Weltwirtschaftsforum, WEF

Nach Trumps Grönland-Wende: Merz hÀlt Rede in Davos

22.01.2026 - 04:26:18

Erst droht Trump den EuropĂ€ern im Grönland-Konflikt, dann rudert er wieder zurĂŒck. Und morgen kann schon wieder alles anders sein. Wie geht der Kanzler in seiner Davos-Rede mit dem Hin und Her um?

  • Offiziell ist noch wenig ĂŒber die Übereinkunft von Rutte und Trump bekannt.  - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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  • Nach Trumps Wende bei seiner Zolldrohung wird in Davos nun Merz' Rede erwartet. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa

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Offiziell ist noch wenig ĂŒber die Übereinkunft von Rutte und Trump bekannt.  - Foto: Evan Vucci/AP/dpaNach Trumps Wende bei seiner Zolldrohung wird in Davos nun Merz' Rede erwartet. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa

Vor der politisch heiklen Rede des Bundeskanzlers beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-PrĂ€sident Donald Trump den Konflikt um die zu DĂ€nemark gehörende Insel Grönland ĂŒberraschend entschĂ€rft. Nach einem GesprĂ€ch mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte am Rande des Spitzentreffens in den Schweizer Bergen nahm er seine Drohung mit Strafzöllen gegen Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder zum 1. Februar am Mittwochabend zurĂŒck. Damit haben sich auch die Vorzeichen fĂŒr die Rede von Kanzler Friedrich Merz verĂ€ndert, der heute (9.30 Uhr) aufs Podium treten soll.

Zur BegrĂŒndung seines Kurswechsels verwies Trump darauf, dass wĂ€hrend des Treffens mit Rutte ein Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung ĂŒber Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei. Diese Lösung werde bei einer Umsetzung fĂŒr die USA und alle Nato-Mitglieder von großem Nutzen sein, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. «Auf der Grundlage dieser Übereinkunft werde ich die Zölle, die am 1. Februar in Kraft treten sollten, nicht verhĂ€ngen.»

Nato-Chef: «Es gibt noch viel zu tun»

Rutte bestĂ€tigte Trumps Angaben zu einem Rahmen fĂŒr ein mögliches Grönland-Abkommen, nannte aber zunĂ€chst - wie auch der US-PrĂ€sident - nicht viele Details. Im Interview mit dem US-Sender Fox News machte der NiederlĂ€nder klar, dass er bei dem politischen Streitthema noch viel Arbeit vor den beteiligten Parteien sieht. Er sei mit Trump ĂŒbereingekommen, dass man die Arktisregion gemeinsam schĂŒtzen mĂŒsse, sagte Rutte. NatĂŒrlich wĂŒrden die USA aber auch ihre GesprĂ€che mit Grönland und DĂ€nemark fortsetzen, wenn es etwa darum gehe, einen Zugang Russlands und Chinas zur Wirtschaft der ressourcenreichen Insel in geopolitisch bedeutsamer Lage zu verhindern. 

Er halte das fĂŒr ein «sehr gutes Ergebnis», sagte Rutte und schob nach: «Es gibt noch viel zu tun.» Man habe vereinbart, an der Frage zu arbeiten, was die Nato gemeinsam zum Schutz der gesamten Arktisregion beitragen könne. Es gebe viel zu tun, um sicherzustellen, dass alles Notwendige zu Land, zu Wasser und in der Luft unternommen werde, um diesen wichtigen Teil der Welt und des Nato-Gebiets zu schĂŒtzen.

Was ĂŒber einen möglichen Deal bekannt ist

Nach Angaben aus informierten Kreisen soll das Stationierungsabkommen fĂŒr Grönland neu ausgearbeitet werden und das geplante US-Raketenabwehrsystem «Golden Dome» berĂŒcksichtigen, das Trump auf der weltgrĂ¶ĂŸten Insel errichten will. Zudem sollen die USA den Angaben zufolge ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen LĂ€ndern in Grönland erhalten. Außerdem sei ein stĂ€rkeres Engagement der europĂ€ischen Nato-Staaten im arktischen Raum geplant.

Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Teil der Diskussion in der Nato ĂŒber einen möglichen Kompromiss mit der Trump-Regierung sei, dass DĂ€nemark den Vereinigten Staaten die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber kleine Gebiete Grönlands ĂŒbertragen könnte, auf denen die USA dann MilitĂ€rstĂŒtzpunkte errichten könnten. In dem Bericht klang aber auch durch, dass wohl vieles noch im Fluss ist. 

Die US-Nachrichtenseite «Axios» berichtete unter Berufung auf mit den Entwicklungen vertraute Quellen, der Rahmen fĂŒr eine mögliche Grönland-Vereinbarung enthalte den Grundsatz, DĂ€nemarks SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber die Insel zu respektieren. Rutte hatte den Rahmenplan demnach im GesprĂ€ch mit Trump skizziert. 

Der US-PrĂ€sident hatte zuvor immer darauf beharrt, dass er Grönland um jeden Preis unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Auf die Frage, ob der Rahmen fĂŒr einen Deal vorsehe, dass die weitgehend autonome Arktisinsel weiterhin zum Hoheitsgebiet DĂ€nemarks gehöre, sagte Rutte Fox News, das Thema sei in seinem GesprĂ€ch mit Trump am Abend nicht zur Sprache gekommen.

Merz setzt auf Besonnenheit statt Konfrontation

Bundeskanzler Merz wird seine fĂŒr heute geplante Rede nun jedenfalls anders halten mĂŒssen als geplant. Ob er Trump mit scharfen Worten gegenĂŒbergetreten wĂ€re, hĂ€tte es die neue Entwicklung nicht gegeben, ist ohnehin unklar. Denn in den vergangenen Tagen hatte sich Merz darum bemĂŒht, eine Eskalation des Konflikts und eine direkte Konfrontation mit Trump zu vermeiden. Man wolle als EuropĂ€er «besonnen und auch angemessen» auf «solche Herausforderungen» reagieren, hatte er vor seiner Abreise gesagt. 

Vor Merz' Rede dĂŒrfte kaum öffentlich bekannt werden, was genau die Übereinkunft von Rutte und Trump im Detail beinhaltet. Und genauso wenig wohl, welche Halbwertszeit sie hat. Denn der US-PrĂ€sident ist durchaus dafĂŒr bekannt, auch mal eine Rolle rĂŒckwĂ€rts zu machen und bereits getroffene Entscheidungen wieder infrage zu stellen, wenn ihm etwas nicht passt. 

«Der Tag endet besser, als er begonnen hat»

Vizekanzler Lars Klingbeil plĂ€dierte in einer ersten Reaktion am Abend deshalb erstmal fĂŒr ZurĂŒckhaltung. «Nach dem Hin und Her der letzten Tage warten wir jetzt mal das Substanzielle ab, welche Verabredung es zwischen Herrn Rutte und Herrn Trump gibt», sagte der SPD-Politiker im ZDF-«Heute Journal». 

Aus DĂ€nemark kam eine erste erleichterte Reaktion. «Der Tag endet besser, als er begonnen hat», sagte der dĂ€nische Außenminister Lars LĂžkke Rasmussen dem dĂ€nischen Rundfunk. «Zwei Dinge nehme ich aus Davos mit: Dass Trump sagt, dass er Grönland nicht angreift (...) und dass der Zoll-Krieg auf Standby ist. Das ist positiv.»

Positioniert sich Merz zu Trumps «Friedensrat»?

Direkt nach seiner Rede in Davos reist Merz nach den bisherigen PlĂ€nen zum EU-Gipfel nach BrĂŒssel weiter, bei dem es auch um den Grönland-Konflikt gehen soll. Die frĂŒhe Abreise wird dem Bundeskanzler nicht unrecht sein - denn in etwa zeitgleich will Trump in Davos seinen «Friedensrat» grĂŒnden. Spekuliert wird, ob erste UnterstĂŒtzer dabei schon unterzeichnen könnten, etwa der argentinische PrĂ€sident Javier Milei oder Ungarns Regierungschef Viktor Orban.

Kritiker werfen Trump vor, mit dem komplett auf ihn zugeschnittenen «Friedensrat» eine Art Alternative zur UN aufbauen zu wollen, die sich um Krisen und Konflikte weltweit kĂŒmmern soll. Das internationale Echo auf den Vorstoß - vor allem aus Deutschland und dem Rest Europas - ist verhalten. Offiziell abgewunken haben bislang aber wenige Staaten. Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron kassierte fĂŒr seine Andeutung einer Absage von Trump sofort eine Drohung mit Zöllen von 200 Prozent auf Wein und Champagner. 

Merz hat sich bisher öffentlich nicht eindeutig positioniert. Dass eine Zustimmung zu der Charta des «Friedensrats» in ihrer jetzigen Form fĂŒr ihn nicht infrage kommt, wurde aus seinem Umfeld nur indirekt signalisiert. Man unterstĂŒtze prinzipiell jede Maßnahme, die zu Frieden und StabilitĂ€t beitrage, hieß es aus Regierungskreisen. Sie mĂŒsse sich aber «im Rahmen der völkerrechtlichen Ordnung» bewegen. Viel deutlicher, so ist es zumindest zu erwarten, wird sich Merz wohl auch in Davos nicht Ă€ußern.

@ dpa.de