Trump-Strafe, New

Trump-Strafe in New York erst im September geplant

02.07.2024 - 22:03:21

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs gibt Donald Trump die Chance, seine Verurteilung in New York anzugreifen. Nun verzögert sich zumindest die VerkĂŒndung der Strafe - wenn die ĂŒberhaupt kommt.

  • Fragen zu seiner Kandidatur will der 81-JĂ€hrige nicht beantworten. - Foto: Jacquelyn Martin/AP

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  • Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Trump will die Aufhebung seiner Verurteilung. (Archivbild) - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

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Fragen zu seiner Kandidatur will der 81-JĂ€hrige nicht beantworten. - Foto: Jacquelyn Martin/APDer frĂŒhere US-PrĂ€sident Trump will die Aufhebung seiner Verurteilung. (Archivbild) - Foto: Gerald Herbert/AP/dpa

Im New Yorker Prozess um Schweigegeldzahlungen von Ex-PrĂ€sident Donald Trump verzögert sich die VerkĂŒndung des Strafmaßes auf den 18. September. Das von Richter Juan Merchan neu festgelegte Datum ging aus einem Brief an die Prozess-Parteien hervor. «Wenn dies noch immer nötig sein sollte», fĂŒgte er hinzu. Damit rĂ€umt der Richter einem Antrag von Trumps AnwĂ€lten zur Aufhebung des Urteils die notwendige Zeit ein.

Hintergrund der Verschiebung ist ein Grundsatzurteil des Supreme Courts der Vereinigten Staaten zur ImmunitĂ€t von US-PrĂ€sidenten. In dem Urteil heißt es, dass US-PrĂ€sidenten weitgehenden Schutz vor Strafverfolgung fĂŒr offizielle Handlungen im Amt genießen. Der Schritt von Trumps AnwĂ€lten war erwartbar, ihm wird aber nicht die grĂ¶ĂŸte Chance eingerĂ€umt, weil der New Yorker Fall sich zu einem bedeutenden Teil um Handlungen dreht, die vor seiner PrĂ€sidentschaft passierten.

Geschworene in New York hatten den Ex-PrĂ€sidenten vor wenigen Wochen in 34 Anklagepunkten fĂŒr schuldig befunden. In dem Prozess ging es um die illegale Verschleierung von Schweigegeld-Zahlungen an eine Pornodarstellerin. Es war das erste Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, dass ein ehemaliger PrĂ€sident wegen einer Straftat verurteilt wurde. Trump könnte im Ă€rgsten Fall eine mehrjĂ€hrige Haftstrafe drohen.

Biden sieht «gefÀhrlichen PrÀzedenzfall» 

Trumps Erfolg vor dem höchsten US-Gericht ist wegweisend: Der Supreme Court urteilte, dass er zwar keine vollstĂ€ndige ImmunitĂ€t fĂŒr die Handlungen wĂ€hrend seiner Zeit als PrĂ€sident genießt, aber der Schutz vor Strafverfolgung sehr weitgehend ist. US-PrĂ€sident Joe Biden sprach mit Blick auf die Entscheidung des Supreme Courts von einem «gefĂ€hrlichen PrĂ€zedenzfall». 

Mit ihrer Entscheidung verzögern die Richterinnen und Richter zudem den Beginn des Wahlbetrugsprozesses gegen den 78-JĂ€hrigen in der US-Hauptstadt Washington weiter. Eine untere Instanz muss nun herausfinden, fĂŒr welche Handlungen Trumps ImmunitĂ€t gilt. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass der Prozess in Washington noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnen wird.

Juristische Streitigkeiten dĂŒrften noch lange andauern

Der New Yorker Fall ist anders gelagert als etwa das Wahlbetrugsverfahren in Washington. Das Verfahren in Manhattan drehte sich in erster Linie um Trumps Handlungen als PrÀsidentschaftskandidat vor der Wahl 2016. Trump war mit der Argumentation, dass der Fall seine PrÀsidentschaft betreffe, bereits in der Vergangenheit gescheitert. 

Allerdings könnten Trumps AnwĂ€lte argumentieren, dass die Anklage sich in dem Fall auch auf Beweise gestĂŒtzt hat, die aus Trumps Zeit im Weißen Haus stammen. Denn der Supreme Court entschied, dass Amtshandlungen von US-PrĂ€sidenten nicht nur vor Strafverfolgung geschĂŒtzt sind. Sie dĂŒrfen auch nicht als Beweise in Strafverfahren angefĂŒhrt werden. SpĂ€testens in einem Berufungsverfahren dĂŒrfte das Thema werden. Trump hatte bereits angekĂŒndigt, nach der StrafmaßverkĂŒndung gegen das Urteil vorzugehen. 

Biden: «Die einzigen Grenzen werden vom PrÀsidenten selbst gesetzt»

US-PrĂ€sident Biden kritisierte das ImmunitĂ€tsurteil des Supreme Court und warnte vor schwerwiegenden Folgen. «Die heutige Entscheidung bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass es praktisch keine Grenzen fĂŒr das Handeln eines PrĂ€sidenten gibt», sagte der Demokrat bei einer kurzfristig anberaumten Ansprache im Weißen Haus. Jeder PrĂ€sident, einschließlich Trump, werde nun die Freiheit haben, das Gesetz zu ignorieren, warnte der 81-JĂ€hrige. Er will bei der PrĂ€sidentenwahl im November gegen Trump antreten. 

Der Supreme Court habe mit seiner Entscheidung ein «grundlegend neues Prinzip» geschaffen: Die Macht des PrĂ€sidentenamtes werde kĂŒnftig nicht mehr durch Gesetze eingeschrĂ€nkt, auch nicht durch das Oberste Gericht, warnte Biden. «Die einzigen Grenzen werden vom PrĂ€sidenten selbst gesetzt.» Die Menschen in den USA hĂ€tten ein Recht darauf, vor den nahenden PrĂ€sidentenwahlen im November eine Antwort der Gerichte zur Rolle Trumps beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 zu erhalten. Diese Antwort werde es nach dem Urteil wohl aber nicht mehr geben. 

Biden, der sich nach einem desaströsen Auftritt bei der TV-Debatte in der vergangenen Woche in einer kritischen Phase seines Wahlkampfs befindet, nutzte die Gelegenheit und rief die Menschen zum WÀhlen auf. Fragen zu seiner Kandidatur beantwortete er nicht.

Liberale Richterinnen Ă€ußern «Angst um unsere Demokratie»

Das Urteil des Supreme Courts war mit sechs zu drei Stimmen ausgefallen. Die drei als liberal geltenden Richterinnen hatten sich nicht der rechtskonservativen Mehrheit des Supreme Courts angeschlossen, die Trump durch Personalentscheidungen wĂ€hrend seiner Zeit als PrĂ€sident zementiert hatte. In der von Richterin Sonia Sotomayor verfassten abweichenden Meinung Ă€ußerten die Juristinnen ihre «Angst um unsere Demokratie». 

Sotomayor skizzierte denkbare Situationen, in denen der Schutz des PrĂ€sidenten vor Strafverfolgung kĂŒnftig Anwendung finden könnte - als Beispiel nannte sie einen von ihm in Auftrag gegeben Mordanschlag auf einen Rivalen, einen MilitĂ€rputsch des abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten oder den Nachweis von Bestechlichkeit.

«Selbst, wenn diese Albtraumszenarien nie eintreten sollten, und ich bete, dass sie es nie tun, ist der Schaden bereits angerichtet», schrieb Sotomayor. «Bei jeder AusĂŒbung seiner Amtsgewalt ist der PrĂ€sident jetzt ein König, der ĂŒber dem Gesetz steht.» Die langfristigen Folgen der Entscheidung seien erheblich. Das Gericht schaffe damit «effektiv eine rechtsfreie Zone um den PrĂ€sidenten und rĂŒttelt am Status quo, der seit der GrĂŒndung der Nation existiert».

@ dpa.de