Correspondents' Dinner: Trump-Witze und Proteste vor der TĂŒr
28.04.2024 - 06:55:50US-PrĂ€sident Joe Biden hat beim traditionellen Galadinner des Washingtoner Pressekorps Witze ĂŒber Ex-PrĂ€sident Donald Trump gerissen und die Medien ermahnt, ihre Rolle in der Demokratie wahrzunehmen. «Ich bitte Sie sicherlich nicht darum, eine Seite zu wĂ€hlen», sagte er vor dem Publikum des Correspondents' Dinner in Washington. «Ich bitte Sie darum, sich der Ernsthaftigkeit des Augenblicks bewusst zu werden.» Alle mĂŒssten dazu beitragen, «dass die amerikanische Demokratie Bestand hat».
Zuvor hatte der 81-jĂ€hrige Biden seine Rede mit Blick auf sein Alter selbstironisch begonnen, sie aber auch fĂŒr etliche Seitenhiebe gegen seinen voraussichtlichen republikanischen Kontrahenten im PrĂ€sidentschaftswahlkampf genutzt. So witzelte er unter anderem ĂŒber den Strafprozess gegen den 77-jĂ€hrigen Trump im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an die Porno-Darstellerin Stormy Daniels. «Donald hatte in letzter Zeit ein paar harte Tage. Man könnte sagen: stĂŒrmisches Wetter», sagte Biden in Anspielung auf Daniels' Vornamen. («Stormy» ist auch das englische Wort fĂŒr «stĂŒrmisch».)
Der Republikaner befindet sich derzeit fast tĂ€glich im Gericht in New York. Die Anklage wirft ihm vor, er habe den Ausgang der US-PrĂ€sidentenwahl 2016 mit der Zahlung von 130.000 Dollar an Daniels beeinflussen wollen. Die Transaktion selbst war zwar nicht illegal, bei der RĂŒckerstattung des Geldes an seinen Anwalt soll Trump jedoch GeschĂ€ftsunterlagen gefĂ€lscht haben, um ihren eigentlichen Zweck zu verschleiern. «Was zur Hölle», kommentierte das Biden.
Komiker Jost teilt aus: Sleepy Joe ist noch wach
Die Journalisten-Vereinigung der im WeiĂen Haus akkreditierten Korrespondenten veranstaltet den Festabend seit mehr als 100 Jahren. Der PrĂ€sident ist gewöhnlich Stargast - einzig Trump nahm wĂ€hrend seiner Amtszeit nie teil. Anwesend sind neben Journalistinnen und Journalisten sowie hochrangigen Regierungsmitgliedern auch immer einige Hollywood-GröĂen. Dieses Jahr saĂ unter anderem die Schauspielerin Scarlett Johansson im Publikum. Sie ist mit dem Comedian Colin Jost verheiratet, der den traditionellen Unterhaltungsteil des Abends ĂŒbernahm.
Dabei teilte er gen Trump, aber auch in alle anderen Richtungen aus. «Ich möchte darauf hinweisen, dass Sleepy Joe nach 22 Uhr noch wach ist», scherzte der Komiker ĂŒber Biden - den Spitznamen (auf Deutsch etwa: «schlĂ€friger Joe») hatte Trump dem Demokraten im PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2020 gegeben und nutzt ihn seitdem immer wieder. An die Presse gerichtet sagte Jost: «Wie viele hier tue ich auch so, als ob ich Nachrichten mache.» Jost moderiert in der US-Comedyshow «Saturday Night Live» eine Satire-Nachrichtensendung.
PropalĂ€stinensische Demonstranten ĂŒben Medienkritik
Wie bei mittlerweile nahezu jedem Auftritt von PrĂ€sident Biden hatten sich auch einige Hundert propalĂ€stinensische Demonstranten am Veranstaltungsort versammelt. Sie konfrontierten die eintreffenden Journalistinnen und Journalisten lautstark mit Kritik an deren Nahost-Berichterstattung. Mit Trommeln unterlegt riefen sie in Sprechchören: «Schande ĂŒber Euch» und «Macht Euren Job». Manche Protestierenden trugen blaue Helme und T-Shirts mit der Aufschrift «Presse», die an Schutzwesten von Kriegsreportern erinnerten. Eine Demonstrantin erklĂ€rte, so solle auf die Situation palĂ€stinensischer Journalistinnen und Journalisten hingewiesen werden.
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen von Anfang MĂ€rz wurden seit Kriegsbeginn am 7. Oktober mehr als 100 Journalisten im Gazastreifen getötet. Eine Kritik der Vereinigung der Auslandspresse (FPA) lautet auĂerdem, dass Israel unabhĂ€ngigen Berichterstattern nur sehr eingeschrĂ€nkt Zugang zum Kriegsgebiet ermöglicht. Die zustĂ€ndigen Behörden begrĂŒnden dies mit Sicherheits- und logistischen Problemen.
WĂ€hrend sich propalĂ€stinensische Demos besonders an US-UniversitĂ€ten zuletzt ausgeweitet und teils verschĂ€rft haben, handelte es sich nach EinschĂ€tzung von Polizisten vor Ort um einen verhĂ€ltnismĂ€Ăig kleinen Protest. Nach Angaben eines anwesenden US-Reporters gab es im vergangenen Jahr vor den TĂŒren des Veranstaltungsortes einen Klimaprotest in Ă€hnlicher GröĂenordnung.



























