Missbrauch, Katholisch

Missbrauch im Kirchenumfeld: 1002 FĂ€lle in der Schweiz

12.09.2023 - 11:06:36

Ein unabhĂ€ngiges Forschungsteam hat sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz untersucht. Die Ergebnisse dĂŒrften nur die «Spitze des Eisbergs» sein.

  • Eine Kirche im Gebiet GraubĂŒnden: In der Schweiz gab es im Kirchenumfeld viele FĂ€lle von sexuellen Missbrauch. - Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

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  • In der Schweiz hat es im Kirchenumfeld viele FĂ€lle von sexuellem Missbrauch gegeben (Symbolbild). - Foto: Felix KĂ€stle/dpa

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Eine Kirche im Gebiet GraubĂŒnden: In der Schweiz gab es im Kirchenumfeld viele FĂ€lle von sexuellen Missbrauch. - Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpaIn der Schweiz hat es im Kirchenumfeld viele FĂ€lle von sexuellem Missbrauch gegeben (Symbolbild). - Foto: Felix KĂ€stle/dpa

In der Schweiz sind mindestens 1002 FĂ€lle von sexuellem Missbrauch im Umfeld der römisch-katholischen Kirche seit Mitte des 20. Jahrhunderts aufgedeckt worden. Es seien 510 Beschuldigte und 921 Betroffene identifiziert worden, berichteten Historikerinnen und Historiker der UniversitĂ€t ZĂŒrich.

Es war das erste Mal, dass ein unabhĂ€ngiges Forschungsteam in kirchlichen Archiven in der Schweiz Akten ĂŒber sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche einsehen konnte.

Hohe Dunkelziffer anzunehmen

«Bei den identifizierten FÀllen handelt es sich zweifellos nur um die Spitze des Eisbergs», teilten die Professorinnen Monika Dommann und Marietta Meier mit, die das Projekt leiteten. Zahlreiche Archive hÀtten noch nicht ausgewertet werden können. Es sei anzunehmen, dass nur ein kleiner Teil der FÀlle gemeldet worden sei. Zahlreiche andere FÀlle seien «verschwiegen, vertuscht oder bagatellisiert» worden.

Aufgedeckt worden seien FĂ€lle von «problematischen GrenzĂŒberschreitungen bis hin zu schwersten, systematischen MissbrĂ€uchen, die ĂŒber Jahre hinweg andauerten». TĂ€ter waren katholische Kleriker, kirchliche Angestellte und Ordensangehörige in der Schweiz.

Sie seien oft versetzt worden, um eine weltliche Strafverfolgung zu vermeiden. «Dabei wurden die Interessen der katholischen Kirche und ihrer WĂŒrdentrĂ€ger ĂŒber das Wohl und den Schutz von Gemeindemitgliedern gestellt», hieß es in der Studie.

Viele minderjÀhrige Opfer

Rund 39 Prozent waren weiblichen Geschlechts, knapp 56 Prozent waren mĂ€nnlich. Bei fĂŒnf Prozent habe sich das Geschlecht in den Quellen nicht eindeutig feststellen lassen. Die Beschuldigten seien bis auf wenige Ausnahmen MĂ€nner gewesen. In fast drei Viertel der FĂ€lle ging es um MinderjĂ€hrige.

Die Fachleute sprechen von einer Pilotstudie. Eine grĂ¶ĂŸere Untersuchung soll folgen. «ZukĂŒnftig genauer untersucht werden sollte unter anderem die Mitverantwortung des Staates, vor allem im sozialkaritativen und pĂ€dagogischen Bereich, weil hier besonders in katholischen Gebieten oft Aufgaben an die Kirche delegiert wurden», teilte die UniversitĂ€t mit.

Die Kirche reagierte auf den Bericht. KĂŒnftige Priester, Diakone und Mitglieder von Ordensgemeinschaften sollen nun im Rahmen ihrer Ausbildung psychologische AbklĂ€rungen durchlaufen. Zudem sollen im ganzen Land Anlaufstellen fĂŒr Betroffene geschaffen werden, wie die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK), die Konferenz der Ordensgemeinschaften und anderer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz (Kovos) und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) mitteilten.

@ dpa.de