Iran: Vorgehen der Sittenpolizei löst Empörung aus
07.08.2024 - 10:33:13Ein Video in den sozialen Medien sorgt im Iran fĂŒr Wut und Empörung. Auf diesem ist zu sehen, wie die Sittenpolizei die minderjĂ€hrige Nafas H. auf offener StraĂe in der Hauptstadt Teheran Ă€uĂerst grob in ein Polizeiauto zerrt und abfĂŒhrt. Die 14-JĂ€hrige und ihre gleichaltrige Freundin, die auch festgenommen wurde, trugen kein Kopftuch.
In der Islamischen Republik ist das Kopftuch per Gesetz vorgeschrieben, das teils gewaltsame Vorgehen der Sittenpolizei gegen VerstöĂe jedoch ein umstrittenes Thema. «Wie lange braucht ihr noch um zu begreifen, dass diese Politik der islamischen Kleiderordnung gescheitert ist und nur zu noch mehr Unzufriedenheit in der Bevölkerung fĂŒhrt», schrieb Asar Mansuri, die Vorsitzende der Reformpartei Ettehad Mellat, auf der Plattform X mit Blick auf die FĂŒhrung des Landes.
In den sozialen Medien stellte das Video sogar die Nachrichten bezĂŒglich der Kriegsgefahr und Konfrontation mit dem Erzfeind Israel in den Schatten. Das islamische System solle sich schĂ€men, so mit einem Kind umzugehen, schrieben viele Nutzer. «FĂŒr einen Angriff auf Israel habt ihr keinen Mut, aber auf ein junges MĂ€dchen schon», war ein Kommentar auf X.
PrĂ€sident solle lieber MĂ€dchen im eigenen Land beschĂŒtzen
Auch der neue PrĂ€sident Massud Peseschkian wurde in die Pflicht genommen. Dieser hatte im Wahlkampf die Kontrollen der SittenwĂ€chter kritisiert und versprochen, diese umgehend zu stoppen. Anstatt «wegen eines Arabers» â gemeint ist der Hamas-Auslandschef Ismail Hanija, der vergangene Woche im Iran gezielt getötet wurde, wofĂŒr Teheran Vergeltung an Israel angekĂŒndigt hat â das Land in einen Krieg zu fĂŒhren, solle der PrĂ€sident die jungen MĂ€dchen im eigenen Land beschĂŒtzen, war vielfach zu lesen.
Der Vorfall ereignete sich bereits im vergangenen Monat. Das Video, das von Kameras der Verkehrspolizei aufgezeichnet wurde, ging jedoch erst in der Nacht zum Mittwoch viral. Die Mutter des MĂ€dchens will nun die Sittenpolizei verklagen. Ihre Tochter sei von den SittenwĂ€chterinnen verletzt worden und habe im Krankenhaus behandelt werden mĂŒssen. «Sie ist doch noch ein Kind, was soll diese BrutalitĂ€t», sagte die Mutter laut Nachrichtenportal Tejarat-News.
Seit der Frauenbewegung im September 2022 haben das islamische System und seine SittenwÀchter einen verschÀrften Kurs zur Kontrolle der islamischen Kleidungsregeln eingeschlagen. Frauen ohne Kopftuch werden zunÀchst verwarnt. Bei Nichtbeachtung der Warnungen werden sie festgenommen und auf die Polizeiwache gebracht.
Auslöser der Proteste war damals der Tod der jungen iranischen Kurdin Mahsa Amini. Weil unter ihrem Kopftuch ein paar HaarstrÀhnen zu sehen waren, wurde sie von der Sittenpolizei verhaftet. Sie starb in Polizeigewahrsam.
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