Abzug Frankreichs aus Niger: Eskalationsrisiko gesunken?
25.09.2023 - 14:27:45 | dpa.deDer Abzug der französischen StreitkrÀfte aus dem Niger wird die regionale Krise nach dem MilitÀrputsch im Land nach Ansicht eines Experten etwas entspannen.
Zugleich dĂŒrfte der Kampf gegen die islamistischen Terrorgruppen in der Region aber schwieriger werden, sagte der RegionalbĂŒroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung fĂŒr die Sahelzone, Ulf Laessing, der Deutschen Presse-Agentur. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hatte angekĂŒndigt, die militĂ€rische Zusammenarbeit mit Niger zu beenden und die Soldaten bis Jahresende abzuziehen.
«Die Putschisten hatten ihre LegitimitÀt aus einer Kampagne gegen die französischen Truppen und den Botschafter aus Paris gezogen. Das entfÀllt jetzt», sagte Laessing. «Es ist positiv, dass Macron verstanden hat, dass der Abzug französischer Truppen unausweichlich war.»
Experte: Abzug senkt Risiko einer Eskalation
Das Risiko des von der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas angedrohten MilitĂ€reinsatzes gegen die MilitĂ€rjunta, die im Juli die gewĂ€hlte Regierung in Niamey entmachtet hatte, sei gesunken. «Jetzt gibt es wieder Chancen auf Verhandlungen zwischen Ecowas und den Putschisten ĂŒber die Dauer der Transition.»
Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ist seit 2012 militĂ€risch in der Region aktiv, seit islamistische Terrorgruppen den Norden Malis ĂŒberrannt hatten. Die Franzosen fĂŒhrten Anti-Terror-Missionen in der Sahelzone durch, sind bei der Bevölkerung der ehemaligen Kolonien aber sehr unbeliebt.
Aus den NachbarlÀndern Mali und Burkina Faso musste Frankreich seine Truppen bereits abziehen. Nach dem Putsch im Niger am 26. Juli bestand Frankreich zunÀchst darauf, seine etwa 1500 Soldaten in dem Land zu belassen, da sie auf Einladung der legitimen Regierung des abgesetzten PrÀsidenten Mohamed Bazoum da seien.
«Ohne Frankreich wird der Kampf gegen Dschihadisten schwieriger werden», sagte Laessing. «Die Deutschen und anderen EU-LĂ€nder haben nur bei AusrĂŒstung und Ausbildung geholfen. Bei aller Kritik an Frankreich muss man sagen, dass nur Paris bereit war, aktiv zu kĂ€mpfen.» Die EU hatte Anfang des Jahres eine neue MilitĂ€rmission im Niger begonnen.
Die Bundeswehr war zuvor an der Ausbildung nigrischer SpezialkrĂ€fte im Grenzgebiet zu Mali beteiligt. Sie betreibt einen LufttransportstĂŒtzpunkt in Niamey, der das Drehkreuz fĂŒr die Bundeswehr in Westafrika und wichtig fĂŒr den Abzug im Rahmen des Endes der UN-Friedensmission aus dem benachbarten Mali ist.
Macron: Nicht fĂŒr die Politik dieser LĂ€nder verantwortlich
Macron sagte in dem Interview, Frankreich sei nicht im Niger, um Geisel der Putschisten zu sein. Die Putschisten seien Freunde des Chaos. So nĂ€hmen inzwischen Angriffe islamistischer Dschihadisten zu, die schon in Mali tĂ€glich Menschenleben kosteten. Er mache sich Sorgen um diese Region. Frankreich habe, manchmal alleine, seine Verantwortung ĂŒbernommen und er sei stolz auf die französischen Soldaten. Aber man sei nicht fĂŒr die Politik dieser LĂ€nder verantwortlich.
Wie französische Medien ĂŒbereinstimmend berichteten, schloss die MilitĂ€rregierung am Samstag den nigrischen Luftraum speziell fĂŒr französische Flugzeuge. Zuvor hatte Niger eine mehrwöchige, nach dem Putsch verordnete Sperrung am 4. September eigentlich wieder komplett aufgehoben.
Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich musste ihre Truppen bereits nach den MilitĂ€rputschen in den NachbarlĂ€ndern Mali und Burkina Faso abziehen. Der Niger galt als letzter VerbĂŒndeter des Westens in der Region.
Wie wird sich Deutschland verhalten?
Verteidigungsminister Boris Pistorius hĂ€lt keine schnellen Schritte Deutschlands fĂŒr nötig. Noch stehe auch eine Entscheidung der US-Regierung aus, wie diese sich verhalten werde, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga. «Wir warten jetzt erstmal die weitere Entwicklung ab.»
Der LufttransportstĂŒtzpunkt in Niamey mit seinen 100 deutschen Soldaten habe eine Bedeutung fĂŒr den Abzug aus dem angrenzenden Mali, sagte Pistorius. «Wir beobachten. Wir bleiben am Ball. Wir haben die Sicherheit im Auge. Wir sehen jetzt aktuell, Tag heute, keinen Handlungsbedarf», sagte er. «Frankreich hat angekĂŒndigt, den Truppenabzug bis zum Ende des Jahres zu gewĂ€hrleisten. Das heiĂt, es ist auch noch ein bisschen Zeit. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt fĂŒr ĂŒbereilte Reaktionen.»
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