SchĂŒsse, Schwarzen

Fast 100 SchĂŒsse gegen Schwarzen bei US-Verkehrskontrolle

10.04.2024 - 20:31:05 | dpa.de

Erneut tötet die US-Polizei einen Schwarzen. Eine Untersuchung soll die UmstÀnde klÀren - klar ist, dass Dutzende Male auf den 26-JÀhrigen gefeuert wurde.

Flankiert von Familienmitgliedern, AnwĂ€lten und UnterstĂŒtzern spricht Dexter Reed Sr. zu Reportern vor dem Hauptquartier des Civilian Office of Police Accountability. Sein Sohn wurde bei einer Verkehrskontrolle durch die Polizei von Chicago erschossen. - Foto: Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times/AP/dpa
Flankiert von Familienmitgliedern, AnwĂ€lten und UnterstĂŒtzern spricht Dexter Reed Sr. zu Reportern vor dem Hauptquartier des Civilian Office of Police Accountability. Sein Sohn wurde bei einer Verkehrskontrolle durch die Polizei von Chicago erschossen. - Foto: Ashlee Rezin/Chicago Sun-Times/AP/dpa

In den USA ist erneut eine Debatte ĂŒber Rassismus und Polizeigewalt entflammt, nachdem Beamte bei einer Verkehrskontrolle in Chicago nahezu 100 SchĂŒsse auf einen schwarzen Mann abgefeuert und ihn so getötet haben.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 21. MĂ€rz in einer Wohngegend, aber die Behörde fĂŒr polizeiliche Rechenschaftspflicht in Chicago (COPA) veröffentlichte die Bodycam-Aufnahmen der beteiligten Polizisten erst am Dienstag. Die Familie des getöteten 26-JĂ€hrigen fordert weitere AufklĂ€rung.

Was ist passiert?

Ersten Erkenntnissen von COPA zufolge feuerte der Mann zuerst selbst einen Schuss ab und traf einen Polizisten am Unterarm, nachdem ihn fĂŒnf Beamte angehalten hatten. AnwĂ€lte der Familie geben an, die Polizisten seien in Zivilbekleidung aufgetreten. Auf dem Videomaterial ist zu sehen, wie sie sich mit gezĂŒckten Waffen auf das Auto des Mannes zubewegen.

ZunĂ€chst fordern sie ihn auf, sein Fenster herunterzukurbeln und dann, die TĂŒr zu öffnen - nach Behördenangaben wurde er wegen eines nicht angelegten Sicherheitsgurtes angehalten. Die Bilder zeigen, wie der Mann offenbar nicht sofort den Anweisungen folgt, ein Schuss ist zu hören und die Situation eskaliert innerhalb kĂŒrzester Zeit.

Wie COPA mitteilte, feuerten die Beamten ĂŒber 41 Sekunden hinweg ungefĂ€hr 96 Mal auf den Mann, auch dann noch, als er die AutotĂŒr geöffnet hatte und zu Boden fiel. Den Angaben zufolge wurde er in ein Krankenhaus gebracht und dort fĂŒr tot erklĂ€rt. Auf seinem Beifahrersitz wurde demnach spĂ€ter eine Waffe entdeckt.

COPA teilte weiter mit, die Ermittlungen dauerten an. Das FBI und das US-Justizministerium wĂŒrden ĂŒber den Verlauf informiert. Man habe zudem darum gebeten, vier Beamte vorerst von ihren polizeilichen Befugnissen zu entbinden.

Kritik am Vorgehen der Polizei

Die Familie des Getöteten stellte die UmstÀnde der Verkehrskontrolle zur Diskussion. Die Beamten hÀtten sich nie zu erkennen gegeben, sagte ihr Anwalt bei einer Pressekonferenz. Es habe sich um Polizisten in Kapuzenpullis und Baseballkappen gehandelt, auch das Polizeiauto sei nicht gekennzeichnet gewesen.

«Wir haben ein Problem mit der Polizeiarbeit in dieser Stadt», sagte ein weiterer Anwalt. FĂŒnf Beamte seien «bewaffnet aus einem Auto gesprungen, fĂŒr einen jungen Mann, der nicht angeschnallt war».

In den USA kommt es regelmĂ€ĂŸig zu tödlichen PolizeieinsĂ€tzen Ă€hnlicher Art. Stellvertretend steht dafĂŒr der Fall von George Floyd, der vor wenigen Jahren nationale Proteste auslöste. Im Mai 2020 war der Afroamerikaner bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen.

Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drĂŒckten. Der weiße Beamte Derek Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, wĂ€hrend dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Der Fall fĂŒhrte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

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