Stichwahl, Fernando Villavicencio

PrÀsidentenwahl in Ecuador: Stichwahl im Oktober?

21.08.2023 - 11:11:17 | dpa.de

Erste gewĂ€hlte Frau an der Staatsspitze oder jĂŒngster PrĂ€sident der Geschichte Ecuadors: Die zweite Runde der PrĂ€sidentenwahl wird dem sĂŒdamerikanischen Land in jedem Fall ein politisches Novum bescheren.

  • Ein Soldat bewacht die GĂ€nge im Colegio MejĂ­a, einem der wichtigsten Wahlzentren in der Hauptstadt Ecuadors. - Foto: Juan Diego Montenegro/dpa
    Ein Soldat bewacht die GĂ€nge im Colegio MejĂ­a, einem der wichtigsten Wahlzentren in der Hauptstadt Ecuadors. - Foto: Juan Diego Montenegro/dpa
  • Inmitten eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn hatte PrĂ€sident Lasso im Mai das Parlament aufgelöst. FĂŒr den Zeit der Legislaturperiode bis 2025 mĂŒssen nun der PrĂ€sident und die Abgeordneten der Nationalversammlung neu gewĂ€hlt werden. - Foto: Dolores Ochoa/AP/dpa
    Inmitten eines Amtsenthebungsverfahrens gegen ihn hatte PrĂ€sident Lasso im Mai das Parlament aufgelöst. FĂŒr den Zeit der Legislaturperiode bis 2025 mĂŒssen nun der PrĂ€sident und die Abgeordneten der Nationalversammlung neu gewĂ€hlt werden. - Foto: Dolores Ochoa/AP/dpa
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Überschattet von dem Mord an einem Kandidaten und unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat Ecuador ĂŒber einen neuen PrĂ€sidenten abgestimmt. Die Linkspolitikerin Luisa GonzĂĄlez aus dem Lager des wegen Korruption verurteilten Ex-PrĂ€sidenten Rafael Correa (2007 bis 2017) gewann die erste Runde und kam auf 33,31 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Montag mitteilte. Darauf folgte ĂŒberraschend der Bananen-Unternehmer Daniel Noboa mit 23,66 Prozent. Die beiden stĂ€rksten Kandidaten werden am 15. Oktober in einer Stichwahl aufeinandertreffen.

«Das erste Mal hat eine Frau bei den PrĂ€sidentenwahlen in Ecuador gewonnen. Hoch leben die Frauen meines Vaterlandes», sagte GonzĂĄlez vor ihren AnhĂ€ngern. «Genossen, gemeinsam schreiten wir weiter voran bis zum endgĂŒltigen Sieg.»

FĂŒr Überraschung sorgte das gute Abschneiden des Mitte-Kandidaten Noboa. Der 35-JĂ€hrige stammt aus einer einflussreichen Unternehmer-Familie, hatte in Umfragen zuletzt allerdings weit hinten gelegen. Im Falle eines Wahlsiegs in der zweiten Runde wĂ€re der in den USA ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler der jĂŒngste PrĂ€sident in der Geschichte des sĂŒdamerikanischen Landes.

Land von Gewalt erschĂŒttert

Insgesamt bewarben sich acht Kandidaten um das höchste Amt in dem von einer Welle der Gewalt erschĂŒtterten Land zwischen den Koka-Anbau-LĂ€ndern Peru und Kolumbien. Der deutschstĂ€mmige frĂŒhere VizeprĂ€sident Otto Sonnenholzner erkannte frĂŒh seine Niederlage an. Neben dem Staatsoberhaupt standen auch die Abgeordneten der Nationalversammlung des 17 Millionen-Einwohner-Landes zur Wahl. Zudem standen zwei Volksentscheide zu Ölförderung im Amazonasgebiet und Bergbau in den NebelwĂ€ldern in der NĂ€he von Quito zur Abstimmung.

Der Tag der Demokratie sei Dank der gemeinsamen Arbeit der StreitkrĂ€fte und der Polizei sowie mehr als 40.000 Wahlhelfern völlig ruhig und in Frieden abgelaufen, sagte die Vorsitzende der Wahlbehörde des sĂŒdamerikanischen Landes, Diana Atamaint, zum Start der AuszĂ€hlung am Sonntagabend.

Rund zehn Tage nach der Ermordung des Oppositionskandidaten Fernando Villavicencio war die Lage zwar ruhig, aber sehr angespannt, wie der politische Analyst AndrĂ©s GonzĂĄlez der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Die Wahlen sind jetzt plötzlich eine gefĂ€hrliche Veranstaltung, es herrscht ein Klima der Angst. FĂŒr uns ist diese Situation fremd. Es war noch nie so, dass man sich fĂŒrchten musste, wenn man in ein Wahllokal geht», sagte er.

WĂ€hlen in kugelsicheren Westen

Viele Kandidaten trugen bei der Stimmabgabe kugelsichere Westen. Der Journalist Christian Zurita, der an der Stelle des vor eineinhalb Wochen ermordeten Villavicencio antrat, kam sogar mit Stahlhelm und umringt von Soldaten in das Wahllokal.

Villavicencio war am 9. August nach einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Quito erschossen worden. Die Regierung machte das organisierte Verbrechen fĂŒr die Tat verantwortlich. Ecuador dient als Transitland fĂŒr Kokain, Verbrechersyndikate kĂ€mpfen um die Routen fĂŒr den Drogenhandel. Villavicencio hatte angekĂŒndigt, hart gegen Korruption und KriminalitĂ€t durchzugreifen.

Die vorgezogenen PrĂ€sidenten- und Parlamentswahlen waren notwendig geworden, weil der konservative Staatschef Guillermo Lasso inmitten eines Amtsenthebungsverfahrens wegen mutmaßlicher Unterschlagung gegen ihn die Nationalversammlung aufgelöst hatte.

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