherheitsrat soll sich nach dem Willen mehrerer LĂ€nder mit dem Raketeneinschlag beschĂ€ftigten. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland beantragten eine Dringlichkeitssitzung des mĂ€chtigsten UN-Gremiums fĂŒr Mittwochvormittag New Yorker Zeit, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen erfuhr. Brasilien, das dem Gremium momentan vorsitzt, bestĂ€tigte das Treffen zunĂ€chst nicht. Es gebe Konsultationen, hieĂ es.
In Vorbereitung einer möglichen Bodenoffensive gegen die Hamas nach dem verheerenden Terrorangriff auf Israel hatte das MilitĂ€r die Bevölkerung im nördlichen Gazastreifen wiederholt aufgefordert, das Gebiet Richtung SĂŒden zu verlassen. Nach UN-Angaben sind bisher rund eine Million Menschen in den SĂŒden geflohen, die israelische Armee spricht von rund 600.000 Menschen.
Krisendiplomatie: Scholz und Biden in Israel
Die Diplomatie zur EindÀmmung des Konflikts lief auf Hochtouren. Als einer der ersten Regierungschefs nach den Attacken besuchte Kanzler Olaf Scholz am heutigen Dienstag Tel Aviv - noch vor US-PrÀsident Joe Biden, der am Mittwoch in Israel erwartet wird.
Scholz versicherte Israel die volle SolidaritĂ€t Deutschlands. ««Unsere aus dem Holocaust erwachsene Verantwortung macht es zu unserer Aufgabe, fĂŒr die Existenz und die Sicherheit des Staates Israel einzustehen», sagte der SPD-Politiker bei einem Treffen mit MinisterprĂ€sident Netanjahu in Tel Aviv. Dieser verglich die Morde der Hamas mit den Massakern der Nazis: «Die Hamas sind die neuen Nazis.» Der Besuch wurde zweimal von Raketenalarm unterbrochen. Der Kanzler musste jeweils fĂŒr mehrere Minuten in einen Schutzraum.
SpĂ€ter am Abend musste Scholz' Delegation vor dem Abflug von Tel Aviv nach Kairo wegen eines erneuten Raketenalarms schlagartig das Flugzeug verlassen. Scholz wurde mit einem Auto in ein GebĂ€ude gefahren, die anderen Passagiere wurden aufgefordert, sich auf dem Flugfeld auf den Boden zu legen. Es wurden zwei Flugabwehrraketen abgefeuert, die auf dem Flugfeld deutlich zu hören waren. Nach wenigen Minuten konnten die Passagiere wieder in das Flugzeug steigen, die Maschine konnte schlieĂlich starten.
Scholz bemĂŒht sich um Freilassung der Geiseln
Terroristen im Auftrag der Hamas hatten am Samstag vor einer Woche ein Massaker an israelischen Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival angerichtet. Es war das schlimmste Blutbad der israelischen Geschichte. Mehr als 1400 Menschen kamen dabei und bei weiterem BlutvergieĂen in den folgenden Tagen ums Leben. Militante PalĂ€stinenser verschleppten zudem mindestens 199 Menschen, darunter auch deutsche StaatsbĂŒrger. In Scholz' GesprĂ€chen in Israel ging es auch darum, wie die Geiseln befreit werden können - Ă€hnlich wie am Mittwoch bei der nĂ€chsten Station seiner Nahost-Reise in Ăgypten.
WĂ€hrend zehn Tage nach Beginn des Krieges weiter Raketen vom Gazastreifen auf Israel flogen, setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf Ziele in dem dicht besiedelten KĂŒstenstreifen fort. Nach UN-Angaben sind bisher rund eine Million Menschen in den SĂŒden geflohen, die israelische Armee spricht von rund 600 000 Menschen. In Vorbereitung weiterer militĂ€rischer Schritte gegen die Hamas hatte Israels MilitĂ€r die Bevölkerung im nördlichen Gazastreifen aufgefordert, das Gebiet Richtung SĂŒden zu verlassen.
Zahl der Toten steigt
Nach den Worten eines Armeesprechers erwÀgt Israel auch Alternativen zu einer allgemein erwarteten Bodenoffensive. Das Land bereite sich im Gazastreifen auf «die nÀchsten Stufen des Krieges» gegen die dort herrschende PalÀstinenserorganisation Hamas vor. «Alle sprechen von einer Bodenoffensive, aber es könnte etwas anderes sein.»
Die Zahl der Toten durch die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen bezifferte das palÀstinensische Gesundheitsministerium auf 3000. Die Zahlen vom spÀteren Raketeneinschlag im Krankenhaus waren darin noch nicht enthalten.
Israel: Wieder fĂŒhrendes Hamas-Mitglied getötet
Ein Armeesprecher erklĂ€rt, das israelische MilitĂ€r attackiere weiter die Infrastruktur der Hamas und suche nach den Verstecken ihrer FĂŒhrungsleute. So wurde bei einem Luftangriff der Chef des Schura-Rats der Hamas, Osama Mazini, getötet, wie das MilitĂ€r bekanntgab. Dieser sei fĂŒr die Gefangenen der Hamas verantwortlich gewesen und habe terroristische AktivitĂ€ten angeleitet.
TĂŒrkei als Vermittler bei Geisel-Verhandlungen
Die TĂŒrkei bemĂŒht sich weiter um die Freilassung der Geiseln. «Bislang haben wir aus verschiedenen LĂ€ndern insbesondere bezĂŒglich der Freilassung ihrer StaatsbĂŒrger Anfragen erhalten. Daraufhin haben wir insbesondere mit dem politischen FlĂŒgel der Hamas Verhandlungen begonnen», sagte der tĂŒrkische AuĂenminister Hakan Fidan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Beirut.
Derweil hat Israel seine StaatsbĂŒrger aus Angst vor VergeltungsschlĂ€gen zum Verlassen der TĂŒrkei aufgefordert. Die Alarmstufe fĂŒr das Land sei auf die höchste Warnstufe (hohe Bedrohung) erhöht worden, teilte der Nationale Sicherheitsrat mit.
Hamas veröffentlicht Video mit Geisel
Die Hamas veröffentlichte erstmals ein Video mit einer mutmaĂlichen Geisel. In einem am Montag verbreiteten Video sieht man, wie einer jungen Frau eine Wunde am Arm verbunden wird, anschlieĂend spricht sie direkt in die Kamera. «Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Schoham», sagt die Frau. Sie sei in Gaza und dort in einem Krankenhaus behandelt worden. Medienberichten zufolge soll es sich um eine Israelin handeln, die auch die französische Staatsangehörigkeit hat. Das israelische MilitĂ€r teilte mit, sie sei entfĂŒhrt worden. Die Armee stehe in Kontakt mit der Familie.
Auch UN-GeneralsekretÀr Guterres reist in Region
In die diplomatischen BemĂŒhungen schaltet sich auch UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres ein. In Kairo will sich der Portugiese laut UN-Angaben ab Donnerstag mit Staatschef Abdel Fattah al-Sisi treffen, um eine Ăffnung des geschlossenen GrenzĂŒbergangs Rafah von der Ă€gyptischen Sinai-Halbinsel in den Gazastreifen zu erwirken. Rafah gilt als einziger Weg, dringend benötigte Hilfe in den von Israel abgeriegelten KĂŒstenstreifen zu bringen.







