Belgrad, Waffengewalt

Serbien: Untersuchungsausschuss zu Massakern ausgesetzt

21.07.2023 - 18:36:08

Ein parlamentarisches Gremium soll nach zwei AmoklÀufen mit insgesamt 18 Toten die Taten nÀher untersuchen. Doch bei den Opferfamilien gibt es Zweifel an dem Vorhaben. Deshalb liegt es nun erst einmal auf Eis.

Der erst am Dienstag gebildete Untersuchungsausschuss des serbischen Parlaments zur AufklÀrung zweier AmoklÀufe Anfang Mai hat seine TÀtigkeit ausgesetzt. Das Gremium reagierte auf eine Petition der Familien von Opfern des Schulmassakers in Belgrad. Diese hatten darin verlangt, dass der Ausschuss den Ermittlungen der Justiz nicht vorgreife, berichtete das staatliche Fernsehen RTS.

Am 3. Mai hatte ein 13-JĂ€hriger in einer Belgrader Schule neun MitschĂŒler und einen Wachmann erschossen. Einen Tag spĂ€ter schoss ein 21-JĂ€hriger in Mladenovac bei Belgrad auf Menschen und tötete acht von ihnen. Die beiden Massaker, die mutmaßlich nicht miteinander zusammenhingen, hatten die serbische Gesellschaft tief erschĂŒttert.

Sorge ĂŒber Verlauf der Ermittlungen

In ihrer Petition brachten die Opferfamilien die BefĂŒrchtung zum Ausdruck, dass die TĂ€tigkeit des parlamentarischen Ausschusses die staatsanwaltlichen Ermittlungen und das darauffolgende Gerichtsverfahren gefĂ€hrden könnte. Das Gremium schloss sich dieser Auffassung an und stellte seine TĂ€tigkeit vorĂŒbergehend ein.

In beiden FĂ€llen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch, weder liegen Anklagen vor noch wurden Gerichtstermine anberaumt. Im Falle des 13-JĂ€hrigen kommt hinzu, dass dieser zur Tatzeit nach serbischer Rechtslage noch nicht strafmĂŒndig war. Er wird derzeit in einer psychiatrischen Anstalt beobachtet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen den Vater, der möglicherweise seine Aufsichtspflichten verletzt hat. Wie die Justizbehörden bestĂ€tigten, hatte er mit dem Sohn mehrfach das Schießen an einem Schießstand geĂŒbt.

@ dpa.de