Wer und was in den Epstein-Akten zu sehen ist
20.12.2025 - 14:14:39Vieles ist komplett geschwĂ€rzt, manches verwirrend, anderes wiederum verstörend: Lange wurde auf die Veröffentlichung der Epstein-Akten gewartet. Nun, vor wenigen Stunden, hat das US-Justizministerium damit begonnen, die sensiblen Daten der Ăffentlichkeit zur VerfĂŒgung zu stellen. Weltweit durchforsteten MedienhĂ€user ĂŒber Stunden die riesigen Datenmengen. Das Justizministerium erntete bereits Kritik fĂŒr die vielen SchwĂ€rzungen von Material.
Alle Akten wurden bisher noch nicht veröffentlicht. In den Unmengen an dem nun bekannten Material finden sich jedoch bereits zahlreiche Fotos, Videos, Protokolle, DruckauftrĂ€ge, Klageschriften und andere Dokumente. Doch was sagen diese Informationen aus und was ist bereits bekannt? Ein Ăberblick.
Warum sind die Epstein-Akten so brisant?
Der Fall Epstein beschĂ€ftigt die Ăffentlichkeit seit vielen Jahren. Jahrelang hatte der US-MultimillionĂ€r aus New York einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und MinderjĂ€hrige zum Opfer fielen. Ăber mehrere Jahre hinweg soll Epstein minderjĂ€hrige MĂ€dchen etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. Vor sechs Jahren kam er im Alter von 66 Jahren in einer GefĂ€ngniszelle zu Tode.
Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society, was zahlreiche Spekulationen ĂŒber die Tragweite des Skandals mit sich brachte. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominente Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten - darunter etwa US-PrĂ€sident Donald Trump. Per Gesetz wurde schlieĂlich vor einem Monat die Veröffentlichung der Akten verfĂŒgt, gegen die sich Trump lange gewehrt hatte.
Was steht in den bisher veröffentlichten Akten?
Ab Freitagnachmittag (Ortszeit) stellte das Ministerium einen Schwall an Daten online, die Teil der Ermittlungen gewesen sein sollen. Bis zum Vormittag waren sieben solche Pakete online. Einige der Fotos sind bereits bekannt. Dokumente, die als geheim eingestuft werden, mĂŒssen nicht veröffentlicht werden. Eine ErklĂ€rung oder ErlĂ€uterungen zu den Dateien gab das Ministerium nicht ab - laut dem Gesetz ist es dazu innerhalb einer weiteren Frist aber verpflichtet.
Was aus den zahlreichen Dokumenten heraussticht:
- Fotos mit Epstein und Maxwell: Auf den Bildern sind hÀufig zwei Personen zu sehen - der MillionÀr und seine Vertraute. Ghislaine Maxwell wurde im Jahr 2022 verurteilt. Laut Urteil hatte sie eine zentrale Rolle beim Aufbau von Epsteins Missbrauchsring, sie sitzt nun im GefÀngnis. Aufnahmen zeigen die beiden etwa beim Feiern.
- Fotos von Zuhause und von Reisen: Viele Bilder zeigen Epstein und Maxwell auf Reisen. Auch Aufnahmen von Epsteins Zuhause in New York sind abgebildet. Darunter TreppenaufgÀnge, ein Arbeitsplatz mit vielen Bildschirmen, AktenschrÀnke, Sexspielzeug, SportgerÀte, KleiderschrÀnke.
- Dokumente: Es gibt viele Protokolle, angefangen von DruckauftrÀgen, Klageschriften, Verhörprotokollen sowie eine Checkliste des FBI bis hin zu Listen, auf denen bis auf Zeit und Datum kaum etwas anderes zu sehen ist.
Sind auf den Bildern Straftaten zu sehen?
Nein. Bei einer ersten Sichtung waren zunĂ€chst keine Bilder enthalten, auf denen etwa sexueller Missbrauch oder andere Straftaten zu sehen sind. Per Gesetz darf das Justizministerium derartige Aufnahmen und Dokumente auch weiterhin zurĂŒckhalten.
Akten, die laut Gesetz einen «eindeutig ungerechtfertigten Eingriff in die PrivatsphĂ€re darstellen», können ebenfalls ausgenommen werden. Das gilt auch fĂŒr die Veröffentlichung von Informationen, die mögliche Bundesermittlungen oder Gerichtsverfahren gefĂ€hrden wĂŒrden, oder deren Geheimhaltung im Interesse der nationalen Verteidigung oder der AuĂenpolitik liegt.
Welche prominenten Persönlichkeiten tauchen auf?
Einige Prominente tauchen in den Akten mit Bildern auf. Unter ihnen ist sehr hÀufig Ex-PrÀsident Bill Clinton zu finden, aber auch Rockstar Mick Jagger, der 2009 verstorbene Pop-König Michael Jackson oder der Schauspieler Kevin Spacey.
Auch der britische Ex-Prinz Andrew - nun Andrew Mountbatten-Windsor genannt - der wegen seiner Verstrickung in den Skandal bereits in Verruf geriet und jĂŒngst seine Adelstitel abgeben musste, kommt vor. Ein schwarz-weiĂes Foto soll ihn dabei zeigen, wie er auf einer Couch lachend ĂŒber dem SchoĂ mehrerer Personen liegt. Hinter ihm steht demnach Maxwell, neben ihr eine Frau. Die Gesichter weiterer Personen sind geschwĂ€rzt.Â
Die reine Nennung oder Abbildung in den Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits frĂŒher identifizierten Personen hatten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets abgestritten.
Inwieweit taucht Trump in den Akten auf?
Das ist fĂŒr viele, gerade auch seine AnhĂ€nger, die entscheidende Frage. Trump kannte Epstein gut, wie frĂŒhere Fotos zeigen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal, Trump selbst hatte jegliche VorwĂŒrfe dieser Art stets bestritten.
Doch der US-PrĂ€sident ist deswegen in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten. Noch im PrĂ€sidentschaftswahlkampf hatte er die Freigabe der Akten gefordert, dann strĂ€ubte er sich nach dem Amtsantritt. Selbst im eigenen Lager erntete er dafĂŒr Kritik. Erst auf massiven Druck der Ăffentlichkeit und des Parlaments unterschrieb er im November das vom US-Parlament verabschiedete Gesetz zur Veröffentlichung.
In den nun veröffentlichten Dokumenten kommt Trump zwar vereinzelt vor, nach ersten Auswertungen scheint es jedoch kaum neue Informationen ĂŒber das VerhĂ€ltnis zwischen Epstein und Trump zu geben. Der US-PrĂ€sident Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht dazu.
Warum sprechen alle ĂŒber Bill Clinton?Â
Ex-PrĂ€sident Bill Clinton, dem Trump in dieser Sache immer wieder VorwĂŒrfe gemacht hat, kommt in den veröffentlichten Dokumenten hingegen besonders hĂ€ufig vor. Immer wieder taucht er auf Fotos auf - zum Beispiel beim Schwimmen im Pool mit Maxwell. Auf anderen Aufnahmen sieht man den Demokraten ohne Bezug zu den beiden.
Ein Sprecher Clintons, Angel Urena, kritisierte die Veröffentlichung der Fotos als Ablenkungsmanöver des WeiĂen Hauses. Auf der Plattform X schrieb Urena, es gebe zwei Gruppen von Menschen. Eine erste Gruppe, die nichts gewusst und die Beziehung zu Epstein abgebrochen habe, bevor dessen kriminelle Taten ans Licht gekommen seien. Und dann gebe es eine zweite Gruppe, die auch danach ihre Beziehungen zu ihm weitergefĂŒhrt habe. «Wir gehören zur ersten Gruppe.»Â
Trump behauptete in den vergangenen Wochen immer wieder, dass Clinton auf der Privatinsel Epsteins gewesen sei. Selbst Trumps Stabschefin Susie Wiles widersprach aber dieser Darstellung.
Warum wird das Justizministerium kritisiert?
Die Initiatoren des Gesetzes fĂŒr die Veröffentlichung der Ermittlungsakten werfen dem Justizministerium vor, Informationen zurĂŒckzuhalten. Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna sagte in einem auf X veröffentlichen Video, dass ein 119 Seiten langes Dokument mit Zeugenaussagen ohne jede ErklĂ€rung komplett geschwĂ€rzt worden sei. Man wolle eine vollstĂ€ndige Freigabe der Ermittlungsakten.
UnterstĂŒtzung dafĂŒr erhielt Khanna unter anderem vom Republikaner Thomas Massie, der die Gesetzesinitiative zusammen mit dem Demokraten angestoĂen hatte. Auch der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im US-Senat, Chuck Schumer, beklagte auf der Plattform X, dass das Ministerium «nur einen Bruchteil der gesamten Beweismittel» veröffentlicht habe. Man werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um sicherzustellen, dass die Wahrheit ans Licht komme.
Wie geht es jetzt weiter?
In den nĂ€chsten Wochen sollen weitere Hunderttausende Dokumente veröffentlicht werden, wie Vize-Justizminister Todd Blanche im Sender Fox News erklĂ€rte. Ihm zufolge mĂŒssen Seiten vor einer Veröffentlichung zum Schutz der IdentitĂ€t der Opfer bearbeitet werden.
Allerdings sieht das neue Gesetz auch vor, dass das Justizministerium innerhalb von 15 Tagen nach der vollstĂ€ndigen Veröffentlichung dem Kongress einen Bericht zur VerfĂŒgung stellen muss, der alle SchwĂ€rzungen begrĂŒndet und eine Liste aller Regierungsmitarbeiter und politisch relevanten Personen umfasst, die in den Dokumenten der Epstein-Akten vorkommen.













