Luftangriff in Damaskus - Weiter KĂ€mpfe im Gazastreifen
20.01.2024 - 18:21:19Bei einem Luftangriff in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach iranischen Angaben mehrere Mitglieder der Revolutionsgarde (IRGC) getötet worden. Das meldete der staatliche Rundfunk. Die arabische Abteilung des Senders berichtete, dass zwei hochrangige Berater unter den Toten seien. Das Staatsfernsehen machte Israel fĂŒr die Attacke verantwortlich.
Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Mehr handelte es sich bei den Iranern um Offiziere des IRGC-Geheimdienstes. Ein Verantwortlicher, sein Stellvertreter und zwei weitere MÀnner sollen bei der Attacke ums Leben gekommen sein. Laut der Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der IRGC gilt, wurden mindestens acht Menschen getötet.
Die israelische Luftwaffe hat in der Vergangenheit immer wieder Ziele im benachbarten Syrien angegriffen, um zu verhindern, dass Israels Erzfeind Iran und mit ihm verbĂŒndete Milizen ihren militĂ€rischen Einfluss dort ausweiten.
Viele GrĂŒnde fĂŒr wachsende Sorge vor Eskalation
Seit Ausbruch des Gaza-Kriegs ist die Lage im Nahen Osten Ă€uĂerst angespannt. An der Grenze des Libanons und Israel nehmen sich die mit dem Iran verbĂŒndete Schiitenmiliz Hisbollah und die israelische Armee gegenseitig unter Beschuss - auch am Samstag. Im SĂŒdlibanon wurde ein Auto von einer Rakete getroffen, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen zu erfahren war. Zwei der Insassen seien getötet worden. Wem der Angriff galt, war zunĂ€chst unklar. Die israelische Armee wollte den Bericht nicht kommentieren.
Inmitten der Spannungen feuerten Irans RevolutionswĂ€chter vor wenigen Tagen erstmals seit Kriegsbeginn als Vergeltung fĂŒr TerroranschlĂ€ge und die Tötung eines Generals in Syrien auch Raketen vom eigenen Staatsgebiet auf den Irak, Syrien und Pakistan.
Ende Dezember war der iranische General Sejed-Rasi Mussawi, ein ranghohes Mitglied der iranischen RevolutionswĂ€chter (IRGC), in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus bei einem mutmaĂlich israelischen Luftangriff getötet worden.
US-MilitÀr: Erneuter Angriff auf Huthi-Miliz
US-StreitkrĂ€fte zerstörten eigenen Angaben zufolge erneut eine Antischiffsrakete der jemenitischen Huthi-Miliz. Diese sei fĂŒr den Abschuss auf den Golf von Aden vorbereitet gewesen, teilte das zustĂ€ndige Regionalkommando des US-MilitĂ€rs auf der Plattform X, vormals Twitter, mit. Der Einsatz habe am frĂŒhen Samstagmorgen (Ortszeit) stattgefunden.
Seit Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas greift die Huthi-Miliz immer wieder Frachter mit angeblich israelischer Verbindung im Roten Meer an. Als Reaktion darauf hatten die USA und GroĂbritannien in der Nacht zum 12. Januar mit der UnterstĂŒtzung VerbĂŒndeter einen umfassenden MilitĂ€rschlag gegen die Huthi ausgefĂŒhrt. Seitdem greift das US-MilitĂ€r weiterhin Huthi-Stellungen im Jemen an. Die militant-islamistische Gruppe attackiert im Gegenzug weiter Schiffe im Roten Meer.
Israels MilitÀr: RaketenwerkstÀtten in Gaza gefunden und zerstört
Im Gazastreifen hat das israelische MilitĂ€r nach eigenen Angaben eine gröĂere Zahl von WerkstĂ€tten fĂŒr den Bau von Raketen ausgeforscht und zerstört. Bei der Durchsuchung von Gebieten im Seitoun-Viertel der Stadt Gaza sei das MilitĂ€r auch auf Raketenabschussrampen, Sprengkörper, Maschinen und Chemikalien gestoĂen, teilten die StreitkrĂ€fte mit.
Das vorgefundene Material hĂ€tte ausgereicht, um 800 Raketen herzustellen, hieĂ es in der Mitteilung weiter. Die WerkstĂ€tten seien so angelegt gewesen, dass jede von ihnen nur Komponenten von Raketen erzeugte. Die Hamas habe die Raketenschmieden ĂŒber das Gebiet verteilt, um ihre Ausforschung und BekĂ€mpfung zu erschweren.
Fast 25.000 Tote laut Hamas-Behörde im Gazastreifen
Seit Kriegsbeginn wurden in dem KĂŒstenstreifen 24.927 Menschen getötet und 62.388 verletzt. Das berichtete die von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde. Die humanitĂ€re Lage der Bevölkerung ist wegen der KĂ€mpfe, groĂer Zerstörungen und mangelhafter Versorgung weiter katastrophal, wie das UN-NothilfebĂŒro OCHA in der Nacht zu Samstag auf der Plattform X mitteilte. Viele der rund 1,7 Millionen Binnenvertriebenen harrten unter Plastikplanen aus. Durchfallerkrankungen breiteten sich wegen der mangelnden Hygiene aus. Auch gebe es Berichte ĂŒber FĂ€lle von Hepatitis A.
Die israelische Armee teilte mit, dass bei KÀmpfen in verschiedenen Teilen des Gazastreifens eine ungenannte Zahl von Terroristen getötet sowie Waffen zerstört worden seien. Auf israelischer Seite starben nach Angaben israelischer Medien seit dem Beginn der Bodenoffensive Ende Oktober bisher 194 Soldaten.
Israelisches MilitÀr: Geisel-Verlies in Gaza-Tunnel entdeckt
Das israelische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben im Gazastreifen einen Tunnel gefunden, der in Teilen als Verlies fĂŒr aus Israel verschleppte Menschen gedient hat. «Nach dem, was wir wissen, sind darin 20 Geiseln in stickiger Luft mit wenig Sauerstoff und furchtbarer Luftfeuchtigkeit, die das Atmen erschwert, festgehalten worden», sagte Armeesprecher Daniel Hagari auf einer Pressekonferenz.
Der Tunnel sei unter dem Haus eines Hamas-Terroristen in Chan Junis entdeckt worden. Zu der Verlies-Stelle seien israelische Soldaten gelangt, nachdem sie einen unterirdischen Gang in einer Tiefe von 20 Metern etwa einen Kilometer lang entlanggegangen waren. Die Geiseln hÀtten sich dort zu unterschiedlichen Zeiten befunden, einige von ihnen seien inzwischen durch einen Austausch gegen palÀstinensische HÀftlinge freigekommen.
Hagari prĂ€sentierte Fotos von der unterirdischen Anlage, in der die Geiseln in Gefangenschaft gewesen sein sollen. Er zeigte auch Abbildungen von Kinderzeichnungen, die ein fĂŒnfjĂ€hriges MĂ€dchen angefertigt haben soll, das unter den Ende November freigelassenen Geiseln war. Die Befreiung der anderen 136 Geiseln, die immer noch in der Gewalt der Hamas sind, habe fĂŒr die Armee höchste PrioritĂ€t. «Die BemĂŒhungen werden durch technische Mittel, Sondereinheiten und nachrichtendienstliche Informationen, die wir stĂ€ndig optimieren, unterstĂŒtzt», so Hagari.
Tausende demonstrieren in Israel gegen Regierung Netanjahu
Tausende Menschen haben derweil in Israel gegen die Regierung von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu demonstriert. In der KĂŒstenmetropole Tel Aviv verlangten die Teilnehmer einer Kundgebung das sofortige Ende des Gaza-Krieges, um die noch mehr als 100 Geiseln in der Gewalt von Hamas-Terroristen im Gazastreifen freizubekommen. «Stellt die KĂ€mpfe ein, bezahlt den Preis!», zitierten israelische Medien einen der Redner, dessen Cousin unter den Geiseln ist.
Nach einem ersten Austausch von 105 Geiseln gegen 240 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge Ende November will die Hamas die weiteren von ihr Verschleppten erst freilassen, wenn sich Israels MilitĂ€r aus dem Gazastreifen zurĂŒckzieht. Netanjahu und seine Mitstreiter sagen hingegen, dass nur die militĂ€rische Niederringung der Hamas zur Befreiung der EntfĂŒhrten fĂŒhren könne.


