Zölle, USA

US-Senat billigt Gesetz zu neuen Russland-Sanktionen

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 05:51 Uhr | dpa.de

Eine Parlamentskammer ringt sich zu potenziell folgenschweren Sanktionen gegen Russland durch - aber wird die andere auch zustimmen? Kurz nach dem Votum gibt es neue Luftangriffe auf die Ukraine.

  • Nach langem Tauziehen stimmte der Senat dem Sanktionsgesetz zu. (Archivbild) - Bild: Mariam Zuhaib/AP/dpa
    Nach langem Tauziehen stimmte der Senat dem Sanktionsgesetz zu. (Archivbild) - Bild: Mariam Zuhaib/AP/dpa
  • Die Mehrheit fĂŒr das Gesetz fiel deutlich aus. (Archivbild) - Bild: Tom Brenner/AP/dpa
    Die Mehrheit fĂŒr das Gesetz fiel deutlich aus. (Archivbild) - Bild: Tom Brenner/AP/dpa
  • US-PrĂ€sident Trump hat bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr das Gesetz signalisiert. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    US-PrĂ€sident Trump hat bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr das Gesetz signalisiert. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj traf vorige Woche den demokratischen Senator Blumenthal. (Archivbild) - Bild: Rod Lamkey/AP/dpa
    Der ukrainische PrÀsident Selenskyj traf vorige Woche den demokratischen Senator Blumenthal. (Archivbild) - Bild: Rod Lamkey/AP/dpa
Nach langem Tauziehen stimmte der Senat dem Sanktionsgesetz zu. (Archivbild) - Bild: Mariam Zuhaib/AP/dpa Die Mehrheit fĂŒr das Gesetz fiel deutlich aus. (Archivbild) - Bild: Tom Brenner/AP/dpa US-PrĂ€sident Trump hat bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr das Gesetz signalisiert. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj traf vorige Woche den demokratischen Senator Blumenthal. (Archivbild) - Bild: Rod Lamkey/AP/dpa

WĂ€hrend Russland mit immer weiteren Angriffswellen die Schutzlosigkeit der ukrainischen Luftabwehr offenlegt, schĂŒrt ein Gesetzesvorstoß des US-Parlaments neue Hoffnungen in Kiew. Der US-Senat stimmte nach langem Tauziehen fĂŒr ein Sanktionsgesetz, das Moskau wegen seines zerstörerischen Angriffskriegs stĂ€rker unter Druck setzen soll. Ob das ReprĂ€sentantenhaus als zweite Parlamentskammer zustimmen wird, ist allerdings ungewiss. Russlands MilitĂ€r machte in der Nacht mit einer weiteren tödlichen Angriffsserie deutlich, dass es den Munitionsmangel der ukrainischen Luftabwehr in der Zwischenzeit auszunutzen weiß.

In Washington votierten die Senatorinnen und Senatoren mit einer deutlichen Mehrheit von 86 zu 11 Stimmen fĂŒr das maßgeblich vom unlĂ€ngst gestorbenen US-Senator Lindsey Graham vorangetriebene Gesetz. Neben direkten Sanktionen gegen russische Politiker und Firmen soll es die russischen Öl- und Gas-Exporte als wichtigste Finanzierungsquelle des Angriffskriegs gegen die Ukraine noch stĂ€rker eindĂ€mmen. Da das ReprĂ€sentantenhaus bereits in den Ferien ist, wird es voraussichtlich nicht vor September darĂŒber abstimmen.

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Monaten Sanktionen gegen russische Öllieferungen zeitweise ausgesetzt, um Preissteigerungen auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken. Auslöser war die Verknappung der Ölreserven, nachdem die fĂŒr den Export aus den Golfstaaten wichtige Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs faktisch fĂŒr den Schiffsverkehr geschlossen worden war.

Doch mit Blick auf militĂ€rische Achtungserfolge der Ukraine und die zuletzt immer zerstörerischen Gegenangriffe der Russen setzen sich einflussreiche US-Politiker fĂŒr eine hĂ€rtere Gangart gegen Moskau ein. Kurz nach der Abstimmung im Senat startete das russische MilitĂ€r eine neue Welle nĂ€chtlicher Angriffe auf die Region Kiew und weitere ukrainische StĂ€dte, bei der es neben Drohnen und Gleitbomben auch wieder ballistische Raketen einsetzte. Letztere sind ohne Hilfe der von den USA produzierten Patriot-Flugabwehr kaum abzufangen - und fĂŒr diese Systeme mangelt es derzeit an Munition.

Strafzölle von 100 Prozent gegen China und Indien?

US-PrĂ€sident Donald Trump, dem vorgeworfen wird, Russlands Machtapparat um Kremlchef Wladimir Putin nicht genug unter Druck zu setzen, hat bereits UnterstĂŒtzung fĂŒr das Gesetz angedeutet. Es wĂŒrde ihn berechtigen, die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger mit Sanktionen zu belegen – ebenso wie jene fĂŒnf LĂ€nder, die Russland am meisten dabei helfen, Energiesanktionen zu umgehen. Damit könnte es die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien weiter strapazieren, die große Mengen russischen Erdöls beziehen.

In den zwölf Monaten vor dem eigentlichen Inkrafttreten des Gesetzes sollen zunĂ€chst die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Abnehmer russischer Energieexporte ins Visier genommen und mit Zöllen bis zu 100 Prozent belegt werden. Die Höhe kann mit der Zeit angepasst werden - je nachdem, ob ein Land sich bemĂŒht, von russischem Öl und Gas loszukommen. Wer die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Importeure sind, soll alle 180 Tage neu ermittelt werden.

Bisher schreckte Trump davor zurĂŒck, China wegen der Energieimporte aus Russland unter Druck zu setzen. Auf Waren aus Indien hatte er zeitweise einen Zoll von 25 Prozent wegen der KĂ€ufe russischen Öls verhĂ€ngt.

Zugleich soll es Ausnahmen fĂŒr LĂ€nder geben, deren Einfuhren weniger als 15 Prozent der russischen Erdgas-Exporte in einem Zwölfmonats-Zeitraum ausmachten – und die Maßnahmen ergreifen, um diese KĂ€ufe zu reduzieren. «Unsere europĂ€ischen VerbĂŒndeten sind hier also nicht betroffen», betonte der demokratische Senator Richard Blumenthal bereits Mitte Juli.

Selenskyj dankt Senat - Abgeordnete kritisieren Gesetz

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich beim US-Senat. Jedes Signal zur UnterstĂŒtzung einer schnellstmöglichen Beendigung des Kriegs sei wichtig, schrieb er auf der Plattform X. «Echter, starker Druck seitens der USA und Sanktionen gegen Russland sind das, was am meisten helfen wird.» Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nannte das Gesetz einen «eindrucksvollen Beweis fĂŒr die globale FĂŒhrungsrolle der Vereinigten Staaten». Aus Russland gab es zunĂ€chst keine offizielle Reaktion. 

Einige Demokraten wie die im ReprĂ€sentantenhaus sitzenden Abgeordneten Gregory Meeks und Don Beyer kritisierten unterdessen, das Gesetz in seiner jetzigen Form wĂŒrde Trump zu weitreichende Zoll-Befugnisse geben. Auch deshalb ist unklar, wie die Abstimmung in der zweiten Parlamentskammer ausgehen wird. Die MehrheitsverhĂ€ltnisse dort sind Ă€ußerst knapp, und die wichtigen Zwischenwahlen im November erschweren politische Kompromisse.

Die Einigung auf den endgĂŒltigen Text fiel vergangene Woche mit dem Besuch von Selenskyj in Washington und den Trauerfeierlichkeiten fĂŒr Graham zusammen. In der Debatte vor der Abstimmung sagte die republikanische Senatorin Katie Britt nun: «Heute stehen wir zusammen, um zu zeigen, dass wir Putin den Geldhahn abdrehen werden.» Ihr demokratischer Kollege Blumenthal beschrieb das Signal an Russland wie folgt: «Heute sagen wir zu Wladimir Putin: Du wirst die Ukraine nicht erobern.»

Wieder Tote bei Luftangriffen auf Ukraine

Allerdings scheint Russland nach wie vor weit davon entfernt, den Angriffskrieg zurĂŒckzufahren. Bei neuen Luftangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und deren Umgebung wurden nach Behördenangaben in der Nacht mindestens drei Menschen getötet und mehrere verletzt. Ukrainische Medien berichteten ĂŒber eine Serie von Explosionen, besonders den östlichen Vorort Browary habe es schwer getroffen.

Erst in der Nacht zu Mittwoch waren an einer Bahnstation in Browary acht Menschen durch russischen Raketenbeschuss getötet worden. Schon dabei zeigte sich, wie ĂŒberfordert die Verteidiger mit den reihenweise einfliegenden Geschossen sind: Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee Dutzende ballistische Raketen verschiedener Typen ein, von denen keine einzige abgefangen werden konnte.

Weil es den Ukrainern nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen verstĂ€rkt. Sie sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen. Als effektivste Abwehr gelten die Patriot-Systeme, doch der ukrainischen Armee gehen die Abfangraketen aus. Ein Grund dafĂŒr: Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die weltweiten MunitionsbestĂ€nde zusĂ€tzlich verknappt. Und so wĂ€chst in Kiew die Furcht, dass ungehinderte Raketenangriffe die Infrastruktur des Landes schwer schĂ€digen und den notleidenden Ukrainern einen noch hĂ€rteren Winter bescheren könnten.

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