Russische Drohne trifft Wohnhaus in RumĂ€nien â Nato reagiert
29.05.2026 - 14:00:19 | dpa.deNach dem Einschlag einer russischen Drohne in ein Wohnhaus in RumĂ€nien nahe der Grenze zur Ukraine will das EU- und Nato-Land seine Verteidigung in diesem Gebiet verstĂ€rken. Gleichzeitig rief Bukarest seine Partner dazu auf, den Druck auf Russland zu erhöhen, den Krieg zu beenden. StaatsprĂ€sident Nicusor Dan machte Moskau fĂŒr den Vorfall verantwortlich. Er beraumte eine Krisensitzung des obersten Verteidigungsrats des Landes an und sprach mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte.Â
RumĂ€nien habe die Nato um einen beschleunigten Transfer von - bereits zugesagter - Drohnenabwehrtechnik gebeten, erklĂ€rte das AuĂenministerium in Bukarest. Die Verteidigungsallianz sagte Hilfe zu. «Wir verurteilen Russlands RĂŒcksichtslosigkeit, und die Nato wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stĂ€rken - auch gegen Drohnen», teilte eine Nato-Sprecherin mit. Auch die EU sowie mehrere EU-LĂ€nder bekundeten ihre SolidaritĂ€t mit RumĂ€nien.
14-JĂ€hriger unter Verletzten
Die mit Sprengstoff beladene russische Drohne vom Typ Geran schlug in der Nacht zum Freitag auf dem Dach eines zehnstöckigen Wohnblocks in der ostrumĂ€nischen Stadt Galati ein, nahe den Grenzen zur Ukraine und der Republik Moldau. Sie durchbrach das Dach und löste in der direkt darunter liegenden Wohnung einen Brand aus. Eine 53 Jahre alte Bewohnerin und ihr 14-jĂ€hriger Sohn erlitten dabei leichte Brandwunden.Â
Die Drohne kam im Zuge von russischen Angriffen in der Region des nahe gelegenen ukrainischen Donau-Hafens Reni, berichteten Vertreter des Verteidigungsministeriums. Von PrÀsident Dan hieà es nach der Krisensitzung, die Drohne sei Teil eines Schwarms von 43 Flugobjekten gewesen.
«Ich erklĂ€re mit allem Nachdruck, dass die gesamte Verantwortung fĂŒr diesen Vorfall bei der Russischen Föderation liegt», hatte Dan davor bei Facebook geschrieben. «Was heute in Galati geschehen ist, ist die direkte Folge des Aggressionskriegs, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat (...) und der systematischen Missachtung internationalen Rechts.» Es gebe keinerlei Zweifel hinsichtlich Verursacher und GrĂŒnde dieser Aggression.Â
Das AuĂenministerium bestellte nach dem Vorfall Russlands Botschafter in Bukarest ein. Nach der Krisensitzung sagte Dan, der russische Konsul in der nahen Schwarzmeer-Stadt Constanta werde ausgewiesen.
MilitÀr: Abschuss der Drohne hÀtte noch mehr Schaden angerichtet
Auf die Frage, warum die StreitkrĂ€fte des Landes die Drohne trotz Sichtung auf dem Radar nicht abgeschossen hĂ€tten, erklĂ€rte Verteidigungsminister Radu Miruta, ein Abschuss ĂŒber bewohntem Gebiet hĂ€tte noch mehr Schaden angerichtet und Menschenleben gefĂ€hrdet als der Absturz selbst. Schwierig sei ein Abschuss auch, weil RumĂ€nien bei derartigen Manövern den Luftraum eines anderen Staates nicht verletzen dĂŒrfe. Zugleich beklagte das Verteidigungsministerium, dass man aufgrund rechtlicher EinschrĂ€nkungen RadargerĂ€te nicht an den geeignetsten Stellen platzieren könne.
StaatsprĂ€sident Dan erklĂ€rte, dass die Drohnenabwehr, die RumĂ€nien ĂŒber das EU-Verteidigungsprogramm SAFE bestellen wolle, dem Land erst in ein bis zwei Jahren zur VerfĂŒgung stehe.
Verurteilungen des Vorfalls aus Europa
Die Bundesregierung sicherte RumĂ€nien nach dem Vorfall ihre BĂŒndnissolidaritĂ€t zu. Der Drohneneinschlag zeige einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation, erklĂ€rte Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf X. Deutschland stehe an der Seite der Nato?VerbĂŒndeten. «Der Vorfall zeigt erneut: Wir brauchen eine starke Nato-PrĂ€senz an der Ostflanke. Wir sind bereit, das BĂŒndnisgebiet zu verteidigen.» Das Bundesverteidigungsministerium erklĂ€rte, es handele sich um «keine LageĂ€nderung».Â
Auch der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sicherte dem Land UnterstĂŒtzung zu und forderte zugleich mehr Druck auf Russland. Kiew sei bereit, RumĂ€nien in jeder erforderlichen Weise zu unterstĂŒtzen, schrieb er auf X. Selenskyj teilte dort einen Post von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, in dem sie nach dem Vorfall auch ankĂŒndigte, den Druck auf Russland weiter zu erhöhen.
Selenskyj stimmte von der Leyen zu: Kiew zĂ€hle darauf, dass die neuen Sanktionen der EU gegen Russland wirklich streng sein werden und Moskau spĂŒren lassen, dass seine Angriffe erhebliche Verluste fĂŒr Russland selbst bedeuteten. Weitere Verurteilungen und SolidaritĂ€tsbekundungen fĂŒr Bukarest kamen unter anderem auch aus Frankreich, GroĂbritannien, Ungarn und Tschechien.
Mehrfach russische DrohnentrĂŒmmer im Grenzgebiet gefunden
Russland greift im Rahmen seines Angriffskriegs die Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne FÀlle, bei denen Drohnen den Luftraum von Nato-Staaten verletzten, darunter mehrfach RumÀnien.
Auch Polen hat schon Erfahrungen mit russischen Drohnen gemacht. In der Nacht auf den 10. September 2025 waren bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine eine groĂe Zahl von Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato geflogen. Nach offiziellen Angaben waren mehr als zehn russische Drohnen vom Bautyp Shahed darunter. Die polnische Luftwaffe und andere Nato-VerbĂŒndete schossen erstmals einige der Flugkörper ab. Dabei wurde ein Haus beschĂ€digt - nach bisherigen Erkenntnissen war es von der Rakete eines westlichen Kampfjets getroffen worden. Verletzt wurde niemand.
