«Katastrophe»: Biden versagt bei TV-Duell gegen Trump
28.06.2024 - 08:25:15 | dpa.deUS-PrĂ€sident Joe Biden hat mit einem kraftlosen Auftritt beim ersten TV-Duell gegen seinen Herausforderer Donald Trump Zweifel an seiner Eignung fĂŒr das Amt befeuert. Die Fernsehdebatte am Donnerstagabend (Ortszeit) galt als BewĂ€hrungsprobe fĂŒr den 81 Jahre alten Demokraten.
WĂ€hrend des rund 90 Minuten langen Schlagabtauschs verhaspelte sich Biden regelmĂ€Ăig, er sprach undeutlich, leise und mit rauer Stimme. Teilweise war es schwierig, dem mĂ€chtigsten Mann der Welt zu folgen. Seine schwache Performance ĂŒberschattete Trumps mit LĂŒgen gespickte Darbietung. US-Medien zufolge löste das mit Spannung erwartete TV-Duell in der Demokratischen Partei Panik aus.
Biden bewirbt sich bei der PrĂ€sidentenwahl Anfang November um eine zweite Amtszeit. Der 78 Jahre alte Trump will fĂŒr die Republikaner noch einmal ins WeiĂe Haus. In Umfragen deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden an. Ein Dauerthema im Wahlkampf ist das hohe Alter der Kontrahenten. Das TV-Duell lĂ€utete die heiĂe Phase im US-Wahlkampf ein und wurde vom Sender CNN in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia ausgerichtet. Biden und Trump durften wĂ€hrend des Schlagabtauschs keine Spickzettel benutzen und mussten frei sprechen. Die Debatte fand ohne Studiopublikum statt. Das Mikrofon des jeweiligen PrĂ€sidentschaftsbewerbers, der gerade nicht sprach, war stumm geschaltet.
Trump als Gewinner der Debatte
Eine Schnell-Umfrage des US-Senders CNN sah Trump eindeutig als Gewinner des Duells. Demnach votierten 67 Prozent der Befragten fĂŒr den 78-JĂ€hrigen, nur 33 Prozent sahen Biden als Gewinner. Biden sagte nach dem Auftritt, er denke, dass er das «gut» gemacht habe. «Ich habe Halsweh», fĂŒgte er hinzu. Bidens Vize Kamala Harris musste sich nach dem Spektakel im US-Fernsehen fĂŒr Bidens Auftritt rechtfertigen. US-Kommentatoren gaben sich entsetzt ĂŒber Bidens Debatten-Leistung. «Bidens Antworten waren in vielen FĂ€llen ohne Zusammenhang», sagte Politikjournalistin Abby Phillip.
Bidens Alter ist im Wahlkampf immer wieder Thema. Er zog als Ă€ltester US-PrĂ€sident aller Zeiten ins WeiĂe Haus ein und ist inzwischen 81 Jahre alt. Trump ist mit 78 Jahren allerdings kaum jĂŒnger. Doch bei den Demokraten schrillen nun offenbar die Alarmglocken. Die «Washington Post» schrieb, dass Bidens Wahlkampfteam intern eingerĂ€umt habe, dass der US-PrĂ€sident auf der TV-BĂŒhne zu kĂ€mpfen hatte und sein Auftritt seine Kandidatur beschĂ€digt habe. «Eine Katastrophe», sagte ein demokratischer Abgeordneter dem CNN - wollte aber wie viele Kritiker aus der Partei anonym bleiben.
Biden verhaspelt sich
Biden hatte sich intensiv auf die Debatte vorbereitet und in der Woche vor dem Duell keine öffentlichen Termine mehr absolviert. Seinen Auftritt nutzte Biden dann, um Trump ungewöhnlich hart und persönlich anzugreifen. Doch all die Attacken verfingen kaum, weil Biden regelmĂ€Ăig ins Stolpern geriet. Oftmals schien er wĂ€hrend des Schlagabtauschs ins Leere zu starren und hatte seinen Mund offen. Selbst bei dem Thema Abtreibung, eigentlich ein Gewinnerthema fĂŒr Demokraten, konnte Biden nicht wirklich punkten. Abtreibungen seien in manchen FĂ€llen nötig, betonte er. Dann versprach er sich aber offensichtlich und sagte: «Es gibt viele junge Frauen, die von ihren angeheirateten Verwandten vergewaltigt werden, von ihren Ehepartnern, BrĂŒdern und Schwestern.»
Bei dem TV-Spektakel wurden Biden und Trump von den Moderatoren zu einer Palette von Themen befragt. Die beiden Politiker standen Rede und Antwort zu Wirtschaftspolitik, Abtreibung, Migration und mussten sich auch zu internationalen Krisen wie dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine oder dem Nahost-Konflikt Ă€uĂern. Trump ging Biden dabei hart an, machte ihn fĂŒr den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verantwortlich und warf ihm vor, nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt geeignet zu sein. «Er ist, ohne Frage, der schlechteste PrĂ€sident (...) in der Geschichte unseres Landes», schimpfte er.
Trumps Auftritt gerÀt in den Hintergrund
In einem bizarren Moment diskutierten die beiden ĂŒber ihre FĂ€higkeiten auf dem Golfplatz und forderten sich gegenseitig zum Duell heraus. Biden verhaspelte sich, als er sich ĂŒber Trumps Gewicht lustig machen wollte. Dieser hingegen verbreitete erneut diverse Unwahrheiten und machte etwa falsche Angaben zu bestimmten Wirtschaftsdaten wĂ€hrend seiner Amtszeit im Vergleich zu der von Biden. Erneut wollte sich der Republikaner nicht darauf festlegen, ob er den Ausgang der Wahl im November akzeptieren wird. FĂŒr Aufregung sorgte das angesichts von Bidens Auftritt nicht. Trump hatte bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gegen Biden verloren, gesteht die Niederlage aber bis heute nicht ein.
Der Republikaner vermied es allerdings, wie sonst ĂŒblich, in lange Monologe voller Selbstmitleid zu verfallen. AuffĂ€llig war, dass Trump ohne die Begleitung seiner Ehefrau Melania nach Atlanta gereist war. WĂ€hrend Bidens Ehefrau Jill am Ende der Debatte zu ihm auf die BĂŒhne kam, blieb Trump allein.
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