USA erhöhen mit neuen Angriffen und Drohungen Druck auf Iran
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:33 Uhr, dpa.deNach den neuen Angriffen und Drohungen der USA gegen den Iran scheint eine diplomatische Lösung erneut in weite Ferne gerĂŒckt zu sein. Das US-MilitĂ€r startete am Mittwoch gleich zwei Angriffswellen und attackierte zudem ein Schiff, das gegen die Blockade iranischer HĂ€fen verstoĂen haben soll.
US-PrĂ€sident Donald Trump drohte erneut mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur, ehe er wenig spĂ€ter versöhnliche Töne anschlug. Der Iran habe einer Ende 2024 in Haft genommenen US-BĂŒrgerin erlaubt, das Land zu verlassen, teilte Trump auf Truth Social mit. «Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens seitens des Irans zu schĂ€tzen!» Details zu der Frau nannte Trump nicht, er schrieb bloĂ, dass sie sich auĂer Landes befinde und in Sicherheit sei.
Zwei Angriffswellen an einem Tag
Allein am Mittwoch hatte das US-MilitĂ€r zwei weitere Angriffswellen gegen den Iran gestartet. Die jĂŒngste begann um 15.00 US-OstkĂŒstenzeit (21.00 Uhr deutscher Zeit) und endete sechs Stunden spĂ€ter, wie das fĂŒr die Region zustĂ€ndige Kommando des US-MilitĂ€rs (Centcom) auf der Plattform X mitteilte. Attackiert wurden demnach Kommandozentren, Flugabwehrstellungen und andere militĂ€rische Ziele. Mit den Angriffen sei die FĂ€higkeit des Irans eingeschrĂ€nkt worden, Handelsschiffe in der StraĂe von Hormus zu bedrohen.
Die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete von drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Angriffe soll es demnach auch in Rask im Ă€uĂersten SĂŒdosten des Landes sowie in der Umgebung von Bandar Abbas am Persischen Golf und in Ahwas im SĂŒdwesten gegeben haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf einen lokalen Behördenvertreter, vier Orte am Rande von Ahwas seien getroffen worden. Das US-MilitĂ€r sprach von «zahlreichen Zielen», erwĂ€hnte konkret aber nur Bandar Abbas und die gröĂere der beiden Tunb-Inseln.
Sirenen heulen in Bahrain
Kurz nach Beginn der neuen Angriffswelle auf Ziele im Iran waren in den mit den USA verbĂŒndeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain wieder Sirenen und ExplosionsgerĂ€usche zu hören. Die Flugabwehr sei wegen Drohnenattacken aktiviert worden, teilte die Armee des Emirats Kuwait auf der Plattform X mit. In Bahrain wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.
Am Morgen teilte der Golfstaat mit, dass erneut mehrere iranische Luftangriffe abgewehrt worden seien. Wie schon in den NĂ€chten zuvor wurde auch diesmal nichts NĂ€heres bekannt. Beide LĂ€nder sind im Krieg aber immer wieder Ziel iranischer Vergeltungsangriffe.
In Kuwait fingen die StreitkrĂ€fte schon am Mittwoch nach eigenen Angaben vier Marschflugkörper und 21 Drohnen ab, die in den Luftraum des Landes eingedrungen waren. Das US-MilitĂ€r unterhĂ€lt dort wie auch in Bahrain und anderen arabischen Staaten der Region MilitĂ€rstĂŒtzpunkte.
Auch Jordanien meldete erneuten Beschuss aus dem Iran. In den frĂŒhen Morgenstunden seien acht iranische Raketen, die auf das Staatsgebiet des Königreichs gerichtet gewesen seien, abgefangen und abgeschossen worden. Es habe keine Verletzten oder SchĂ€den gegeben.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich «zutiefst besorgt» von der anhaltenden militĂ€rischen Eskalation in der Region. Er rief alle Beteiligten auf, sofort zu deeskalieren und zu Dialog und Diplomatie zurĂŒckzukehren. Sollten die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden, drohten «katastrophale Konsequenzen», warnte er. Zudem bekrĂ€ftigte Guterres, der freie Schiffsverkehr durch die StraĂe von Hormus mĂŒsse sichergestellt werden.
USA setzen Seeblockade durch - auch mit Angriff auf Tanker
Neben den gegenseitigen Angriffen sorgt auch die US-Seeblockade gegen iranische HĂ€fen fĂŒr Spannungen, die US-StreitkrĂ€fte nach einer zwischenzeitlichen Pause seit Dienstag wieder durchsetzen. Innerhalb der ersten 24 Stunden leiteten sie nach eigenen Angaben zwei Handelsschiffe um, die versucht hĂ€tten, die Blockade zu durchbrechen.Â
Zudem griff das US-MilitĂ€r am Mittwoch laut Centcom einen unbeladenen Ăltanker an, der demnach einen iranischen Hafen im Persischen Golf ansteuern wollte. Die Schiffsbesatzung habe verschiedene Warnungen ignoriert und versucht, die Seeblockade zu durchbrechen. Das Schiff sei in internationalen GewĂ€ssern in Richtung der fĂŒr Irans Ălindustrie wichtigen Insel Charg unterwegs gewesen. Man habe den Schornstein des unter der Flagge Curaçaos fahrenden Schiffes mit Raketen beschossen und es manövrierunfĂ€hig gemacht, teilte das US-MilitĂ€r mit.Â
Die USA hatten wĂ€hrend des Iran-Kriegs erstmals ab Mitte April eine Seeblockade gegen Schiffe durchgesetzt, die iranische HĂ€fen oder KĂŒstengebiete ansteuern oder von dort wegfahren. Diese wurde dann aber im Zuge des Rahmenabkommens mit Teheran Mitte Juni aufgehoben. WĂ€hrend dieser frĂŒheren Seeblockade hatte das US-MilitĂ€r nach eigenen Angaben mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun Schiffe manövrierunfĂ€hig gemacht, deren Besatzungen nicht kooperieren wollten.
Die an der Georgetown University in Washington unterrichtende US-Journalistin Tara Kangarlou glaubt indes nicht, dass die Seeblockade gröĂeren Einfluss auf die iranische Wirtschaft haben wird. «Wenn Donald Trump vorhaben sollte, den Iran wirtschaftlich in den WĂŒrgegriff zu nehmen: Die Iraner haben lĂ€ngst Wege gefunden, ihr Ăl zu verkaufen», sagte sie dem Sender Al Jazeera. Es gebe viele alternative Exportrouten â ĂŒber das Kaspische Meer, Pakistan, Afghanistan, den Irak, die TĂŒrkei und noch weitere Wege, um die Seeblockade zu umgehen.
Was hat Trump vor?
Das «Wall Street Journal» berichtet unter Berufung auf US-Beamte, dass Trump zu einer Ausweitung des militĂ€rischen Vorgehens gegen den Iran tendiere, aber noch keine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die nĂ€chsten Schritte getroffen habe. Optionen sind demnach, die Luftangriffe auszuweiten, Bodentruppen zur Eroberung iranischer Inseln nahe der StraĂe von Hormus einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. Trump hatte jĂŒngst mit einem Angriff auf den Komplex gedroht, der im Berg Kuh-e Kolang sĂŒdlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran liegt.
Der US-PrĂ€sident drohte dem Iran zudem einmal mehr mit Angriffen auf zivile Infrastruktur. Auf die Frage einer Journalistin, ob er dem Iran ein Ultimatum gebe, bevor das US-MilitĂ€r mit Bombenangriffen auf BrĂŒcken beginnen wĂŒrde, sagte Trump am Mittwoch: «Ich mag es nicht, Fristen zu setzen.»
Trump: Verhandeln oder die «Sache zu Ende bringen»
Am Dienstag hatte Trump einem Interview des US-Senders Fox News noch gesagt, nĂ€chste Woche wĂŒrden alle Kraftwerke und BrĂŒcken zerstört, «es sei denn, sie (die Iraner) kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln». Er kĂŒndigte zudem heftige Angriffe auch in den kommenden NĂ€chten an.
Am Mittwoch wiederholte Trump dann seine Behauptung, der Iran wolle «unbedingt» eine Vereinbarung zur Beilegung der KĂ€mpfe schlieĂen. «Ihnen gefĂ€llt nicht, was wir tun, und sie wollen die Sache tatsĂ€chlich beilegen», teilte Trump mit. «Wir werden sehen, ob wir uns mit ihnen einigen oder ob wir die Sache einfach zu Ende bringen.»
