UnterstĂŒtzer, Kiews

UnterstĂŒtzer Kiews beraten in Paris ĂŒber MilitĂ€rkonzept

27.03.2025 - 05:00:47

Eine «Koalition der Willigen» berĂ€t in Paris ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. Dazu gehören kann das Entsenden europĂ€ischer Truppen. Diese sollten Russland abschrecken, sagt PrĂ€sident Macron

  • Auf dem Pariser Gipfel geht es um Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine (Archivbild). - Foto: Christophe Ena/Pool AP/dpa

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  • PrĂ€sident Macron stimmt sich hinsichtlich der UnterstĂŒtzung der Ukraine eng mit PrĂ€sident Selenskyj ab. - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

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  • Die westlichen UnterstĂŒtzerlĂ€nder wollen die ukrainische Armee weiter stĂ€rken (Archivbild). - Foto: Oleksandr Klymenko/ukrin/dpa

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Auf dem Pariser Gipfel geht es um Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine (Archivbild). - Foto: Christophe Ena/Pool AP/dpaPrĂ€sident Macron stimmt sich hinsichtlich der UnterstĂŒtzung der Ukraine eng mit PrĂ€sident Selenskyj ab. - Foto: Thibault Camus/AP/dpaDie westlichen UnterstĂŒtzerlĂ€nder wollen die ukrainische Armee weiter stĂ€rken (Archivbild). - Foto: Oleksandr Klymenko/ukrin/dpa

Zu einem Gipfeltreffen zur UnterstĂŒtzung der Ukraine werden heute in Paris Spitzenvertreter aus 31 LĂ€ndern erwartet. Bei den Beratungen der sogenannten «Koalition der Willigen» soll es um Sicherheitsgarantien fĂŒr den Fall einer Waffenruhe zwischen Kiew und Moskau gehen, teilte der ÉlysĂ©e-Palast mit.

Festgezurrt werden soll ein mehrschichtiges Konzept militĂ€rischer Garantien und Hilfen fĂŒr die Ukraine, das unter FederfĂŒhrung von Frankreich und Großbritannien erarbeitet wird. FĂŒr Deutschland reist der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzler Olaf Scholz an. Erwartet werden auch Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte und der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, der sich bereits am Vorabend mit Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron beriet. 

Frankreich schnĂŒrt neues RĂŒstungspaket

Macron verkĂŒndete dabei die Lieferung weiterer Waffen im Wert von zwei Milliarden Euro. In das RĂŒstungspaket fließen etwa Raketen, Panzer und Munition. 

Selenskyj bedankte sich fĂŒr die Waffenhilfe, die er als starkes Paket bezeichnete. Er habe Macron zudem ĂŒber die Verhandlungen zu einer Waffenruhe informiert, sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Auf der Plattform X bedankte sich Selenskyj bei Macron und der französischen Nation fĂŒr deren unerschĂŒtterliche UnterstĂŒtzung. «Gerade jetzt kann und muss viel getan werden, um echte Sicherheit in Europa und StabilitĂ€t fĂŒr alle unsere Menschen zu gewĂ€hrleisten - zusammen mit Frankreich und allen Partnern in Europa und darĂŒber hinaus.»

Selenskyjs Klage ĂŒber Russland - und US-Sondergesandten

WĂ€hrend bei dem vereinbarten Verzicht auf SchlĂ€ge gegen Energieobjekte eher technische Fragen wie die Überwachung noch offen seien, sei eine Einigung zu einer Feuerpause im Schwarzen Meer seiner EinschĂ€tzung nach schwieriger. Russland versuche dort zusĂ€tzliche Forderungen durchzusetzen, sagte Selenskyj, der Moskau einmal mehr vorwarf, den Krieg fortsetzen zu wollen und die Verhandlungen in die LĂ€nge zu ziehen. Es sei daher zusĂ€tzlicher Druck auf Moskau nötig, sagte er vor dem Hintergrund von Überlegungen der US-Administration die Sanktionen gegenĂŒber Russland zu lockern.

In einem gesonderten PressegesprĂ€ch kritisierte Selenskyj anschließend auch den US-Sondergesandten Steve Witkoff. «Ich finde, dass Witkoff sehr oft die Kremlnarrative zitiert», sagte er. Das bringe den Frieden nicht nĂ€her und schwĂ€che den Druck der Amerikaner auf Russland. Witkoff, ein Immobilienmakler, den US-PrĂ€sident Donald Trump zu einem seiner wichtigsten EmissĂ€re fĂŒr den Russland-Ukraine-Komplex gemacht hat, Ă€ußerte sich zuletzt mehrfach auffallend oft positiv ĂŒber Kremlchef Wladimir Putin und wiederholte russische Darstellungen. 

Selenskyj kennzeichnete die Äußerungen Witkoffs nun als störend und hinderlich. Die Ukraine verteidige sich gegen ein 40-mal grĂ¶ĂŸeres Land und hoffe daher natĂŒrlich auf Hilfe gerade aus den USA. «Selbst wenn Amerika heute die Taktik gewĂ€hlt hat, in der Mitte zu sein, dann ist die Mitte in der Mitte und nicht nĂ€her am Kreml», sagte Selenskyj - auch wenn er offene Kritik an Trump selbst vermied und seine Dankbarkeit fĂŒr die US-Hilfen betonte. Selenskyj bekrĂ€ftigte in einem Interview mit verschiedenen europĂ€ischen Medien, darunter der ARD, dass Kiew weiterhin die USA als wichtigen Partner betrachte.

 

Kiew hofft auf Europa

Da die Position der USA unsicher ist, setzt die Ukraine umso mehr Hoffnungen auf die weitere UnterstĂŒtzung der EuropĂ€er. In Paris soll ĂŒber die weitere militĂ€rische Soforthilfe fĂŒr die Ukraine sowie den Weg zu einem Waffenstillstand beraten werden. Thema ist außerdem die langfristige UnterstĂŒtzung der ukrainischen Armee und deren VerteidigungsfĂ€higkeit, um nach einem möglichen Friedensschluss eine erneute russische Aggression abzuwehren. Russlands Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine dauert schon mehr als drei Jahre.

In Paris soll es auch um das schon seit lĂ€ngerem diskutierte mögliche Entsenden europĂ€ischer StreitkrĂ€fte in Richtung Ukraine gehen. Wie Macron am Abend sagte, werde die Aufgabe solcher StreitkrĂ€fte das Absichern wichtiger StĂ€dte und strategischer StĂŒtzpunkte sein. Diese Truppen sollten aber nicht an der Frontlinie stehen und gegen die russischen StreitkrĂ€fte eingesetzt werden.

Vielmehr sollten mögliche europÀische Truppen durch ihre PrÀsenz die Russen von einem erneuten Angriff abhalten und Kiew ermöglichen, Positionen in einer möglichen Friedenszone auf ukrainischem Territorium zu halten. Im Fall einer erneuten allgemeinen Aggression gegen die Ukraine seien die Truppen in der Lage, darauf zu reagieren, sagte Macron.

Sicherheitsgarant USA bleibt vonnöten

EuropĂ€ische LĂ€nder könnten sich nach französischer Vorstellung auf unterschiedlichem Wege an dieser Mission beteiligen, also nicht nur durch das Entsenden von Soldaten. Übergeordneter Sicherheitsgarant wĂ€re demnach die Supermacht USA. Washington hat das aber nicht zugesagt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird im Kreis der westlichen UnterstĂŒtzerstaaten erwogen, eine denkbare entmilitarisierte Zone an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine vor allem aus der Luft und mit Hilfe von technischen Mitteln wie Satelliten und Drohnen zu beobachten. Zudem könnten Marineeinheiten zum Einsatz kommen, um die Freiheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer zu ĂŒberwachen. EuropĂ€ische StreitkrĂ€fte könnten dann an der ukrainischen Westgrenze stationiert werden und etwa Ausbildungsprogramme fĂŒr die ukrainischen Partner anbieten.

Hintergrund der Planungen sind die Versuche von US-PrĂ€sident Donald Trump, die Ukraine und Russland zum Abschluss einer Waffenstillstandsvereinbarung zu zwingen. Viele EuropĂ€er befĂŒrchten in diesem Zusammenhang, dass dabei vor allem die Ukraine ZugestĂ€ndnisse machen mĂŒsste und das Land ohne glaubwĂŒrdige Sicherheitsgarantien schon bald wieder Opfer eines russischen Angriffs werden könnte.

Eine Friedenstruppe im eigentlichen Sinne wĂŒrde demnach eventuell ĂŒber die Vereinten Nationen mobilisiert werden und ausschließlich aus Soldaten aus unparteiischen Drittstaaten bestehen. 

Viele Verletzte in Charkiw nach russischem Beschuss

In der ostukrainischen Region Charkiw sind offiziellen Angaben nach mindestens 17 Menschen durch schweren russischen Drohnenbeschuss zu Schaden gekommen. In der Stadt Charkiw gebe es neun Verletzte, in der Ortschaft Solotschiw weitere acht, teilte der MilitÀrgouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit. Die Zahl der Verletzten könnte weiter steigen. Unter den Opfern sind auch mindestens zwei MinderjÀhrige.

Seoul: Pjöngjang schickt weitere Soldaten nach Russland

Nordkorea hat nach Angaben der sĂŒdkoreanischen MilitĂ€rfĂŒhrung mindestens 3.000 zusĂ€tzliche Soldaten zur UnterstĂŒtzung Russlands im Ukraine-Krieg entsandt. «Es scheint, als ob im Januar und Februar mindestens 3.000 weitere Soldaten entsandt wurden», zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Yonhap den sĂŒdkoreanischen Generalstab. Zuvor hatte Nordkorea im vergangenen Herbst bereits rund 11.000 nordkoreanische Soldaten in die russische Region rund um Kursk entsandt. 

Ein möglicher Grund fĂŒr Nordkoreas zusĂ€tzliche Truppenentsendung könnten die hohen Verluste der nordkoreanischen Einheiten von bis zu 4.000 Verwundeten und Toten sein.

@ dpa.de