Nepal, Demonstration

HĂ€user von Politikern in Nepal brennen - Regierungschef geht

09.09.2025 - 15:53:58

Ein Verbot fĂŒr soziale Medien löst in Nepal schwere Unruhen aus. Die Proteste setzen sich fort. HĂ€user von Spitzenpolitikern werden angezĂŒndet - und der Premier tritt zurĂŒck.

In Nepal ist es trotz der Aufhebung eines umstrittenen Verbots fĂŒr Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram wieder zu gewaltsamen Protesten gekommen. In der Hauptstadt Kathmandu und anderen Landesteilen setzten aufgebrachte Menschen die Wohnsitze und BĂŒros mehrerer Minister sowie anderer Politiker in Brand und griffen sie mit Steinen an, wie die Zeitung «The Kathmandu Post» und andere lokale Medien berichteten. Wegen der schweren Unruhen, die Montag ausgebrochen waren, trat MinisterprĂ€sident Khadga Prasad Sharma Oli zurĂŒck. 

Frau von Ex-Premier bei Angriff schwer verletzt

Ziel der Angriffe wurden den Berichten zufolge auch PrivathĂ€user Olis sowie des frĂŒheren Premiers Jhalanath Khanal. Die Frau Khanals sei dabei schwer verletzt worden, sie befinde sich in einem kritischen Zustand, sagte ein Arzt der behandelnden Klinik der Deutschen Presse-Agentur. Er widersprach damit Berichten der nepalesische Nachrichtenplattform «Kharbub», wonach die Frau an den Folgen ihrer Verletzungen gestorben sei. 

Auf nicht verifizierten Videos war zudem zu sehen, wie Flammen am Haus von PrĂ€sident Ram Chandra Paudel sowie seines BĂŒros aufstiegen. Auch ĂŒber dem ParlamentsgebĂ€ude bildeten sich dichte Rauchwolken: Videobilder zeigten tanzende junge Menschen, die auf dem GelĂ€nde unter anderem den RĂŒcktritt Olis feierten. Ebenso wurden Polizeistellen angezĂŒndet. 

Zu den Angriffen in Kathmandu kam es trotz einer Ausgangssperre in mehreren Stadtteilen. Die ArmeefĂŒhrung, Regierungsvertreter und Polizei riefen die BĂŒrger auf, Ruhe zu bewahren. 

Tote und Verletzte bei Demonstrationen

Die Proteste hatten sich entzĂŒndet, nachdem die Regierung des Himalaya-Staates in der vergangenen Woche 26 Online-Netzwerke verboten hatte. Sie wollte die Dienste dadurch zwingen, sich registrieren und unter staatliche Aufsicht stellen zu lassen. Der Schritt hatte jedoch starke Kritik hervorgerufen und Tausende, meist jĂŒngere Menschen im ganzen Land auf die Straße getrieben. 

Am Montag hatte es bei ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Demonstranten und Polizei in Kathmandu und anderswo mindestens 19 Tote gegeben. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Den Berichten nepalesischer Medien zufolge hatte die Polizei Wasserwerfer, TrĂ€nengas und scharfe Munition eingesetzt. 

Es sei die höchste Zahl an Toten bei Protestaktionen an einem Tag in Nepal seit vielen Jahren gewesen, schrieb der SĂŒdasien-Experte Michael Kugelman auf X. «Das ist ein wichtiger Moment fĂŒr ein Land, in dem Wut auf die breitere politische Klasse in den vergangenen Jahren zugenommen hat.» Die Ereignisse bezeichnete er einen «lauten und tragischen Weckruf». 

Sperrung der Online-Netzwerke ist nicht der einzige Grund

Die Proteste richteten sich nicht nur gegen die Sperrung der Online-Netzwerke, die die Regierung mittlerweile aufgehoben hat. Die Teilnehmer prangern auch weit verbreitete Korruption im Staat sowie Vetternwirtschaft an. 

Das BĂŒro des MinisterprĂ€sidenten zitierte Oli damit, er wolle mit seinem RĂŒcktritt den Weg fĂŒr eine politische Lösung fĂŒr die aktuelle Situation im Land frei machen. Zuvor waren schon mehrere Minister, darunter der Innenminister zurĂŒckgetreten. Der 73-jĂ€hrige Oli war seit vergangenem Jahr im Amt des Regierungschefs, das er bereits mehrmals innegehabt hatte.

Nepal hat rund 30 Millionen Einwohner. Die parlamentarische Demokratie ist jung. Von 1996 bis 2006 herrschte BĂŒrgerkrieg, die jahrhundertealte Monarchie wurde 2008 abgeschafft.

@ dpa.de