Ex-PrÀsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus
27.02.2026 - 04:15:31 | dpa.deIm Zuge der politischen Aufarbeitung des Epstein-Skandals kommt es in den USA zu einem Ă€uĂerst seltenen Ereignis: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten soll mit Bill Clinton heute ein frĂŒherer US-PrĂ€sident vor dem US-Parlament aussagen. Der 79-JĂ€hrige kannte den 2019 gestorbenen SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein, der jahrelang einen Missbrauchsring betrieben hatte. Clintons Name und Bilder von ihm tauchen in Dokumenten zu den Epstein-Ermittlungen auf. Jegliches Fehlverhalten im Kontext seiner Bekanntschaft zu Epstein hatte Clinton aber bestritten - genau wie jegliches Wissen ĂŒber dessen Verbrechen.Â
Am Donnerstag sagte bereits seine Frau, Ex-AuĂenministerin Hillary Clinton, mehrere Stunden vor dem Kontrollausschuss in Chappaqua aus. In dieser Gemeinde im US-Bundessaat New York lebt sie mit ihrem Mann. Die Demokraten warfen dem republikanischen Vorsitzenden des zustĂ€ndigen Ausschusses des ReprĂ€sentantenhauses, James Comer, vor, ein politisch motiviertes Verfahren zu betreiben. Es solle doch eher «jemand befragt werden, der tatsĂ€chlich mit Jeffrey Epstein verkehrt hat». Gemeint sind etwa US-Handelsminister Howard Lutnick oder US-PrĂ€sident Donald Trump.
Seit 1983 keine Aussage eines Ex-PrĂ€sidenten vor KongressÂ
Vor dem frĂŒheren PrĂ€sidenten Clinton (1993-2001) hatte ĂŒbereinstimmenden US-Medienberichten zufolge das letzte Mal im Jahr 1983 ein ehemaliger US-PrĂ€sident vor dem US-Kongress ausgesagt: Gerald Ford, US-PrĂ€sident von 1974 bis 1977. Dabei ging es um die Planung der Feierlichkeiten rund um das 200-jĂ€hrige Bestehen der amerikanischen Verfassung, wie die «New York Times» und der Sender NBC News berichteten.Â
Der Fall, um den es nun geht, wirkt im Vergleich dazu deutlich brisanter - auch wenn der Republikaner Comer vor Beginn der Befragungen sagte, dass den Clintons aktuell kein Fehlverhalten vorgeworfen werde. Man wolle klĂ€ren, wie Epstein zu Einfluss und Reichtum gekommen sei und welche Netzwerke ihn geschĂŒtzt hĂ€tten.
Was ĂŒber die Verbindung Bill Clintons zu Epstein bekannt istÂ
Bill Clintons Name wird in den USA schon lĂ€nger mit Epstein in Verbindung gebracht. Laut einer BBC-Recherche gibt es bereits Fotos von Clinton und Epstein aus den frĂŒhen 1990er-Jahren. Ăffentliche Aufzeichnungen sollen demnach beispielsweise zeigen, dass Epstein im Jahr 1992 fĂŒr Clintons damaligen PrĂ€sidentschaftswahlkampf spendete.
Damals war von Epsteins Verbrechen noch nichts öffentlich bekannt. Der Finanzier hatte beste Kontakte zur High Society. Prominente, Politiker und MilliardĂ€re gingen bei ihm ein und aus. Der Kontakt zwischen Clinton und Epstein hielt zumindest in den frĂŒheren 2000er-Jahren an. Kurz nach Epsteins Verhaftung wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung im Juli 2019 erklĂ€rte ein Sprecher Clintons, Angel Urena, dass Clinton als Ex-PrĂ€sident zwischen 2002 und 2003 vier Reisen mit Epsteins Privatjet unternommen habe.Â
In den bisher veröffentlichten Epstein-Akten taucht Clinton mehrmals auf: Auf einem Bild ist der Demokrat etwa beim Schwimmen in einem Pool mit Epsteins Gehilfin Ghislaine Maxwell zu sehen. Auf anderen Fotos sieht man ihn ohne Bezug zu den beiden. Die reine Nennung seines Namens oder seine Abbildung sind keine Hinweise auf ein Fehlverhalten.
Auf die Frage, ob sie sicher sei, dass ihr Mann nichts ĂŒber Epsteins Verbrechen wisse, sagte Hillary Clinton im Anschluss an ihre eigene Befragung: «Das bin ich». Sie betonte, dass Bill Clintons Verbindung zu Epstein geendet habe, mehrere Jahre bevor irgendetwas zu dessen Verbrechen bekanntgeworden sei.Â
Befragung von Hillary Clinton ist «unseriöse Clown-Show»
Hillary Clinton wies bei ihrer Befragung jede Kenntnis von Straftaten Epsteins zurĂŒck. Sie habe den Finanzinvestor nie getroffen oder mit ihm kommuniziert. Seine Komplizin Maxwell habe sie nur flĂŒchtig gekannt. Statt mit der jetzigen Befragung von dem Umgang mit den Epstein-Akten ablenken zu wollen, solle der Ausschuss die vollstĂ€ndige Veröffentlichung der Unterlagen vorantreiben, so Clinton.
Sie Ă€uĂerte sich im Anschluss an ihre Befragung enttĂ€uscht darĂŒber, dass diese trotz ihrer Forderungen nach Transparenz nicht öffentlich stattgefunden hatte. Sie hoffe, dass die Videoaufzeichnung so schnell wie möglich veröffentlicht werde. Demokraten im Ausschuss sprachen mit Blick auf ihre Befragung von einer «unseriösen Clown-Show» und «politischem Theater».
Auch Lutnick soll möglicherweise aussagen
Im Zuge der Befragungen rĂŒckt auch Handelsminister Lutnick erneut in den Fokus. Aus den Epstein-Akten geht hervor, dass er lĂ€nger Kontakt zu dem Finanzier hatte als zu einem frĂŒheren Zeitpunkt eingerĂ€umt. Ausschuss-Chef Comer sagte Medienberichten zufolge vor Beginn der Befragung Hillary Clintons, es sei «sehr gut möglich», dass Lutnick auch vor das Gremium geladen werde. Demokraten fordern das schon lĂ€nger.Â
Abgeordnete der Partei prĂŒfen zudem, ob im Zuge der Veröffentlichung der Akten durch das Justizministerium wichtige Dokumente zurĂŒckgehalten wurden â darunter Unterlagen zu VorwĂŒrfen gegen Trump. Das Ministerium bestreitet das, kĂŒndigte aber an, einen Teil der Unterlagen noch einmal zu prĂŒfen. Trump bestreitet jegliches Fehlverhalten.
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