Hilfe, Kinder

Kaum Hilfe fĂŒr verletze und traumatisierte Kinder im Gazastreifen

28.11.2023 - 12:08:48

ErschĂŒtternde ZustĂ€nde im Gazastreifen: Kummer und Traurigkeit allgegenwĂ€rtig. Laut Unicef seien die emotionalen und physischen Leiden der Kinder unermesslich.

Im weitgehend kriegszerstörten Gazastreifen sind Kummer und Traurigkeit nach Angaben eines UN-Sprechers an jeder Straßenecke zu spĂŒren. James Elder, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, berichtete von verheerenden ZustĂ€nden. Er sprach aus der Stadt Gaza zu Reportern in Genf. «Es ist noch schlimmer, als ich befĂŒrchtet hatte», sagte er. «Kummer und Traurigkeit haben in Gaza Wurzeln geschlagen.»

Elder berichtete von einem Jungen, der bei einem Angriff seine beiden Eltern und seinen Zwillingsbruder verloren hatte. Der Junge sprach mit fest geschlossenen Augen ĂŒber das, was ihm passiert war. Auf die Frage, warum, habe ihm eine Übersetzerin erklĂ€rt, der Junge habe große Angst, zu vergessen, wie seine Familie aussehe und halte die Augen geschlossen, um sie in Erinnerung zu behalten.

Ein Junge, dem durch eine Bombe ein Bein abgerissen wurde, habe vier Tage mit seinem Vater in einem Bus gebraucht, um in den SĂŒden zu gelangen. Der Stumpf sei entzĂŒndet gewesen. Er habe zudem Granatsplitter im Kopf gehabt und Brandwunden am ganzen Körper und musste im Krankenhaus trotzdem stundenlang auf Hilfe warten. Kinder mit verheerenden Wunden hĂ€tten auf dem Parkplatz vor einem Krankenhaus gelegen, wo Ärzte mit wenigen Mitteln versuchten, ihr Leben zu retten.

Babys mit Durchfall, fĂŒr die es keine Medikamente gibt

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Not deutlich grĂ¶ĂŸer als das Gesundheitspersonal bewĂ€ltigen kann. In Auffanglagern seien Babys mit Durchfall, fĂŒr die es keine Medikamente gebe. Sie drohten zu sterben. Chronisch Kranke bekĂ€men ihre Medikamente nicht mehr, etwa fĂŒr Herz- oder andere Krankheiten.

Die WHO und Partner hĂ€tten seit der Feuerpause mehr als 160 Lastwagen mit Material in den Gazastreifen geschafft. Darunter war vor allem Bedarf zur Versorgung der vielen Wunden, aber auch Medikamente. «Es ist nur ein Rinnsal, der Bedarf ist viel grĂ¶ĂŸer», sagte eine WHO-Sprecherin in Genf. WHO und Unicef verlangten, dass Israel Bombardierungen ein fĂŒr alle Mal zu beendet, um Menschen versorgen zu können. «Wir haben ja eigentlich den menschlichen Instinkt, Kinder zu beschĂŒtzen, aber ich frage mich hier, ob wir den verloren haben», sagte Elder.

@ dpa.de